Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen Part II

Hier ist nun endlich der zweite Teil unseres Interviews mit der Mainzer Band Plus, in dem es vor allem um die Musikszene hier und im Ausland geht. Viel Spaß beim Lesen.

Indielikat: Wie genau seid ihr denn in der Mainzer Musikszene drin? Sie ist ja schon auf dem aufsteigenden Ast.

Benni: Wir sind bei Knertz, das ist eine Art Musikerkollektiv aus Mainz und Darmstadt.
Martin: Wir sind die poppigsten unter den ganzen Bands dort. Aber wir helfen uns dort eigentlich gegenseitig, es ist also wirklich ein Kollektiv.
Olli: Viele Sachen kriegt man von außerhalb ja gar nicht mit. Manche kommen auch einfach nie aus ihrem Dunstkreis raus. Ich hab auch das Gefühl, dass es in Mainz nur Nu-Metal oder Alternative-Rock gibt, da ist kaum Innovatives.
Martin: Mit wem wir noch ein bisschen zu tun haben ist Truc, das ist ’ne Elektro-Gruppe. Aber die spielen viel außerhalb, letztens z.B. in Israel, und kaum noch hier.
So in der Art gibt es bestimmt viel, was man dann einfach nicht so kennt.

Indielikat: Seid ihr mit lokalen Bands befreundet bzw. unterstützt man sich gegenseitig?

Olli: Wir haben mit den typischen Kreisen, die es hier so gibt, gar nichts zu tun. Wir kennen diese typischen Bands aus der Gegend kaum.
Martin: Ich denke das hängt mit dem Musikgeschmack zusammen. Mit den Leuten von Knertz sind wir aber immer im Kontakt, obwohl wir gar nicht unbedingt den gleichen Musikstil machen.
Olli: Im Kollektiv gibt es viele interaktive Aktionen, wir machen gegenseitige Remixe oder es gibt Kollaborationen der einzelnen Musiker. Oft bilden sich dann auch neue Bands. Man tauscht sich eben einfach viel aus, schickt Songsequenzen rum und sowas.

Indielikat: Heutzutage gibt es so viele ähnliche Indiebands. Wie kann man aus der Masse herausstechen?

Martin: Das ist schwierig… Es gibt so viele Bands und eben auch viele schlechte, die es entweder nicht können oder die nicht spannend sind, weil man das alles schon 1000 Mal gehört hat.
Olli: Das ist natürlich auch alles sehr subjektiv. Aber viele der Indie-Bands aus Mainz sind sich sehr ähnlich, das ist so ein Zug, viel Gitarre und Elektro.
Martin: So Killers-artige Tanzmusik. Oder eben einfach nicht so gut gemacht.
Benni: Man nimmt es den Leuten einfach nicht so ab, das ist nicht authentisch, was die machen.
Martin: Wir wollen aber niemanden schlechtmachen…
Olli: Was war nochmal die Frage?

Indielikat: Wie man da heraussticht?

Olli: Achso, das Geheimrezept?
Okay, Auletta haben’s ja geschafft, auch wenn ich die nicht so mag. Ich glaube die Texte sind wichtig. So als guten Tipp würde ich sagen: Man sollte nicht überall drauf springen – aber ich hab keine Ahnung! (lacht)

Olli: Für mich ist das fast hauptberuflich, also ich investiere meine ganze Freizeit.
Martin: Olli ist ja auch der Songwriter, wir kommen dann eher ins Spiel, wenn es ums Live spielen geht. Also es sind immer so Phasen in denen man mal mehr und mal weniger Zeit in die Band steckt, normal aber nicht jeden Tag.
Olli: Bei mir schon.

Indielikat: Wollt ihr schon konsequent als Musiker arbeiten?

Olli: Ja, das ist schon das Ziel.
Im Februar ist jedenfalls wieder ein Konzert geplant.
Martin: Da gibt es jedenfalls dann ein neues Live-Konzept, wir haben ja neue Leute in der Band und auch neue Songs. Es geht jedenfalls bald in die Phase, wo der Alltag wieder mehr von der Band bestimmt sein wird.

Indielikat: Also wollt ihr das dann hauptberuflich machen?

