Born to die? Lana del Rey

Gerade erst als das neue (Indie?-)Pop-Sternchen geboren, stellt sich nach der Veröffentlichung ihres lang erwarteten Debütalbums Born To Die bereits die Frage, wie lange Lana del Rey diesen Status behalten kann oder ob sie nicht doch bald dem Namen des Albums alle Ehre machen wird.
Es wurde viel gerätselt über die mögliche Marketingstrategie hinter ihrer „Kunstfigur“ und gelästert über ihre Schlauchbootlippen, gleichzeitig wurden ihre Debütsingles und die dazugehörigen Videos gelobt und dementsprechend hoch waren die Erwartungen an das Album.
Erwartungen, die bei weitem nicht erfüllt wurden.
Am Anfang stand ich dem ganzen Hype auch eher skeptisch gegenüber, aber alle drei Singles konnten mich schließlich durch ihre fast schon hypnotisierende Aura überzeugen. Das titelgebende Born To Die funktioniert gerade in melancholischen Momenten perfekt und bei Video Games und Blue Jeans ist es gerade ihre Stimme, die die Songs zu etwas ganz besonderem macht. Selbst als jemand, der im Allgemeinen Frauenstimmen nicht so gerne hört (warum auch immer, ist einfach so), nahm mich Lana del Reys „Sirenenstimme“ schließlich auch gefangen.
Und jetzt also das Album. Ganze 12 Songs enthält es, darunter natürlich die drei bereits erwähnten Singles – die Lady hat sich nicht lumpen lassen.
Doch das erste Durchhören bringt Ernüchterung – die auch bei weiteren Anläufen nicht verschwindet. Neben den bekannten Songs wirkt der Rest lediglich wie Füllmaterial. Der zweite Track Off to the Races versucht mit erhöhtem Tempo irgendwo in die R’n’B Richtung abzudriften, was aber gerade der erwähnten Stimme nicht guttut. Die verliert in diesem Song jegliche Verruchtheit und wird eher zu einem hysterischen Piepsen. Bei National Anthem kommt dann auf einmal noch eine Prise Pseudo-Rap dazu, was noch weniger passen will. Eine ähnliche Schiene fährt auch Diet Mountain Dew, zwar kommt das noch ein wenig frischer daher, ist im Endeffekt aber eigentlich nur ein einziger Loop, der ziemlich schnell auf die Nerven geht. Ab Dark Paradise geht der Album-Sound dann wieder zurück ins Melancholische, bei eben genanntem Song leider völlig überdramatisert und nicht besonders spannend. Radio danach ist ein relativ solider Popsong, nichts Großartiges aber mit einem nett gehauchten Refrain. Was darauf folgt, kann man nur als absoluten Tiefpunkt des Albums bezeichnen: Carmen ist nichts als Stückwerkbei dem nichts zusammenpasst – vielleicht soll es teilweise an die gleichnamige Oper erinnern, dafür würden zumindest die exzessiv eingesetzten Streicher passen. Darüber dann aber Sprechgesang zu packen, war wirklich die schlechteste Idee. Million Dollar Man kann leider ebenfalls nicht überzeugen, da das Lied einfach so vor sich hinplätschert. Ein letztes Aufbäumen erleben wir dann jedoch beim vorletzten Song: Summertime Sadness erinnert an Blue Jeans und steht diesem in kaum etwas nach. Hier weiß Lana endlich wieder mit ihrer starken Stimme zu überzeugen und Melancholie in eine gewisse Leichtigkeit einzubinden. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier auch endlich mal wieder der Songtext passt – wenn sie über Männer und Liebe singt, scheint Lana del Rey sich ihrer Sache irgendwie sicherer zu sein.
Der Abschlusstrack This Is What Makes Us Girls klingt vom Titel her interessant, ist aber leider nur ein müder Rausschmeißer, eines durchschnittlichen Popalbums, das eben nur durch die Stärke von wenigen Songs gehalten wird.

Insgesamt zeigt Born To Die, dass Lana del Rey vielleicht geniale Singles rausbringen kann, ihr aber die Luft (und die Kreativität?) für ein komplettes Album fehlt. Von daher bleibt abzuwarten, ob ihr wirklich diese große Karriere bevorsteht, wie sie ihr alle prophezeit haben. Denn ihre nicht zu übersehenden Probleme mit Live-Auftritten sind in Zeiten, in denen Künstler hauptsächlich durch ihre Tourneen Geld verdienen, ebenfalls nicht gerade hilfreich.
Schade eigentlich.

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