Archiv der Kategorie: Gedreht, Geschrieben, Gelesen

FRAKTUS – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte

Das erste Mal gehört von FRAKTUS hatte ich im Zusammenhang mit dem Reeperbahnfestival. Dort hieß es, dass sich die Urgesteine des Techno wieder zusammgefunden hätten und beim Festival ganz exklusiv eine Doku über ihre Rückkehr gezeigt werde. Für jemand, der  in der Techno-Geschichte nicht besonders bewandert ist, da die 90er dann doch ein bisschen zu früh kamen (mit 6 oder 7 auf einem Rave zu sein stand nicht so zur Debatte), klang das nicht gerade unwahrscheinlich. Reunions gab es in der letzten Zeit schließlich dauernd und überall, man braucht nur an die ganzen Britpopbands wie Blur oder Pulp denken. Beim Reeperbahnfestival selbst kam ich dann gar nicht dazu, mir den Film und die Band anzuschauen und so erfuhr ich erst im Zuge der Trailerwerbung im letzten Monat, was es mit FRAKTUS wirklich auf sich hat. Es handelt sich nicht um eine wirkliche Band und eine Doku über sie, sondern über eine Mockumentary, einen geschickt eingefädelten Fake. Nicht nur, dass bekannte deutsche Musiker wie H.P. Baxxter von Scooter oder Jan Delay FRAKTUS als ihre Vorbilder nennen und die Band plötzlich live auf dem MELT! Festival auftritt und dort von den Zuschauern gnadenlos von der Bühne gepfiffen wird, auch auf Facebook und Youtube häufen sich die Kommentare von Fans, die die Band in den 80ern live gesehen haben wollen. Und dabei ist alles nur die Erfindung der Hamburger Combo Studio Braun, die mit Telefonstreichen auf CDs bekannt wurden und sich aus Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni zusammensetzen. Besonders letzterer dürfte nicht nur Musikfans ein Begriff sein als Autor des Romans Dorfpunks.

In der Mockumentary spielen diese die drei gealterten Mitglieder der 80er Technoband, die von dem windigen Manager Roger Dettner (wie immer genial: Devid Striesow) zu einem Comeback überredet werden. Dabei ist von den abgedrehten Halbstarken aus ihrer Blütezeit nichts mehr erkennbar. Sänger Dickie Schubert (Rocko Schamoni) ist ein einfältiger Schluffi mit nicht gut laufendem Internetcafé, Bernd Wand (Jacques Palminger), der fragile Hypochonder, arbeitet im Optikergeschäft seiner Eltern und Thorsten Bage (Heinz Strunk) mimt den DJ Ötzi in seiner Finca auf Ibiza. Mit einiger Überzeugungsarbeit und Schleimerei schafft Dettner es schließlich, die drei völlig unterschiedlichen Typen wieder zusammenzubringen. Damit steht ihm der allerschwerste Part – FRAKTUS auch musikalisch wiederzuerwecken – allerdings noch bevor…

Gefilmt wird das Ganze die meiste Zeit von Kameramann Winnie (Piet Fuchs), der immer mal wieder direkt angesprochen wird und auch dann nicht auf den Ausknopf drückt, wenn sein Chef Roger es ihm befiehlt. So wird auch einer der Höhepunkte des Films, Rogers Ausraster nach 10  Gläschen Ouzo so lange von Winnie gefilmt, bis die Kamera zu Boden fällt. Den Rest sieht der Zuschauer über die Nachrichten und Überwachungskameras. Aus diesem modernen Found Footage-  Stil, der den realistischen Touch der Mockumentary unterstreichen soll, setzt sich der komplette Film zusammen. Mit den herrlich überzeichneten Charakteren und dem trashigen Auftreten der Band hat Regisseur Lars Jessen eine wirklich komische Persiflage auf das deutsche Musikbusiness geschaffen, die sogar ohne den Fake um sich herum ein gelungener Film geworden wäre.
So aber hat sich auch noch ein Musikprojekt dadurch entwickelt und es gibt die Möglichkeit, FRAKTUS live zu sehen. Am Freitag, den 10. November kommen sie auch nach Frankfurt in den Zoom Club. Mal sehen wie viel von ihren Alter Egos die drei Herren mit auf die Bühne nehmen.

