Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen (Teil I)

http://www.myspace.com Plus Fotos

Normalerweise denkt man, wenn man Bands interviewt, dass sie ziemlich wortkarg sind und man ihnen alles aus der Nase ziehen muss. Nicht so bei  Oliver, Martin und Benny von der Folk-Band PLUS aus Mainz. In netter Atmosphäre in einem Mainzer Café konnten wir sie über ihre Bandgründung, ihre bisherigen Auftritte und die Musikszene generell ausfragen. Da das Gespräch ziemlich ausführlich wurde, teilen wir unser interessantes Interview in drei Teile auf. Also, hier ist schon mal der erste Part des Gesprächs mit PLUS.

Indielikat: Wie ist es zur Gründung der Band gekommen?

Oliver: Also ich hab mit Benny bisschen Musik gemacht und viele Lieder geschrieben und aufgenommen. Es war eigentlich als Solo-Projekt geplant und Sinem, unsere Keyboarderin, und Benny haben nur live mitgespielt. Es hat sich dann durch die Live-Auftritte zu ner richtigen band entwickelt.

Indielikat: Warum habt ihr euch PLUS genannt? Hat das eine bestimmte Bedeutung?

Oliver: PLUS hat irgendwie etwas Gutes. Bandnamen, de etwas beschreiben finde ich doof. Plus ist einfach ein schönes Zeichen. Ja genau, offen gehalten würde ich sagen. Es hat keine besondere Bedeutung. The Ramones heißen ja auch Ramones, weil sie so heißen.

Indielikat: Eure Musik kann man ruhigerem Folk-Rock zuordnen. Ergibt sich so etwas einfach, welche Art Musik man spielt oder steht das eher von Anfang an fest?

Oliver: Ich hab was gegen das Wort „Rock“.

Martin: „Folk“ passt eigentlich ganz gut.

Oliver: War halt gerade in (lacht). Hat sich einfach so ergeben. Also nicht alles ist unbedingt Folk, live sind wir etwas rockiger, das stimmt schon. Unsere Musik hat auf jeden Fall einige folkige Elemente.

Martin: Wir haben so ne Singer/Songwriter Grundlage. Das Folkige hat am besten gepasst.

Indielikat: Unter dem Songtitel „In the Belly of a Whale“ kann man sich schwer etwas vorstellen. Von was handeln eure Lieder denn so im Allgemeinen?

Oliver: Was denkst du denn?

Indielikat: Hat irgendeine metaphorische Bedeutung?

Oliver: Ich müsste jetzt antworten wie Bob Dylan. Ist auf jeden Fall kein Bibel-Zitat oder so (lacht). Ich mags halt nicht so von wegen „Schreiben wir ein Lied über das und das Thema“.

Martin: Ja, die haben schon einen Sinn und Zusammenhang. Zum Beispiel bei „In a Belly of a Whale“ kann man ein gewisses Feeling damit verbinden.

Oliver: Man könnte sagen, dass es sozusagen ne spontane Prosa-Szene ist, schon so ein bisschen wie bei Dylan. Der Wortfluss kommt einfach so und dann irgendwann findet man schon einen Sinn- Selbst wenn man nur Chaos will.

Martin: Poetische Selbstdeutung des eigenen Ausflusses.

Oliver: Ja meistens kommen die Ideen eh wenn man nur 5 Minuten Zeit hat.

Martin: Nicht so wie bei Sufjan Stevens, wie der in einem Lied von einem Serienkiller erzählt.

Oliver: Die lokalen Bands singen viel über Banales. Das wollen wir nicht.

Martin: Man ist schnell in den Klischees drin.

Oliver: Ich hab letztens so ein YouTube-Video gefunden mit Aktionen, die verknüpft werden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. So will ich auch Wörter miteinander verknüpfen. Gerade bei den neueren Liedern. Da kann man sagen, dass die Wörter so ne Art metaphysische Kuppel bilden (lacht).

Indielikat: Was sind denn eure musikalische Vorbilder?

Oliver: Hör fast nur Dylan. Von dem gibts ja auch so viel. Dann halt auch noch The Smiths, The Cure, Beatles, Why.

Martin: Ich hör auch gern so Hip Hop Sachen. Da gibt es so einen verrückten amerikanischen Songwriter, der aus dem Hip Hop kommt. Seine Texte haben so einen Kunstanspruch und die sind schon ironisch und ziemlich surreal.

