Willkommen zum theatralischsten Album 2010

2010 ist anscheind ein Jahr von Solo-Ausflügen einiger Leadsänger von internationalen Rockbands. Nachdem Julian Casablancas erfolgreich letztes Jahr bewiesen hatte, wie experimentierfreudig er in Sachen Elektro-Pop ist, sind nun Paul Smith (Maximo Park), Kele Okereke (Bloc Party), Fran Healy (Travis) und schließlich Brandon Flowers von The Killers an der Reihe. Ich möchte mich letzterem mit diesem Artikel widmen und aufzeigen, dass es kein Garant für gute Musik ist, wenn man den selben Sound von seiner Band nimmt und ihn einfach nur noch poppiger macht- das heißt in diesem Fall noch schlechter. Der Sänger der Mainstream-Pop-Band Nummer Eins, die unverständlicherweise dem Genre Indierock zugeordnet ist, verfällt mit seinem Debütalbum „Flamingo“ in ultratheatralischen Radio-Pop.

Wieso ich das meine? Nun, nehmen wir doch zunächst die Erst-Single „Crossfire“ in Betracht, die schon mit Synthie und Piano ganz großes Kino schaffen will. Flowers haucht was von Stille außerhalb des Fensters und gibt das ewig leiernde Versprechen, dass er auf sein Baby aufpasst, bla, bla. Die Drums setzten ein und er singt wie ein pathetischer Büttenredner seinen überspannten Refrain. Ich musste schlucken, als ich dieses Lied zum ersten Mal hörte. Dieser ganze 80er Pseudo-Pop-Rock hat null Tiefsinn und null musikalischen Anspruch und ist gerade gut für dreizehnjährige Kiddies, die noch Lady Gaga und Tokyo Hotel an ihren Wänden hängen haben. Da kann auch die schöne Charlize Theron  im Video diesen Pop-Schwall nicht kompensieren.

Flowers macht hier auf ernst zunehmenden Singer/Songwriter, landet aber in einer oberflächlichen Kommerz-Kiste. Er möchte ja mit diesem Album seine Liebe zu Las Vegas offenbaren und sich gleichzeitig mehr mit seiner Abstinenz-Religion beschäftigen. „On The Floor“ ist so ein schönes Beispiel von moralischem Gedusel, in dem Flowers den dreckigen Küchenboden anhimmelt, auf dem er zu Gott beten kann. Tolle Sache… (Aber nein, „es hält ja gekonnt die sepiafarbene Balance zwischen Romantik und desillusionierter Melancholie„, so laut.de) Ja, desillusioniert bin ich auch, wenn ich so etwas lese. Ich muss einräumen, dass Flowers wenigstens konsequent ist und jeden einzelnen Kitsch-Song mit seiner Stimme dramatisch ausschmückt. Das beweist der erste Track „Welcome To Fabulous Las Vegas“, bei dem er schon den großkotzigen Poeten rauslässt: „Give us your dreamers, your harlots and your sins Las Vegas. Didn´t nobody tell you the house will always win?“ An Übertreibung  nicht zu überbieten.

Das CD-Cover schließt sich dem an. Nachdenklich, an der Wand angelehnt, blickt er in einem gold-möbilierten Zimmer mit Aussicht auf Vegas auf den Boden. Wahrscheinlich ist er wieder kurz davor, auf die Knie zu gehen und zu beten. Nochmals zu Erklärung, große Töne bieten noch kein Zeichen für anspruchsvolle Musik. Flowers „Flamingo“ wirkt viel zu großspurig inszeniert, aufgebauscht und dramatisiert, um glaubwürdig zu erscheinen. Es gibt viele Bands und Musiker, die mit viel weniger auskommen und daher auch echt sind. Flowers Musik wirkt einfach nur aufgesetzt und absolut kommerzialisiert, ohne Herz dabei. Aber von einem Killers-Frontman habe ich auch, ehrlich gesagt, nichts anderes erwartet. Mir fehlen aber die Worte, wenn so jemand seine Band mit den Beatles und den Stones vergleicht. Ganz sicher nicht, mein Lieber!

Mich würde es nicht besonders wundern, wenn er Erfolg mit seiner Platte hätte, da es Musik für die Massen ist und das verkauft sich eben am besten. Ich möchte gar nicht mehr großartig auf dieses Album eingehen, da ich mir diese Lieder einfach nicht vollständig anhören kann. Musik ist eben eine vollkommen subjektiv empfundene Sache und jeder Geschmack ist anders. Ich, für meinen Teil, kann nur sagen, dass  „Flamingo“ einer der schlechtesten Alben ist, die ich je gehört habe und der Typ mir schlichtweg unsympathisch ist. Platten vor Gericht: 0 Punkte!!!… ähhhmm, ich korrigiere: 1 Punkt für den durchgängigen Größenwahn.

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