Phono Pop Festival – Tag 2 mit Solander, The Black Atlantic und Abby

II: Samstag

Stand der Freitag quasi unter der Herrschaft der Electro-Acts war der Samstag dem Folkrock und auch dem Deutschrock vorbehalten.
Die ersten zwei Bands, Volto Royal und Octa Logue, verpassten wir leider, zumindest letztere sollen ziemlich gut gewesen sein.
Für uns ging es dann also erst mit Abby los, eine der besten deutschen Indiebands zur Zeit. Ihr Indiepop ist gespickt mit elektronischen und klassischen Elementen und zeichnet sich durch die musikalische Vielseitigkeit der Band aus (so kommen ein Cello oder Blockflöten zum Einsatz), bleibt dabei aber auch immer tanzbar. Besonders herausragend ist Welcome Home, bei dem Abby alle musikalischen Register ziehen und sich vollkommen austoben. Dabei wird die eigentliche Spielzeit des Songs mal gerne auf zehn Minuten verdoppelt (davon gibt es hier ein sehr tolles Beispielvideo). Besonders ihre Spielfreude und die vollkommene Begeisterung für Musik lassen die Mannheimer sehr sympathsich rüberkommen und an diesem frühen Abend einige neue Fans gewinnen.

Daraufhin ging es weiter mit einer weiteren deutschen Band: Herrenmagazin. Die Deutschrocker waren musikalisch keine Offenbarung und so gerne ich ihren Song Früher war ich meistens traurig höre, für einen wirklich tollen Liveauftritt passt es meiner Meinung nach nicht so gut. Man stand halt dabei und wippte mit, wohl gab es auch eingie Leute, die wirklich abgingen. Sänger Deniz wirkte mit seinen etwas holprigen Ansagen und seinem lauten Lachen aber sehr nett – mit diesem überspielte er dann auch einen etwas heiklen Moment:  Mitten während einer Ansage kam es auf einmal aus einer der ersten Reihen: „Amy Winehouse ist tot“. Zunächst wusste ja keiner wirklich, ob das jetzt wirklich stimmt und so rissen die Bandmitglieder erstmal ein paar Witze darüber.

Eigentlich hätte dann auf der Klangkantine David Lemaitre spielen sollen, da er aber wegen Krankheit nicht auftreten konnte, sprang kurzfristig Kenneth Minor ein. Ein Singer-Songwriter irgendwo aus dem Rheingau, der uns schon beim letzten Folklore-Festival leider nicht überzeugen konnte.

Die Hauptbühne wurde danach von einem regelrechten Zirkus bevölkert, genauer gesagt der World/Inferno Friendship Society. Das amerikanische Musiker-Kollektiv (angeblich haben sie ca. 30 Mitglieder,  auf der Bühne waren diesmal so etwa 10 Leute zu sehen) lässt sich auf keinen Musikstil festlegen und mischt alles munter zusammen, immer angeführt von Leadsänger Jack Terricloth. Ihre wirre Show wirre Show kam teilweise schon ganz lustig rüber, war musikalisch aber dann doch nicht so mein Fall.

Ganz im Gegensatz zur nachfolgenden Band auf der kleineren Bühne: Solander aus Schweden. Ganz still lauschte das Publikum den schönen ruhigen Folksongs des Trios und bedankte sich nach jedem Song mit begeistertem Applaus. Während die anderen beiden Bandmitglieder sehr zurückhaltend und schüchtern rüberkamen, brachte Sänger Fredrik Karlsson die Leutemit lustigen Ansagen zum Lachen. Passend warena uch die Seifenblasen die in den vorderen Reihen aufsteigen und allem eine fast märchhafte Atmosphäre gaben. Dazu habe ich auch ein sehr schönes Video gefunden, das während ihrem, aus meiner Sicht, besten Song Berlin gefilmt wurde.

Auf der Hauptbühne gaben dann die amerikanische Zwei-Mann-Band Two Gallants ihren einzigen diesjährigen Deutschlandauftritt, was für großen Andrang vor der Bühne sorgte. Sie zeigten dynamischen Rock, der seine Einflüsse irgendwo im amerikanischen Country und dem Blues sucht, besonders charakteristsch durch Adam Stephens kratzige Stimme. Das ist Musik zum Whiskeytrinken oder Rumgrölen – kein Wunder, dass besonders viele Männer begeistert waren…

Unser persönlicher Festivalabschluss waren dann The Black Atlantic (auf die später noch folgenden Headliner Kante hatten wir keine Lust).
Die Holländer spielen ebenfalls ruhigen Folk, allerdings mit einer ganzen Reihe an Instrumenten, die sie auch abwechelnd bedienten. Sänger Geert van der Velde wirkte während seiner Ansagen sehr schüchtern und manchmal irgendwie verloren – musikalisch wusste er aber zu überzeugen. Insgesamt hätten The Black Atlantic stimmungsmäßig sehr gut direkt nach Solander gepasst, wobei mir die Schweden musikalisch noch etwas besser gefallen haben.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass sich das Phono Pop Festival als ein wirklich schönes Ereignis präsentierte. Ein so kleines und nettes Festival, das trotzdem mit klangvollen Namen aufwarten kann, trifft man in der Art nicht oft.

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