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The Wrong Ferrari: Sinnfreie Freakshow im Drogenrausch

Wie beschreibt man einen Film, der keinen Inhalt hat und fast nur unter dem Einfluss von Ketamin geschrieben wurde? Jedenfalls kurz. Der erste Streifen von Folk-Verfechter Adam Green ist im Internet zu sehen und steht sogar zum freien Download zur Verfügung. The Wrong Ferrari heißt das gute Stück und handelt von…hmm, eigentlich nichts. Der Beititel „a Screwball Tragedy“ impliziert offensichtlich das Skurile und Absurde des Films. Und „weirdo“ ist es allemal. Viele bekannte Persönlichkeiten aus Musik-und Filmbusiness haben ihren Auftritt in dieser Drogen-Comedy, die nur mit dem i-Phone aufgenommen wurde. Gedreht wurde acht Monate lang in New York, Prag und Venedig. In der ersten Szene sieht man Adam Green ohne Hose in roter Uniformjacke ins Klo spucken und ziemlich fertig auf dem Badezimmerboden hocken. Eine Stimme kommentiert den Kummer des Protagonisten. Es ist der irische Autor BP Fallon, der im Laufe des Films als „Erzähler“ fungiert.

Als nächstes tauchen „Junior“ Macauly Culkin auf (mal wieder in einer Hauptrolle zu sehen) und paar andere Jungs, die völlig einander vorbeireden. Wenn man richtig schlechtes Schauspiel sehen will, ist man hier genau richtig. Adam als „King of the Faggots“ ( eine Anspielung auf die Bezeichnung seiner Musik) begegnet auf seiner Hippie-Reise dem Bagel-King (seine Anhänger tragen einen Bagel um den Hals) und anderen komischen Gestalten. Dass der Konsum von Drogen offen gezeigt wird, versteht sich von selbst.

Auch wenn man sich den Film zehn Mal anschauen würde, versteht man die Handlung nicht. Aber das muss wohl auch nicht sein. Highlights sind allerdings die Gastauftritte von Devendra Banhart, Cory Kennedy, Dev Hynes, Pete(r) Doherty, Binkini Shapiro und vielen mehr – ohne prominente Unterstützung keine Aufmerksamkeit. 

The Wrong Ferrari ist eine groteske Hyperbel der Selbstfindung von „Greenster“ im Zeichen von Ketamin und Bagels.  Nach einem Sinn braucht man gar nicht zu suchen, einfach anschauen und über den abgedrehten Amateur-Zirkus lachen.

Hier ist der Link zum Video:

The Wrong Ferrari

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La Blogotheque

Im Artikel über Johnny Flynn hatte ich bereits zu Videos von ganz besonderen Versionen seiner Songs, bei denen er akustisch auf der Straße spielt, verlinkt.
Wem das gefallen hat, der sollte unbedingt La Blogotheque einen Besuch abstatten. Diese französische Website veröffentlicht Videos, bei denen Musiker ihre Lieder an den verschiedensten Orten in den verschiedensten Versionen spielen. Concerts á emporter bzw. Take Away Shows nennt sich das und es gibt dort echt viel zu entdecken. The Kooks, Vampire Weekend oder Sufjan Stevens haben sich unter anderem schon die Ehre gegeben.

Ganz besonders zu empfehlen ist das Video von Bloc Party. Zunächst mag Kele gar nicht singen, doch nach langer Überzeugungsarbeit performt er einen der tollsten Bloc Party Songs This Modern Love in einer besonders schönen Art und Weise.

