Archiv der Kategorie: Anti, Anti

Brother: Pseudo-cooles neues Video

Ja okay, wir haben es verstanden. Ihr wollt die neuen Oasis sein und am besten noch cooler, noch rockiger, noch primitiver. Wo kann man das deutlicher machen als in seinem neuen Videoclip?! New Year´s Day heißt die nächste Single von Brother und ist so billig wie das Video dazu. Die Band trägt Sonnenbrille, post lässig mit Zigarette rum und zwei nackte Straßenmädels räckeln sich in der Badewanne. Und das vor der britischen Flagge. Ohhh wie skandalös – die Masche ist so alt wie die Queen. Ja, sie wollen provozieren und Aufmerksamkeit haben. Die bösen Jungs aus der Arbeiterklasse eben, die jetzt coole Rockstars sind und einen auf Sex, Drugs & Rock´n´Roll machen. War alles schon da, nicht mehr schockierend. Wenn man so stark ein auf cool macht, ist das dann noch überhaupt cool? Wie wärs mit bisschen mehr Originalität und anspruchsvolleren Songs? Wer es wirklich drauf hat, braucht nicht auf cool zu machen.

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Das Konzert, das nie stattfand

http://www.facebook.com/pages/frenchfilms

Konzerthopping deluxe – das war meine Welt in den letzten Wochen. Auf ein Konzert freute ich mich dabei besonders, seitdem es vor anderthalb Monaten angekündigt worden war. Die finnische Indie-Band French Films, von der wir hier auch schon berichtet haben, sollte in dem ziemlich coolen Nachtleben in Frankfurt auftreten. Sie waren als Vorband der deutschen Alternative-Band The Stories angekündigt, die ich vorher gar nicht kannte und die ich mir so auch nicht angeschaut hätte.
Erstes Problem: Wie überzeugt man Leute mit auf ein Konzert zu kommen, einer Band die sie nicht kennen, nur um eine Vorband zu sehen, die sie nicht kennen? Offenbar muss ich überzeugend sein, denn ohne die Lieder zu kennen, sagten mir Leute zu. Doch dann tauchte gleich das nächste Problem auf: Aufgrund verschiedener Kommunikationsschwierigkeiten war ich an diesem Abend zum Arbeiten eingeteilt – doch auch dieses Problem ließ sich lösen. Am Morgen des Tages an dem das Konzert stattfinden sollte, konnte ich durch ein paar Gespräche abklären, dass ich doch frei hatte.
Dem Auftritt auf den ich mich so gefreut hatte stand also nichts mehr im Wege – von wegen! Eine Stunde nach dem erlösenden „Geh auf dein Konzert!“ checkte ich noch einmal die Homepage des Clubs – die mich schön darauf hinwies, dass das Konzert „auf unbestimmt“ verschoben sei. Verschoben! Und das fällt denen natürlich erst am selben Tag ein! Telefonisch war beim Nachtleben natürlich niemand zu erreichen, auch meine Mail wurde bisher nicht beantwortet.
Es ist schon schade, dass ein so angesagter Club wie das Nachtleben sich da so unprofessionell zeigt. Diese Informationspolitik ist auf jeden Fall noch ziemlich verbesserungswürdig.

Aber um diesen Artikel noch irgendwie positiv zu beenden, weise ich euch jetzt einfach mal auf die neue Single Convict der French Films hin, die auch auf dem kommenden Album enthalten sein wird!

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Willkommen zum theatralischsten Album 2010

2010 ist anscheind ein Jahr von Solo-Ausflügen einiger Leadsänger von internationalen Rockbands. Nachdem Julian Casablancas erfolgreich letztes Jahr bewiesen hatte, wie experimentierfreudig er in Sachen Elektro-Pop ist, sind nun Paul Smith (Maximo Park), Kele Okereke (Bloc Party), Fran Healy (Travis) und schließlich Brandon Flowers von The Killers an der Reihe. Ich möchte mich letzterem mit diesem Artikel widmen und aufzeigen, dass es kein Garant für gute Musik ist, wenn man den selben Sound von seiner Band nimmt und ihn einfach nur noch poppiger macht- das heißt in diesem Fall noch schlechter. Der Sänger der Mainstream-Pop-Band Nummer Eins, die unverständlicherweise dem Genre Indierock zugeordnet ist, verfällt mit seinem Debütalbum „Flamingo“ in ultratheatralischen Radio-Pop.

Wieso ich das meine? Nun, nehmen wir doch zunächst die Erst-Single „Crossfire“ in Betracht, die schon mit Synthie und Piano ganz großes Kino schaffen will. Flowers haucht was von Stille außerhalb des Fensters und gibt das ewig leiernde Versprechen, dass er auf sein Baby aufpasst, bla, bla. Die Drums setzten ein und er singt wie ein pathetischer Büttenredner seinen überspannten Refrain. Ich musste schlucken, als ich dieses Lied zum ersten Mal hörte. Dieser ganze 80er Pseudo-Pop-Rock hat null Tiefsinn und null musikalischen Anspruch und ist gerade gut für dreizehnjährige Kiddies, die noch Lady Gaga und Tokyo Hotel an ihren Wänden hängen haben. Da kann auch die schöne Charlize Theron  im Video diesen Pop-Schwall nicht kompensieren.

