The Horrors: „Skying“- Aufbruch zu neuen Ufern

The Horrors sind eine markante Band- nach wie vor. Ob mit düsterem Goth-Rock (Strange House), Psychedelischem Krautrock (Primary Colours) oder poppigeren Klängen auf Skying – Der Horrors-Touch bleibt bestehen. Zunächst die tief hallende Stimme von Faris Badwan, die zwischen sanft-leise und laut-agressiv abwechselt. Die dröhnende Gitarre von Josh Hayward zeigt weiterhin Präsenz auf der Platte. Dazu kommt die Psychedelischen Effekte durch Keys und Synthesizer, die schon spätestens seit Primary Colours zum Markenzeichen der Band geworden sind. Wenn man so will, ist Skying nur der konsequente Weg ihrer Sound-Entwicklung. Ruhiger, Gelassener, Gemäßigter- Klingt zunächst auch automatisch schlechter,  ist bei den fünf Rockern aus London aber nicht der Fall.

Changing The Rain: Over closer through figures collide, open eyes to awake (…) Der Opener von Skying leitet schon dahin, was an der neuen Platte anders ist. Romantische Natur-Poesie in den Lyrics, gewaltige Keyboards-Effekte, mehr Instrumente. Im Intro von Changing The Rain dominieren die Tast-Instrumente und künstlichen Sounds. Badwans Stimme klingt viel ruhiger als auf den Platten davor und hat etwas Verspieltes.

You Said: Weiter geht es mit einer großen Portion Elektronik und klirrenden Sounds, eingebettet  in verträumten Klang-Wänden. Die ersten zwei Tracks sind sich ziemlich ähnlich. Als ob You Said die Fortsetzung von Changing The Rain wäre….

I Can See Through You: Grooviger Kraut-Rock mit Sixties-Einschlag (Cat´s Eyes lässt grüßen). Vielleicht ein Überbleibsel von Primary Colours. I Can See Through You ist textlich einfach gehalten und äußerst Single-verdächtig. I´ve got the church key, moving in the night (…) – hat was Mystisches.

Endless Blue: Längeres Techtelmechtel zwischen Bass und Trompeten. Man denkt, es geht so weiter, aber nach 2 Minuten kommt die 180 Grad Wende – It´s Time for Josh´s Guitar! Dröhnende Psychedelic Shoegaze vom Feinsten. Everything seems so far behind (…) in Endless Blue..Der Track wurde bereits im Sommer 2010 auf diversen Festivals gespielt und weist noch Einfluss vom vorherigen Album auf. Endless Blue ist definitiv einer der besten Tracks, gerade wegen dem überraschend abrupten Bruch nach der Hälfte des Liedes.

Dive In: Verträumte Natur-Poesie, musikalisiert mit poppigem 80er Verschlag- Eines der Lieder, die auf die Seite der „zugänglicheren Tracks“ gehören. Badwan singt wie eine leidender Liebender mit Phrasen wie she turned the wind, combed through her hair, like high notes tinkling furrows across the sky– Er sollte mal ein Buch mit Natur-Gedichten schreiben.

                                                                           So sah die Band noch 2007 aus – ganz ihrem Goth-Rock gerecht

Gruselig? Fehlanzeige – The Horros müssten sich eigentlich umbenennen

Still Life: Simple Minds hin oder her- Die erste Auskopplung aus Skying beweist, dass The Horrors reifer geworden sind. Ein größere Intrumenten-Zahl, weiche Elektro-Rhytmen und ausgeglichene Vocals. Still Life ist der Inbegriff von Aufbruch und neuen musikalischen Wegen. Don´t hurry , give it time, things are the way they have to be (..) Die Band ist anscheinend an sich gewachsen und weiser geworden. Vor vier Jahren sah das mit ihrem Schocker-Image aber noch ganz anders aus.

Wild Eyed: Verträumt-Minimalistischer Pop mit einem Badwan, der bisschen so klingt, also würde er eine Gute-Nacht Geschichte erzählen. Die Trompeten zum Ende hin geben dem Track einen feierliche Note. Wild Eyed ist ein Song, den man beim ersten Anhören leicht überhört, aber nach mehreren Malen einen ganz benebelt. Er ist leicht, groovig und geheimnisvoll- ein verstecktes musikalisches Juwel.

Moving Further Away: Der längste Track auf dem Album und von einigen als der beste bezeichnet. Moving Further Away trägt Grundzüge von Sea Within The Sea (Primary Colours). Der lange Instrumenten-Part in der zweiten Hälfte des Liedes versetzt den Zuhörer mit seinem ausschweifenden Synthie-Sound und Shoegaze-Riffs in Trance-ähnliche Zustände. Berechtigte Begeisterung.

Monica Gems: Klingt nach abgehacktem Dissonanz-Chaos, inspiriert von dem gleichnamigen Juwelier in London. In den Lyrics ist er zwar nicht erwähnt, aber laut Rhys Webb mag die Band einfach Namen in ihren Songtiteln.

Oceans Burning: Der Schluss-Track rundet die Platte bekanntlich ab. Oceans Burning schwelgt am Anfang als romantische Dreampop- Ballade zwischen lodernden Synthie-Tunes und hallenden Echos. It´s a joy to see you waiting there. Eine Psychedelische Reise über den brennenden Ozean. In den letzten zwei Minuten werden die Drums schneller und die Keys säuseln wie Wind um die Ohren. Oceans Burning vereint noch mal alles, was Skying zu bieten hat- endlos scheinende Synthie-Schleifen, klirrende Gitarren und tonmalerische Melodien.

Ohne Zweifel- The Horrors sind deutlich poppiger geworden. Ihr Psychedelic Shoegaze Sound ist immer noch präsent, aber auf gleicher Höhe mit Synthiepop-Parts. Die selbst produzierte Platte ist wohl das bis jetzt experimentellste Album, wenn auch das zugänglichste. Es bliebt zu hoffen, dass sie sich bei der nächsten Platte nicht ganz dem Mainstream zuschreiben. Die Zeiten der eigenwilligen Totengräber-Inszenierung sind vorbei und ist wohl Zeit, zu neuen musikalischen Sounds aufzubrechen. Den Briten ist aber zu vertrauen, dass sie trotzdem noch ihren eigenen, unkonventionellen Sound beibehalten.

Still Life Video

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