 

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Sonic Iceland

Den meisten Leuten fällt bei isländischer Musik wahrscheinlich lediglich Björk ein (wenn sie überhaupt wissen, dass die aus Island kommt). Die etwas besser Informierten werden dann vielleicht Sigur Rós nennen. Diese Band und ihr Sänger Jónsi sind der bekannteste musikalische Export Islands der letzten zehn Jahre.

Darüber hinaus gibt es auf der Vulkaninsel aber eine sehr vielseitige Musikszene, die erst so langsam auf Europas Festland Fuß fasst.
Da wären z.B. FM Belfast, Sin Fang Bous, Múm, Seabear, Who Knew und Ólafur Arnalds, aber es gibt eben noch unzählige Künstler mehr. Gerade für ein so kleines Land ist das doch ziemlich außergewöhnlich. Wenn man sich also richig mit dieser Musikszene auseinandersetzen will, muss man einfach dort gewesen sein. Ich war das leider noch nicht, dafür aber Kai und Marcel, zwei Musikfans aus Köln und Irland, die sich auf den Weg nach Island gemacht haben und dort einen Monat verbracht haben. Dabei sprachen sie mit vielen Bands, besuchten Konzerte und Festivals, reisten aber auch so herum und machten sich mit Land und Leuten vertraut.

Ziel war, ein komplexes Porträt über diese unglaublich kreative Musikszene abzugeben, in Form eines Buchs. Diesem Buch vorangestellt ist jetzt aber erst einmal eine Webseite, die in einzelnen Kapiteln über dieses besondere Island-Abenteur berichtet. Dazu kann man in einem kleinen Player die entsprechende Musik anhören.

Diese Seite dürfte nicht nur für Fans isländischer Musik interessant sein, sondern für Musikliebhaber jeglicher Art. Schließlich gibt es dort unglaublich viel Neues zu entdecken und an sich ist so eine Art der Reise schon an sich interessant, wie ich finde. Dazu ist diese Webseite auch noch sehr ansprechend gestaltet. Einen Besuch auf Sonic Iceland kann ich also nur wärmstens empfehlen!

 

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Wie Tom Cruise mein Leben stahl

Guillaume de la Croix hat einen guten Job, nette Eltern, eine langjährige Freundin. Doch das reicht ihm nicht – in keinster Weise. Schließlich kennen ihn nur weniger als 1000 Leute, fragt ihn niemand nach einem Autogramm und die Klatschpresse bringt kein einziges Gerücht über ihn in Umlauf. Für Guillaume nicht auszuhalten, schließlich sieht er den Sinn des Lebens darin berühmt zu sein.
Da kommt ihm eines Abends die plötzliche Erkenntnis: Tom Cruise hat ihm sein Schicksal geraubt und lebt nun das Leben, das ihm Guillaume de la Croix zugestanden hätte. Also zieht er gegen den Hollywoodstar vor Gericht und darf schließlich das Leben leben, das ihm zugedacht war.

Wie Tom Cruise mein Leben stahl ist ein Buch von Guillaume de la Croix und eine groteske Satire auf Hollywood und den Starkult des 21. Jahrhunderts. De la Croix übertreibt hemmungslos, wenn er zunächst die Unbedeutenheit einer nicht berühmten Person beklagt und dann das Leben als absoluter Weltstar schildert. Es gibt kein Klischee, das er nicht bedient.
Würde er das ernst meinen, könnte man nur noch mit dem Kopf schütteln, aber die Überzogenheit lässt einen einfach lachen.
Wobei ich zugeben muss, dass das Buch stellenweise etwas schwer zu lesen ist. Denn ziemlich schnell gingen mir der Protagonist und seine krass egozentrische Art ziemlich auf die Nerven. Und fast alle zwei Seiten dachte ich mir „Nein“ und versah diesen gedanklichen Ausruf mit einem Dutzend Ausrufezeichen.
Es ist zwar klar, dass es sich um satirische Übertreibung handelt, doch mitunter bekommt man das Gefühl mehr und mehr zu verblöden.
Trotzdem, wer Lust auf seichte Unterhaltung hat, die Gesellschaftskritik beinhaltet, sollte sich das Buch zulegen – vor allem, da das Taschenbuch momentan reduziert zu haben ist.

