Ein Science-Fiction-Chaos from Outta Space

Vor 3 Jahren haben sie einen wahren Hype ausgelöst und nebenbei ein neues Genre mit ihrer Musik geschaffen. Ihrem Science-Fiction-Electronic-Dance-Punk  wurde der Name „New Rave“ verpasst, eine Mischung aus Punkrock, Elektro und Disco. Klaxons sind die Vorreiter dieser speziellen Musikrichtung und schwebten mit ihrem Debütalbum „Myths Of The Near Future“  2007 auf der Erfolgswelle. Der Nachfolger sollte idealerweise daran anknüpfen. Drei Jahre haben die vier Engländer gebraucht, um „Surfing the Void“ fertigzustellen. Sicher ist, dass die Band ihrem exzeptionellen Stil treu geblieben sind, ihn sogar noch ausgefeilt haben. Vergleicht man die erste Platte mit der neuen, fällt auf, dass das Quartett mit mehr Gitarren arbeitet als bei ihrem Debüt. Bei „Flashover“ verpassen die Instrumente dem Lied seine düstere Dröhnung und machen es zum typischen Klaxons-Lied: Ravig, rockig und chaotisch. Viele Kritiker meinen, dass“Surfing the Void“  poppiger sei, doch das Gegenteil ist der Fall. „Myths Of The Near Future“ klingt sehr viel harmonischer und ausgeglichener, höre man sich nur „Golden Skans“ oder „As Above, So Below“ an. Das neue Album trifft eher einen sehr düsteren, wilden und rockigen Ton, was es viel mehr zu einem Rave-Album macht als das erste. Der Titeltrack erzählt verstörend von einer intergalaktischen Reise durch das Nichts. Hysterische Vocals paaren sich mit einem Synthie-Gitarren-Chaos. Diese Mischung ist bezeichnend für das ganze Album, das wie ein kompletter  Drogentrip wirkt, bei dem man sich in ein Ufo setzt und die Galaxis erforscht. Klaxons wären eben nicht Klaxons, wenn man ihre Lyrics verstehen würde. Zeilen wie „Echoes from the otherworld turn horizons into endless ever present“  oder „Celestial catastrophe, orbiting machines, entropy evaporates absorbing the obscene“ sind poetischer Standard. Die Lead-Single „Echoes“ mit seiner Piano-Melodie erscheint da noch am gemäßigten und hätte auch auf das erste Album gepasst. „Valley Of The Calm Trees“, bei dem der Synthesizer dominiert, und „Twin Flames“ sind etwas ruhiger, aber eben nur etwas. Die abgedrehten Lyrics bleiben erhalten und James Righton sowie Jamie Reynolds singen im pathetischen Duett wie beispielsweise bei „Same Space“. Am Anfang wirkt der Track abgehackt, endet aber in einem schnellen Drumbeat. Hier geht es um pure Rebellion gegen Geradlinigkeit und Harmonie.Verschroben, abgedreht, zugedröhnt und mit dem Hang zu Science-Fiction-Texten – so lassen sich alle Songs der Klaxons beschreiben. Die Band sieht sich selber als Pop-Band; Madonna oder Lady-Gaga ist das aber definitiv nicht, von der Massentauglichkeit ganz zu schweigen. Auf „Surfing the Void“ finden sich somit wahrscheinlich keine großen Hits wie auf der ersten Platte, zugleich verständlich bei dem Rave-Chaos. Wenn Klaxons als Vertreter des New Rave gelten, dann sind sie wohl mehr Klaxons als je zuvor. Das neue Werk ist dichter und komplexer, die Gitarren hauen einem den spacigen Sound um die Ohren und der Synthesizer sorgt für ein Flammenwerk von Elektro-Beats. Dazu kommt der düster-hysterische Gesang – Die Musikdröhnung ist perfekt. Klaxons haben ein noch mehr ineinander verwobenes Dance-Punk-Werk erschaffen ohne den roten Faden ihres typischen Sounds zu verlieren. „Surfing the Void“ ist eine Reise in eine andere Welt, mystisch, aber auch irgendwie ein bisschen unheimlich.

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