Frittenbude, Bratze, FUCK ART, LET’S DANCE! und die neue Schlachterhalle

Ein Audiolithabend aller feinster Sorte gab es am letzten Mittwoch im Schlachthof in Wiesbaden. Für uns war es das erste Mal in der neugebauten Halle des „Schlachters“ – die Erleichterung war groß: Vom Stil her hat man nichts Neues oder Modernes versucht sondern sich an der alten Halle orientiert. Der Schnitt ist ein wenig anders und es gibt jetzt auch auch ein Kellergeschoss für Garderobe und Toiletten, aber ansonsten gibt es eigentlich nichts zu meckern (den grässlichen Orange-Pink Mix des äußeren Anstrich lassen wir jetzt mal außen vor). „Wo bleibt das Schlachthoffeeling“ stand auf dem Eingangsstempel und zunächst fragten wir uns das auch, als zu Beginn das Publikum noch recht überschaubar war. Spätestens aber als der Hauptact Frittenbude loslegte, war die Halle gut gefüllt (wenn auch nicht ausverkauft) und es ging richtig gut ab.

Den Anfang machten FUCK ART, LET’S DANCE! mit verspieltem Indiepop und an sich sehr tanzbaren Melodien, die durch Synthie-Beats verstärkt wurden. Leider war die Akustik ein wenig leise und die Fans sparten wohl die meiste Energie für später, deswegen war die Publikumsresonanz dürftiger als verdient. Doch ist das nicht immer das Schicksal von Vorbands? Wir sind jedenfalls mal gespannt auf eigene Auftritte des Trios…
Was danach kam hatte mit Frittenbude schon mehr musikalische Gemeinsamkeiten: Bratze sind schon seit längerer Zeit die kleineren Brüder auf dem selben Label und ihre fetten Beats brachten dann doch schon eine größere Menge zum Hüpfen. Am besten lassen sie sich vielleicht durch folgenden, so stattgefundenen Dialog beschreiben: „Verstehst du was die singen?“ – „Ne, aber die Beats sind geil!“ Beste Vorraussetzungen für Frittenbude also, deren Frontsänger Johannes Rögner sich schon beim letzten Bratze-Song warmgesungen hatte.

Eines vorweg: Es ist durchaus möglich, ein Fan von Frittenbude zu sein, ohne deren antideutsche Haltung zu unterstützen. Ein klares Bekenntnis gegen Nazis und ein „Nein“ zu deren Verbrechen ist immer zu unterstützen aber die Haltung ihrer Texte und die dazu gerufenen Parolen (der Fans) gehen weit darüber hinaus – für meinen Geschmack zu weit. Ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion eröffnen (weil das hier einfach der falsche Platz dafür ist), jedoch finde ich die Bezeechnung „Schurkenstaat“ für ein Land wie Deutschland dann doch ziemlich übertrieben. Vor allem da die meisten jugendlichen Fans wohl eher aus Mitläufertum mitgrölen statt sich tiefergehende Gedanken gemacht zu haben.
Doch Frittenbude sind natürlich mehr als nur antideutsche Parolen: was die deutschen Elektropunks auszeichnet sind nicht nur die oft sehr nachdenklichen, gesellschaftskritischen und manchmal auch melancholischen Texte sondern gleichzeitig auch das Partypotential. Denn die drei Bayern kennen sich mit Elektrobeats ziemlich gut aus, so dass man selbst zu den nachdenklicheren Nummern wie Innere Altmark (eines der Highlights auf dem neuen Album Delfinarium) mitwippen kann. Klassiker wie Hildegard und Mindestens in 1000 Jahren brachten die Masse dann regelrecht zum Ausrasten, ebenso wie die neuen Songs Heimatlos und Einfach nicht leicht, die jeden mindestens zum Hüpfen verführten. Insgesamt servierten Frittenbude einen gelungenen Querschnitt aus ihren drei Alben, der durch drei Coversongs bzw. eher Neuinterpratationen (Hildegard, Raveland und Raven gegen Deutschland) als Zugabe abgerundet wurde, sodass frühere Hits wie Bilder mit Katze und Pandabär gar nicht fehlten.
Abschließend lässt sich eigentlich nur noch sagen: „Es ist nicht das was zählt, doch das was alle wollen und… irgendwie lieb ich das!“

* Nur die eine Frage bleibt: wo kam eigentlich dieser permanente Weihnachtsgeruch nach Zimt und Mandarinen her??

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