Flowers macht hier auf ernst zunehmenden Singer/Songwriter, landet aber in einer oberflächlichen Kommerz-Kiste. Er möchte ja mit diesem Album seine Liebe zu Las Vegas offenbaren und sich gleichzeitig mehr mit seiner Abstinenz-Religion beschäftigen. „On The Floor“ ist so ein schönes Beispiel von moralischem Gedusel, in dem Flowers den dreckigen Küchenboden anhimmelt, auf dem er zu Gott beten kann. Tolle Sache… (Aber nein, „es hält ja gekonnt die sepiafarbene Balance zwischen Romantik und desillusionierter Melancholie„, so laut.de) Ja, desillusioniert bin ich auch, wenn ich so etwas lese. Ich muss einräumen, dass Flowers wenigstens konsequent ist und jeden einzelnen Kitsch-Song mit seiner Stimme dramatisch ausschmückt. Das beweist der erste Track „Welcome To Fabulous Las Vegas“, bei dem er schon den großkotzigen Poeten rauslässt: „Give us your dreamers, your harlots and your sins Las Vegas. Didn´t nobody tell you the house will always win?“ An Übertreibung  nicht zu überbieten.

Das CD-Cover schließt sich dem an. Nachdenklich, an der Wand angelehnt, blickt er in einem gold-möbilierten Zimmer mit Aussicht auf Vegas auf den Boden. Wahrscheinlich ist er wieder kurz davor, auf die Knie zu gehen und zu beten. Nochmals zu Erklärung, große Töne bieten noch kein Zeichen für anspruchsvolle Musik. Flowers „Flamingo“ wirkt viel zu großspurig inszeniert, aufgebauscht und dramatisiert, um glaubwürdig zu erscheinen. Es gibt viele Bands und Musiker, die mit viel weniger auskommen und daher auch echt sind. Flowers Musik wirkt einfach nur aufgesetzt und absolut kommerzialisiert, ohne Herz dabei. Aber von einem Killers-Frontman habe ich auch, ehrlich gesagt, nichts anderes erwartet. Mir fehlen aber die Worte, wenn so jemand seine Band mit den Beatles und den Stones vergleicht. Ganz sicher nicht, mein Lieber!

Mich würde es nicht besonders wundern, wenn er Erfolg mit seiner Platte hätte, da es Musik für die Massen ist und das verkauft sich eben am besten. Ich möchte gar nicht mehr großartig auf dieses Album eingehen, da ich mir diese Lieder einfach nicht vollständig anhören kann. Musik ist eben eine vollkommen subjektiv empfundene Sache und jeder Geschmack ist anders. Ich, für meinen Teil, kann nur sagen, dass  „Flamingo“ einer der schlechtesten Alben ist, die ich je gehört habe und der Typ mir schlichtweg unsympathisch ist. Platten vor Gericht: 0 Punkte!!!… ähhhmm, ich korrigiere: 1 Punkt für den durchgängigen Größenwahn.

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Viel zu großer Hype um zu wenig

Ich habe ja eigentlich nichts gegen Bands, die sich an der Musik der 80er orientieren und poppige Elektro-Beats in ihren Sound mischen. Da der Trend eh leider immer mehr Richtung Synthesizer und Co. geht, muss man sich wohl früher oder später mit dieser Musik auseinandersetzen. Übertrieben wird es jedoch, wenn zwei Herren in maßgeschneiderten Anzügen, gegelter Kurzhaarfrisur und mit einem pathetischen Gesichtsausdruck der neue Schrei im Musikbusiness sein sollen. Hurts, so nennt sich das Pop-Duo aus Manchester, das mit ihrem Synthie-Pop die Herzen der Musikredakteure von Intro und Musikexpress im Sturm erobert hat. Die Band gibt selbst als große Vorbilder Depeche Mode an, was man unweigerlich schnell heraushört. Sind sie nun ein Abklatsch der großen Pop-Band der 80er oder haben sie mit ihrem Album „Happiness“, ironischerweise gar nicht passend zum Bandnamen, einen neuen Sound des Jahrzehnts geschaffen? Nun, die Lead-Single „Wonderful Life“ kling ja ganz nett, schmalzige Stimme singt etwas von Lebensoptimismus und die Drum-Machine haut die Synthie-Beats rein. Und alles ganz schlicht und einfach. Ein Track in dieser Art ist vollkommen in Ordnung, ein ganzes Album aber davon unerträglich. Allein schon die melancholische Schnulz-Stimme von Theo Hutchcraft, der über den tieferen Sinn des Lebens philosophiert, ist ziemlich nervtötend und wirkt aufgesetzt. Unglaubwürdig scheint hier folgendermaßen das richtige Adjektiv zu sein, um Hurts zu beschreiben. Dieses snobistisch angehauchte Image, das die Band pflegt, ist natürlich von Anfang an komplett durchdacht und diese ganze Schlichtheit von der Kleidung bishin zum schwarz-weißen Albumcover soll künstlerischer Purismus sein. Schön und gut, aber wirklich identifizieren kann man sich damit nicht, vor allem die Jugend, die  doch eher  in Röhrenjeans und Chucks gekleidet abpogen will. Hurts sind zu ernst, zu gestylt und zu dramatisch, um wirklich als das neue „Indie“ bezeichnet werden zu können. Die Musikindurstrie sucht zwar immer nach einem neuen Sound, nach einem neuen Trend, doch altes bewährt sich oftmals. Diesem Schnulz-Pop mit dem Hang zum eloquenten Tiefsinn wird viel zu viel Bedeutung zugetragen und ist nichts Neues, siehe Depeche Mode. Da ist mir die zwanzigste Indierock-Band, die leicht und locker in abgewezten Jeans und Turnschuhen authentisch etwas vom letzten Herzschmerz singt, doch zehnmal lieber als dieser Pseudo-Elektro!

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