Die Verschollenen

Wenn man eine neue Band entdeckt, läuft das meistens so ab: man hört ein gutes Lied, vielleicht auch zwei, und dann informiert man sich über die entsprechende Band. Gefallen einem noch weitere Songs, dann holt man sich das ganze Album, ist die Band richtig gut, dann alle Alben, wenn denn mehrere existieren. Bestenfalls findet dann auch noch zeitnah ein Konzert statt, für das man sich auch gleich Karten besorgen kann. Bei Vienna Heat und mir lief das zunächst ganz genauso ab. Im LastFM Radio hörte ich zufällig „Baby, When We Danced“ und obwohl ich mir im ersten Moment noch dachte: „Alter, was hat der denn für ’ne Stimme?“ und „Klingt mir ein bisschen zu bluesig“, so blieb der Song mir doch im Gedächtnis haften. Also betrachtete ich mir ihre LastFM Seite genauer und fand dort ganze drei 30-Sekunden-Hörbeispiele und außerdem die Information, dass die Band trotz ihres Namens nicht etwa aus Österreich sondern aus Schweden kommt. Von einem Album ist in der Bandbeschreibung ebenfalls die Rede, einen Link zu selbigem sucht man allerdings vergeblich. Bei weiterer Recherche fand ich die offizielle Homepage, welche für den Herbst 2009 ein Album ankündigt und einen Musikplayer mit einigen Liedern bereitstellt, ansonsten aber nur auf die Myspace-Seite verweist. Diese ist aufgrund ihres Designs (helle Schrift auf hellem Hintergrund) nur zu lesen, wenn man alles mit der Maus markiert, aktuell ist sie ebenfalls nicht, der letzte Eintrag ist über ein Jahr alt und kündet von Festivalauftritten im Sommer 2009. Letzte Station ist dann Youtube: Die Songs „Oh That’s Life“ und „Shake Your Shoes“ sind dort als offizielle Videos hochgeladen, gerade „Oh That’s Life“ wirkt sehr professionell gedreht. Weiterhin findet man nur noch ein Live-Video von einem Konzert im Bassy-Club in Berlin, welches Vienna Heat als typische Indie-Band präsentiert: Längere, ins Gesicht hängende Haare, enge Röhrenjeans, energisch die Gitarre spielend und am Ende den Applaus des Publikums mit lässiger Gleichgültigkeit hinnehmend. Der Name des Lieds, das sie in diesem Video spielen, bleibt unerwähnt.

Schließlich ging ich dem letzten Hinweis nach: es stellte sich heraus, dass Sänger Anders Elowsson bereits als Solokünstler bekannt ist. Dazu findet man auf Youtube auch ein sehr künstlerisches Video zum Gute-Laune-Song „Main Street“ und schließlich auch ein komplettes Album, welches es sogar wirklich auf Amazon als MP3-Download zu kaufen gibt. Elowssons „Solosongs“ könnten genauso gut als Vienna Heat – Lieder durchgehen, schließlich bleibt der charakteristische Gesang. Auch im Stil bleibt Elowsson sich in seinen beiden Projekten treu, in dem er den Sound der Sixties wiederauferstehen lässt.
Im Endeffekt landete ich trotzdem in einer Sackgasse. Schließlich veröffentlichte Elowsson sein Album im Jahr 2008, seine Myspace-Seite ist ebenso unaktuell und unlesbar wie die von Vienna Heat und sogar die Homepage seines Labels „Marilyn Records“ wurde seit über einem Jahr nicht mehr aktualisiert.
Neues kann man also nicht erwarten von Vienna Heat, das als Bandprojekt ebenso eingeschlafen scheint wie Elowssons Solokarriere. Schade eigentlich.

Vienna Heat – Oh That’s Life

Vienna Heat live

Anders Elowsson – Main Street

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