Viel zu großer Hype um zu wenig

Ich habe ja eigentlich nichts gegen Bands, die sich an der Musik der 80er orientieren und poppige Elektro-Beats in ihren Sound mischen. Da der Trend eh leider immer mehr Richtung Synthesizer und Co. geht, muss man sich wohl früher oder später mit dieser Musik auseinandersetzen. Übertrieben wird es jedoch, wenn zwei Herren in maßgeschneiderten Anzügen, gegelter Kurzhaarfrisur und mit einem pathetischen Gesichtsausdruck der neue Schrei im Musikbusiness sein sollen. Hurts, so nennt sich das Pop-Duo aus Manchester, das mit ihrem Synthie-Pop die Herzen der Musikredakteure von Intro und Musikexpress im Sturm erobert hat. Die Band gibt selbst als große Vorbilder Depeche Mode an, was man unweigerlich schnell heraushört. Sind sie nun ein Abklatsch der großen Pop-Band der 80er oder haben sie mit ihrem Album „Happiness“, ironischerweise gar nicht passend zum Bandnamen, einen neuen Sound des Jahrzehnts geschaffen? Nun, die Lead-Single „Wonderful Life“ kling ja ganz nett, schmalzige Stimme singt etwas von Lebensoptimismus und die Drum-Machine haut die Synthie-Beats rein. Und alles ganz schlicht und einfach. Ein Track in dieser Art ist vollkommen in Ordnung, ein ganzes Album aber davon unerträglich. Allein schon die melancholische Schnulz-Stimme von Theo Hutchcraft, der über den tieferen Sinn des Lebens philosophiert, ist ziemlich nervtötend und wirkt aufgesetzt. Unglaubwürdig scheint hier folgendermaßen das richtige Adjektiv zu sein, um Hurts zu beschreiben. Dieses snobistisch angehauchte Image, das die Band pflegt, ist natürlich von Anfang an komplett durchdacht und diese ganze Schlichtheit von der Kleidung bishin zum schwarz-weißen Albumcover soll künstlerischer Purismus sein. Schön und gut, aber wirklich identifizieren kann man sich damit nicht, vor allem die Jugend, die  doch eher  in Röhrenjeans und Chucks gekleidet abpogen will. Hurts sind zu ernst, zu gestylt und zu dramatisch, um wirklich als das neue „Indie“ bezeichnet werden zu können. Die Musikindurstrie sucht zwar immer nach einem neuen Sound, nach einem neuen Trend, doch altes bewährt sich oftmals. Diesem Schnulz-Pop mit dem Hang zum eloquenten Tiefsinn wird viel zu viel Bedeutung zugetragen und ist nichts Neues, siehe Depeche Mode. Da ist mir die zwanzigste Indierock-Band, die leicht und locker in abgewezten Jeans und Turnschuhen authentisch etwas vom letzten Herzschmerz singt, doch zehnmal lieber als dieser Pseudo-Elektro!

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