Martin: Das kommt darauf an… Ich hab ja auch noch eine andere Band. Aber wir schauen einfach, wie’s kommt. Wenn wir das Album veröffentlichen…
Olli: Ich bin grade viel am abmischen, da leidet die Band auch gerade drunter, aber das soll sich bald wieder ändern.
Martin: Wir sind auch gerade in ’nem Änderungsprozess, wir haben, wie gesagt, neue Leute in der Band und auch ’nen neuen Proberaum.
Benni: Unser Ziel ist es nicht bekannt zu werden. (grinst)
Martin: Nicht nächstes Jahr berühmt zu werden.
Olli: Na ja, das wär schon cool.
Martin: Wenn man gut genug ist, ist’s cool.
Olli: Wir wollen uns jedenfalls nicht prostituieren.
Aber auch wenn es bei uns momentan nach Stillstand aussieht, passiert genug, ich bin viel am Songs schreiben und schon jeden Tag dran von 8:00 bis 10:00 Uhr…
Martin: …abends 10:00 Uhr (lacht)…
Olli: Es ist eine Liebschaft, kein Hobby.

Indielikat: Illegale Downloads belasten ja die Musikszene heutzutage schwer. Wie seht ihr da die zukünftige Entwicklung?

Martin: Man muss halt viele Konzerte spielen.  Alben rausbringen und damit dann auf Tour gehen, das bringt dann das Geld ein. Eigentlich gibt es viele Möglichkeiten.
Benni: Man könnte T-Shirts verkaufen und dazu gibts dann die Musik als Mp3s.
Martin: Es war aber schon immer schwer als Musiker Geld zu verdienen, wenn man nicht gerade so berühmt wie Madonna ist. Auch gute Bands hatten vielleicht noch Jobs nebenbei.
Olli: Früher konnte auch nicht einfach jeder aufnehmen, da brauchte man ein Studio mit viel Geld im Hintergrund.
Martin: Man könnte es schon fast als Chance bezeichnen, dass jeder überall an die Musik rankommt, dann kommen die Leute auch zu den Konzerten.
Olli: Natürlich wär das cool, wenn du einfach ein Album rausbringst und damit dann genug Geld verdienst, da hätte ich gar nichts dagegen, aber inzwischen sind die Alben ja nur noch der Grund um auf Tour zu gehen.
Die Labels haben sich ja auch umstrukturiert, arbeiten enger mit Verlägen zusammen usw.

Indielikat: Viele große Indiebands kommen aus England und ihr singt selbst englisch. Wollt ihr euch bewusst britischen Vorbildern annähern?

Olli: Ich sehe unseren Einfluss eher in Amerika, besonders sprachlich. Wir singen englisch, denn es ist eben die Musiksprache und die Musik, Bücher und Filme, die wir mögen, sind in Englisch.
Martin: Ich habe auch nie wirklich deutschsprachige Musik gehört. Im Zusammenhang mit Musik muss ich einfach in der Musiksprache denken, Deutsch wäre dann irgendwie entfremdet und ungewohnt.
Olli: Ich werde schon oft gefragt, warum wir auf Englisch singen. Ich fühle damit einfach wohler, das ist genauso wie bei Serien zum Beispiel, die ich mir dann lieber im Original anschaue.
Dadurch, dass es nicht meine Muttersprache ist, habe ich vielleicht auch einen anderen Zugang, es ist nicht immer grammatikalisch korrekt, aber ich finde man kann da viel mit spielen. Ich bin aber auch schon sehr drin in der Sprache.
Martin: Für mich ist in dem musikalischen Raum, in dem wir uns bewegen, Deutsch wie ein Fremdkörper.
Olli: Bei anderen Bands würde ich viel eher fragen, warum sie Englisch und nicht Deutsch singen aber nicht bei uns…
Wenn dann oft diese Standardbegriffe im Text auftauchen wie „soul“ oder „ocean“ oder „heart“ oder sowas, dann klingt das natürlich komisch.
Martin: Man sollte nicht zu naiv an die Sprache drangehen.
Olli: Mir fallen auch einige deutsche Worte oft gar nicht mehr ein. Ich habe mich auch mal für 3 Wochen zurückgezogen, alleine in einer Hütte abgeschottet von allen und als ich dann wieder zurückkam, hat es auch ein bisschen gedauert, wieder in die Sprache zu finden.
Martin: Ich finde dieses fremde Element reizvoll.
Olli: Englisch hat auch so einen besonderen Witz.
Martin: Es ist lakonisch und einfach. Deutsch dagegen wirkt meist umständlich.
Olli: Natürlich ist das nicht absolut, es gibt auch Sachen, die gut gemacht sind, wie Tocotronic.

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