Traumreise mit den Fohlen

Das Meer rauscht gleichmäßig auf die Felsen zu, der Wind säuselt um die Nase, die Luft ist rein und klar. Du schwebst in einer Traumwelt, das tiefe Blau umgibt dich. Du hast das Gefühl, dass sogar das Blut in dir blau ist.  Du blickst in den Himmel und siehst einen riesengroßen Vogelschwarm, der über dir streicht. Es ist trotzdem still. Du stehst auf und kommst zu einem langen Sandstrand aus schwarzem Gold  mit Blumensträuchern und Palmen. Du glaubst, du bist in Miami. Von irgendwo hörst du ein galoppartiges Geräusch, weißt aber nicht woher. Du legst dich in den warmen Sand und streckst die Arme aus. Er ist sehr weich und du schließt die Augen. Es erklingt eine Gitarrenmelodie. Du wachst auf.

Die Platte „Total Life Forever“  ist zu Ende und du bist wieder in der Realität. Das neue Album der Foals, zu deutsch „Fohlen“, das im Mai 2010 erschienen ist, lädt zum Träumen ein. Die Sounds sind wesentlich entspannter und melodischer als die des Vorgängers „Antidotes“ aus dem Jahr 2008.  Schaut man sich nur das Video zur zweiten Single „This Orient“ an, so wird der Stilwechsel des Foals-Sounds deutlich. Die Band spielt in Mitten einer Traumlanschaft aus Vögeln, Blumensträuchern und verschiedenen Lichteffekten. Dazu die beruhigende Stimme des Sängers Yannis Philippakis, der die Lieder ausgeglichener als sonst singt. Zehn Songs beinhaltet die neue Platte der englischen Indie-Band, die von Musikzeitschriften durchweg positive Kritik bekam. Das Album klingt in sich stimmig und weitaus harmonischer als die Debütplatte. Der Track „Total Life Forever“ ist der groovigste und tanzbarste, der mit Rasseln und verzwackten Gitarrenrhythmen unterlegt wird. „Afterglow“ erinnert als achter Song des Albums noch am ehesten an das vertrackte Math-Rock Meisterwerk „Antidotes“, das komplexer und chaotischer wirkt. Trotz der Entwicklung zur Harmonie und Melodie, steht das zweite Album dem ersten in nichts nach. Die typischen ineinander verwobenen Gitarrenmelodien bleiben erhalten und beide Alben bildenjeweils einen einzigartigen Sound heraus. Die fünfköpfige Combo aus Oxford, die 2005 ihre Band gründete, wurde mit ihrem ersten Album zum typischen Vertreter des Math-Rock, der sich durch gitarrenlasitge Rhythmen und abgehackte Melodien auszeichnet. „Antidotes“ besticht durch experimentellen Progressive Rock mit Post-Punk Elementen. Mit „Total Life Forever“ wolle sich die Band „eher dem Ausdruck, als der ganz bewussten Auseinandersetzung widmen“. Damit reiht sie sich in die Gruppen ein, die vom experimentellen ersten Album zum melodischen zweiten Werk übergehen. The Horrors haben ebenfalls so eine ähnliche Entwicklung durchgemacht. Das neueste Werk zielt auch auf langsam aufgebaute Sound-Höhepunkte aus, wie sie vor allem bei der tiefgründigen Ballade „Spanish Sahara“ und dem Tanzwerk „Black Gold“ deutlich werden.  Die Band selbst bezeichnet die neue Platte als“ Traum eines sterbenden Adlers“ und auch das  Albumcover, auf dem die Bandmitglieder unter Wasser schweben, passt zum leichtfüßigen Dance-Sound des Indiewerks. „Now the waves they drag you down. Carry you to broken ground. Though I find you in the sand. Wipe you clean with dirty hands.“ Das Meer ist sicherlich ein Leitmotiv der ganzen Platte. Auch der erste Track „Blue Blood“ zeichnet sich durch schwerelose Melodien aus und regt zum Tanzen an. Selbstfindung ist ebenfall ein Thema einiger Songs wie in „Blue Blood“.  „You showed me my way back home. To where I was born. To where I belong.“ Die jungen Musiker sind gereift und wollen sich stärker mit ihren Melodien ausdrücken, was „Total Life Forever“ deutlich verzeichnet.  Foals sind eine der wenigen Bands, die es verstehen, ihren Stil weiterzuentwickeln, ohne die Besonderheit ihres Sounds zu verlieren. „Antidotes“ und „Total Life Forever“ sind zwar sehr unterschiedich, doch der rote Faden von verwobenem Gitarrenklimpern ist weiterhin herauszuhören.

Also wird die Platte wieder eingelegt und du begibst dich wieder in eine Welt von Vogelschwärmen, tiefblauen Unterwasserwelten und rosafarbenen Sträuchern. Und irgendwo in der Ferne ist auch das Galopp eines jungen Fohlens zu hören.

http://www.foals.co.uk/entry/

www.myspace.com/foals

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