Kino-Tipp: „The Doors – When You´re Strange“ (ab 12. August)

Mitten in der Wüste. Im Nirgendwo. Jim Morrison fährt den Highway entlang. Im Radio ertönt die Meldung, dass der Sänger der Doors Jim Morrison an jenem 3. April 1971 in Paris verstorben sei. Die Fans trauern. „Goodbye Jim. We will miss you.“ Der vollbärtige Morrison fährt weiter. Es sind die 1969 entstandenen Aufnahmen zu dem Kurzfilm „HWY-An American Pastoral“ , in dem Morrison einen Highway-Mörder spielt.

„The Doors-When You´re Strange“ ist eine US-amerikanischer Independent-Dokumentation von Tom DiCillo über einer der wichtigsten Bands der 60-er Jahre. Dabei verwendet der Regisseur viel unveröffentlichtes Archivmaterial und dynamische Bilder in chronologischer Reihenfolge, um den Film möglichst realitätsnahe zu präsentieren. Originalaufnahmen von Bandproben, Konzerten, Interviews und zeitgeschichtliches Filmmaterial sind zusammengeschnitten und drücken kraftvoll die Entwicklung einer kleinen Blues-Band aus L.A. zur weltberühmten Supergroup aus. Den Kommentar spricht Filmstar Johnny Depp in der amerikanischen Fassung, mit den jeweiligen Untertiteln unterlegt. Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass keine Experten die Geschichte der Doors kommentieren, sondern einzig und allein Bilder und Aufnahmen im Mittelpunkt stehen.

So benutzt DiCillo zum Beispiel Original-Material aus den 60-er Jahren, das die aufsteigende Hippie-Bewegung ablichtet und zugleich die Morde an John F. Kennedy und seinem Bruder Robert. Kreischende Doors-Fans werden ebenso gezeigt wie erschreckende Bilder des damals wütenden Vietnam-Krieges. Der Regisseur präsentiert politische und gesellschaftliche Ereignisse der späten 60-er Jahre,untermalt mit der Blues-lastigen Flower-Power-Musik der Doors und kreiert damit eindrucksvolle Filmkunst.

Venice Beach,1965: Der 22-jährige Filmstudent Jim Morrison gründet mit Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore die Bluesrock -Band „The Doors“ und ihre allererste Single „Light my Fire“ steigt 1967 auf Platz eins der US Charts. Eine Musiklegende ist geboren. Die Gruppe wird schnell Aushängeschild der mit Drogen experimentierenden Jugendlichen, die sich gegen die Engstirnigkeit der Erwachsenen auflehnen und eine freie Gesellschaft befürworten. Ob Kriegsgegner, Hippies oder einfach Studenten-jeder kann sich mit der psychedelischen Musik der Doors identifizieren und vor allem Jim Morrison wird zum neuen Sexsymbol der Hippiezeit. Energiegeladen, provokant und vor allem immer zugedröhnt begeistert der Sänger seine Fans. Die Doors schweben auf der Erfolgswelle. Sie spielen in immer größeren Hallen und sind Gesprächsthema Nummer Eins in den USA. Doch mit dem Ruhm scheint Morrison am wenigsten klar zu kommen. Drogen, Alkohol und Groupies bestimmen sein Leben und er entfernt sich immer weiter von den anderen Bandmitgliedern. Zeitweise will er sogar schon bei den Doors nach 4 Jahren aussteigen, aber er macht schließlich weiter. Morrison wird mehrmals wegen Obszönitäten auf der Bühne festgenommen. Die Whisky-Flasche  ist jetzt einer seiner Grundnahrungsmittel und er wirkt aufgeschwemmt. Das Sexsymbol hat seinen Glanz verloren. Er verlässt die Band und zieht nach Paris mit seiner Freundin, um mehr Gedichte zu schreiben. Ein Album möchte er trotzdem noch aufnehmen.

Am 3. April 1971 stirbt Jim Morrison an einer Überdosis Heroin in seiner Pariser Wohnung. Er ist nur 27 Jahre alt geworden. The Doors haben mit ihm zusammen sechs Studioalben aufgenommen, die fast alle überaus erfolgreich waren. Ihre Musik wurde teils zum Sprachrohr einer ganzen Generation, die im prüden Amerika gegen ihre Elternhäuser rebellierte. Der Film zeigt die Licht- und Schattenseiten dieser Zeit auf, aber auch gleichzeitig den einmaligen Geist dieser Epoche, sowohl musikalisch als auch sozialpolitisch. Jim Morrison verkörperte dieses junge Rebellentum perfekt und lebte seinen Ruhm exzessiv und exzentrisch aus. Der charismatische Poet und Selbstinszenierungskünstler lebte  kurz und frei nach dem Motto: Live Fast, Love Hard, Die Young. Doch die Legende bleibt. „You can´t burn out if you are not on fire.“

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gedreht, Geschrieben, Gelesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s