Megafreak, Megafun, Megapuss

Was denkt man, wenn man auf einem CD-Cover zwei nackte,vollbärtige Männer sieht, die sich wie Steinzeitmenschen mit Messer und Muskeln bekämpfen? Eklig, gestört, anstößig, abgedreht? Alles ist zutreffend, nur nicht langweilig! Die zwei Naturburschen, um die es sich handelt, heißen Devendra Banhart und Greg Rogove und zusammen sind sie Megapuss, zu deutsch: Megamieze. Gestörter Name, gestörte Typen? Auf den ersten Blick ja, befasst man sich dennoch mehr mit diesem Freak-Folk-Phänomen, dann wird es schwer, sie nicht irgendwie zu mögen, ja sogar sie zu bewundern. Ja, ihre Lieder zeugen nicht gerade von musikalischer Tiefe und ja, manche wirken etwas ermüdend, aber eben weil ihr Debüt „Surfing“  so herrlich locker ist, ist es ein einziger Musikspaß. Und um Fun geht es bei den beiden allemal.

Devendra und Greg gründeten ihr musikalisches Nebenprojekt 2008 auf einer gemeinsamen Tour, als sie aus Spaß vor ihrem Auftritt einen Song schrieben und sich einen Bandnamen ausdachten. Schnell hatten sie 14 Lieder fertig und nahmen ihre erste Platte „Surfing“  auf. Der Titel passt immens zum Hippiewerk der beiden. Wellenreiten unter der Sonne Brasiliens. Leicht, locker, lebensfroh. „Lavender Blimp“ ist ein raschelndes Gitarrenkurzspiel, das von Sonnenspaß und Mondschwingen erzählt. “ We are the ones who come from the sun. We are the ones who come when we come.“ Eine fröhlich-heiteres Wiederaufleben vom Flower-Power-Gedankengut. Ähnlich ist auch „To the Love Within“, das durch Trommeln und Rasseln dominiert und ein perfekter Song ist fürs nächtliche Lagerfeuergelage. Begleitet auf den Drums werden die beiden Homies von ihrem Buddy Fab Moretti, bekannt durch die Strokes. Das Album fängt verhältnismäßig harmonisch mit „Crop Circle Jerk ´94“ an, betont aber schon wohin es führen wird. Lässig, hip und vollkommen verrückt. Wirklich weirdo wird es schon beim zweiten Stück „Duck People, Duck Man“, auf dem Komiker Anziz Ansari etwas von Entenmenschen erzählt, die auf Vitamin C schwören und sich gegen Vorurteile wehren. Sinnloser Text zunächst, aber vielleicht auch metaphorisch für alle diskriminierten Gruppen auf dieser Welt. Bei Megapuss kann man sich nie sicher sein, ob sie das alles nur als Spaß verstehen oder ihre Lieder zum Teil doch eine Botschaft haben. So auch die Homo-Hymne „Adam & Steve“, die mit dem Gitarrensolo von „Careless Whisper“ rebellisch chaotisiert. Das dazu gedrehte und auch einzige Video nimmt Right Said Freds „I´m too sexy“  auf die Schippe. Anders ist es auch nicht zu erwarten.

Der provokanteste Song ist wohl „An Gun on his Hip and a Rose on his Chest“, der immer mit „Fuck the …in the asshole“ einleitet. „Aw, I´m just kidding“. Ach, wirklich? Zum Schluss hin wird es etwas ruhiger und gezogener, was viele Kritiker negativ bewerten. Die beiden Pseudohippies brauchen eben auch mal ein bisschen Ruhe vom ewigen musikalischen Rumspringen.

„Surfing“ verspricht was der Titel beinhaltet. Antifolkiges Hippiegitarrengedöhnse gepaart mit  lateinamerikanischen Trommelwirbeln und salsalastigem Rasselscheppern. Tanzen und schwingen auf den Wellen. Was immer die Kritiker lästern , die kalifornischen Musikkünstler lassen an origineller Abwechslung nichts zu wünschen übrig und bringen einen zum Schmunzeln beim Zuhören. Der Spaßfaktor ist das wichtigste, das spürt man sowieso bei der durchgeknallten Band selber. Megapuss ist ein verrückt-verruchtes Künstlerprojekt, das einmal etwas neues präsentiert gegenüber der oft angepassten Rockszene. Erfrischend freakig, erfrischend anders. Ihre Musik passt zu lauen Sommerabenden in der Natur. Unbeschwert und frei. So wie es die echten Hippies vor Jahrzehnten ausgelebt haben.

http://www.myspace.com/megapuss

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