Benni: Ich muss mal überlegen. Momentan hör ich viel (schweigen). Ja so Arcade Fire, aber momentan eigentlich nicht. Mhmm, was würde ich jetzt zu Hause hören..Ja, dann sage ich Arcade Fire. Ich geh nämlich zu deren Konzert.

Martin: Ich hör viel Jazz oder Hip Hop. Auch Grizzly Bear.

Oliver: Viel altes Zeug. „Somewhere over the Rainbow“ hab ich letztens bei MTV gesehen. Fand ich voll lustig.

Indielikat: Eure EP „Is it or is is it not going to melt“ hat 2007 erstmals für Aufsehen gesorgt und ihr hattet schon viele Auftritte in Deutschland. Was ist das für ein Gefühl eure Musik vor Publikum zu spielen? Habt ihr mit Erfolg gerechnet?

Martin: Unser größtes Publikum hatten wir eigentlich im Schlachthof. Wir haben zum Beispiel auch in Hamburg auf dem ASta-Fest gespielt, aber das war ne blöde Zeit, wo noch nicht so viele Leute da waren. Wenn wir außerhalb spielen, sind nie so viele Leute da. Viele kennen halt den Namen nicht und wenn man ohne Label ist, das einen promotet, ist es halt schwierig. Auf Festivals ist es deshalb einfacher.

Indielikat: Ihr habt ja auch an dem Nachwuchswettbewerb von Big FM teilgenommen…(Oliver unterbricht)

Oliver: Also wir müssen erst einmal was richtig stellen. Wir haben uns da gar nicht beworben. Die haben uns einfach eingeladen, eigentlich voll unfair. Das war überhaupt nicht unsere Zielgruppe. Da waren lauter 15 jährige, die am Zaun standen und rumgeschrien haben.

Indielikat: Aber ihr seid doch unter die Top 4 gekommen?

Oliver: Echt?? Wir sind direkt danach gegangen (grinst).

Martin: Wir haben uns noch gut am Büffet bedient und sind dann abgehauen. Die Moderatoren waren auch irgendwie voll komisch- Und diese anderen Bands haben so einen Zirkus veranstaltet, das ist halt nicht unser Ding, so ne Show zu machen. Wir sind wir und keine Pokémons.

Oliver: Ich finds schlimm, dass man inzwischen immer so ne Show machen muss und sich bestimmte Moves ausdenken muss. Das ist voll krass, was das für Formen angenommen hat.

Indielikat: Also macht ihr keine Interaktion mit dem Publikum?

Oliver: Das ist glaub ich unser Problem, das schon viele bemängelt haben.

Martin: Wir sind halt keine Entertainer. Das ist ja auch eine Persönlichkeitsfrage.

Oliver: Wir sagen schon was, aber das ist nie geplant. Ich glaube, ich bin auch bekannt für meine etwas wirren Ansagen.

Martin: Von uns wird man nie so was hören wie „Kommt noch weiter vor!“

Oliver: Ich könnt mich da immer fremdschämen (lacht).

Martin: Spontane Witze sind auch einfach viel besser als typische Floskeln.

Oliver: Wir machen eben keine Unterhaltungsmusik, aber die Leute gehen trotzdem schon ab. Wir wollen so was nicht produzieren, was manche als Problem sehen, aber ich finde es in Ordnung. Es ist ja nicht unsympathisch.

Indielikat: Würdet ihr noch einmal bei so einem Wettbewerb oder generell bei einem Contest mitmachen?

Oliver: In der Form nicht.

Benni: Ich war damals sowieso dagegen.

Oliver: Ich hab mal spontan bei einem Singer/Songwriter-Contest mitgemacht und den sogar direkt gewonnen (lacht).

Martin: Ich finds cool mit anderen Bands, die man kennt und mag, mal was gemeinsames aufzuziehen. Das bringt dann mehr.

Benny: Ich finde, Wettbewerbe bringen gar nichts.

Martin: Man gewinnt dann nur so komische Preise wie einmal Winken in einer TV-Sendung oder ne Aufnahme in einem schlechten Studio.

Oliver: Das haben wir ja damals sogar gewonnen, das war lustig.

Martin: Ja, das war total unproduktiv.

Oliver: Ein Song davon ist bei uns auf MySpace.

In den nächsten Tagen geht es weiter mit Part 2, in dem es vor allem um die lokale Musikszene geht. Seid also gespannt!!!

http://www.myspace.com/andplus

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