Elektronischer Folktanz auf 231 qm – Crystal Fighters live in Darmstadt

Es ist 22 Uhr. Vor der kleiner Halle neben der Technischen Universität haben sich insgesamt sechs Leute versammelt, die den Eingang betreten. Nach der Ticketkontrolle geht es in den ersten Raum, wo freundliche Mitarbeiter Getränke ausschenken und ein Kleiderständer als Garderobe dient. Auf eigene Haftung hin. Das 603 qm ist ein kleiner Veranstaltungsclub, der sich in zwei Räume gliedert. Er ähnelt etwas der Batschkapp in Frankfurt. Noch ist es ziemlich leer. Es sind gerade mal 10 Gäste anwesend. Der zweite Raum, in dem sich die Bühne befindet, ist abgedunkelt. Mittendrin steht das Pult, das für Licht- und Soundeffekte zuständig ist. Die Bühne ist ganz im Fighters-Style dekoriert. Trockene Sträucher verzieren das Bühnenbild und von der Decke hängen glänzende eckige  Kristallkugeln herab. In der Mitte thront die Discokugel, die in allen Farben glitzert. Im hinteren Teil der Bühne steht ein quadratischer Kasten, der mit einer Decke zugedeckt ist und sich später als die berühmte Txalaparta herausstellen wird. Ein großer Mann im grauen Hemd betritt die Bühne. Es ist Graham, der Gitarrist der Fighters. Er checkt die Pedale für die E-Gitarre. Kurz darauf erscheint Sänger Sebastian, der das Bühnenbild begutachtet. Dass die Band sich selbst um die Bühnenorganisation kümmert, ist nachvollziehbar. Sie sind eben noch nicht sehr bekannt in Deutschland. Gilbert bespricht sich mit dem Soundmanager und verschwindet dann auch kurz darauf wieder in der Garderobe. Langsam kommen mehr Leute in den Raum und füllen ihn mit Leben.

Die Bühne vor dem Auftritt

Nach einer halben Stunde Verspätung betreten Gilbert und Graham zuerst die Bühne, danach folgt der Sänger und eine Frau (die nicht Laure ist) , beide in einer Decke gehüllt. Die Töne von Solar System erklingen und der Sänger krächzt ins Mikro. Die Show beginnt. Sebastian scheint während des gesamten Auftritts mehr in Trance als in der Realität und gestikuliert wild mit den Armen. Gilbert und Graham bedienen bei fast allen Liedern die Txalaparta und hauen wild darauf rum. Die Location ist zwar nicht groß, aber Crystal Fighters bringen ihn mit ihren Elektro-Folk-Klängen zum Beben. Die junge Band versteht es mit ihrem Style und ihrer Story vom baskische Großvater für Interesse zu sorgen. Sebastian trägt einen langen Kaftan und darüber eine Jacke mit Verzierungen. Ganz gewollt im Ethno-Hippie-Style.

Gilbert und Graham an der Txalaparta

Ihre musikalische Vielfältigkeit beweisen sie neben ihrem Album Star of Love nun auch live auf der Bühne. Sebastian singt, spielt Gitarre und lässt die Rassel klingen. Gilbert und Graham spielen beide Gitarre und das traditionelle baskische Instrument. Gilbert ist auch für den Synthesizer zuständig. Dadurch entsteht fast eins zu eins der Sound, der auf der Platte zu hören ist. Bei I Love London tobt die Menge – die Fighters wissen sich zu inszenieren.

Sebastian beim Performen

Nach einer guten Dreiviertel Stunde gehen die Engländer von der Bühne. Die Fans gehen in Gedanken durch, ob sie schon alles gespielt haben. Ein Track fehlt – der Synthie-Hit Xtatic Truth. 2 Minuten später stehen die Vier wieder vor der Menge und spielen ihren letzten Song. Die vordersten Reihen springen und tanzen wie wild. Die Fighters wirken mit ihrem folkigen Indie-Elektro nahezu mystisch.  Sebastian gibt ein letztes Mal seinen schrägen Gesang mit Pseudo-spanischem Akzent zum besten und steht wie ein Prediger vor dem Publikum. Gilbert und Graham spielen konzentriert ihre Instrumente. Dann ist schon alles vorbei. Knapp eine Stunde gab es Elektrobeats, Folk-Rhythmen und baskische Klänge vom Feinsten.

Die Frage ist nur noch: Bleiben die Fighters noch ein bisschen und mischen sich unter die Menge? Kurze Zeit später treffen wir Gilbert am Merchandise-Stand und verkauft uns zwei Vinyls, einmal mit den Singles Follow/ Swallow und einmal Remixes von In The Summer. Er lässt uns sogar kurz den Stand überwachen, um die anderen zwei zum Unterzeichnen herzuholen. Die beiden stellen sich vor, unterzeichnen und verschwinden auch schon wieder. Gilbert redet mit Fans und verkauft eifrig Cds und die Schallplatten. „At the last gig I only sold one Cd but 30 signatures“, meint er grinsend. Wir finden heraus, dass Mimi und Laure live nie dabei sind und dafür Ally, die die Zwillingsschwester von Laure sein könnte, einspringt. Gilbert klärt uns auf, dass niemand außer Laure aus Spanien kommt und ihr nächster Deutschland-Auftritt das Melt! Festival ist. Das Spiel mit der Herkunft (auf MySpace geben sie Navarra als Heimatstadt an) und die wunderliche Story von der alten baskischen Oper setzen die Fighters geschickt als PR-Strategie ein. Das kurze Gespräch mit Gilbert ist angenehm locker. Er führt sogar ein Freudentanz auf, als wir ihm sagen, dass sich die Reise für den Auftritt gelohnt hat. Dann noch ein kurzes High Five und wir machen uns auf den Weg nach Hause. Im Vorbeigehen sehen wir den Sänger an der Bar stehen und mit dem Veranstalter reden, aber leider haben wir keine Zeit mehr, ein richtiges Interview zu führen. Schade, aber beim nächsten Mal.

Die neuste Single At Home : Official Video

Profil Crystal Fighters:

 

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Live

Eine Antwort zu “Elektronischer Folktanz auf 231 qm – Crystal Fighters live in Darmstadt

  1. festivalrocker

    Einen schönen Blog habt ihr hier 🙂

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