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Süße Rebellen?

So lautet der Titel von Klaus Jankes Buch über die „Mando Diao Story“.
Als echter Mando Diao – Fan muss man dieses natürlich kaufen, trotz des leicht fragwürdigen Titels. Denn es wird der komplette Werdegang der schwedischen Band beleuchtet und auch auf einige Hintergründe eingegangen.

Das Buch ist chronologisch aufgebaut, erklärt zunächst die Anfänge der Band, die von Björn Dixgård in Borlänge zunächst unter dem Namen Butler gegründet wurde. Auch der Musikstil war zunächst ein anderer, man experimentierte damals mit Trip-Hop.
Doch mit dem Wechsel einiger Bandmitglieder wechselte auch die Musikrichtung und der mehr Sixties- und Britpop-geprägte Rocksound, mit dem Mando Diao bekannt wurden, war geboren.

Doch nicht nur für Fans, die z.B. wissen wollen was aus dem ehemaligen Keyboarder Daniel Haglund wurde, ist das Buch interessant, auch für Musikliebhaber allgemein. Schließlich erhält man einige Einblicke in das Musikbusiness und auch in den Schaffensprozess der Band.
Schließlich reiste Autor Janke auch in die Heimatstadt von Mando Diao um dort nach den Wurzeln der Band zu forschen und dabei zu überprüfen, ob die Storys stimmen, die die Jungs so über ihre Heimatstadt erzählen.

Insgesamt ist das Buch sehr gut recherchiert (es gibt wohl kein Interview mit den Schweden, das Klaus Janke nicht gelesen hat) und stellt den Werdegang Mando Diaos sehr gut dar. Hervorzuheben ist außerdem die gute differenzierte Haltung des Autors, der Mando Diao nicht hoch über allem schweben lässt, sondern deren Aussagen auch mal in Frage stellt oder Kritik miteinfließen lässt.
Alles in allem bleibt „Süße Rebellen“ aber leider ein wenig oberflächlich. Man merkt, dass ein Außenstehender dieses Buch geschrieben hat und dass Mando Diao sich nicht sonderlich viel Mühe gegeben haben, viel beizusteuern. Vielen Fans wird zu wenig vom Privatleben der Band berichtet, wobei die Entscheidung Mando Diaos, ihre Privatsphäre zu schützen durchaus verständlich ist und von Janke in seinem Buch eben respektiert wird. Sehr viel tiefergehende Informationen sind über Mando Diao eben nicht zu erhalten. Von daher sollte man als Fan dieses Buch unbedingt besitzen.

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Kino-Tipp: „The Doors – When You´re Strange“ (ab 12. August)

Mitten in der Wüste. Im Nirgendwo. Jim Morrison fährt den Highway entlang. Im Radio ertönt die Meldung, dass der Sänger der Doors Jim Morrison an jenem 3. April 1971 in Paris verstorben sei. Die Fans trauern. „Goodbye Jim. We will miss you.“ Der vollbärtige Morrison fährt weiter. Es sind die 1969 entstandenen Aufnahmen zu dem Kurzfilm „HWY-An American Pastoral“ , in dem Morrison einen Highway-Mörder spielt.

„The Doors-When You´re Strange“ ist eine US-amerikanischer Independent-Dokumentation von Tom DiCillo über einer der wichtigsten Bands der 60-er Jahre. Dabei verwendet der Regisseur viel unveröffentlichtes Archivmaterial und dynamische Bilder in chronologischer Reihenfolge, um den Film möglichst realitätsnahe zu präsentieren. Originalaufnahmen von Bandproben, Konzerten, Interviews und zeitgeschichtliches Filmmaterial sind zusammengeschnitten und drücken kraftvoll die Entwicklung einer kleinen Blues-Band aus L.A. zur weltberühmten Supergroup aus. Den Kommentar spricht Filmstar Johnny Depp in der amerikanischen Fassung, mit den jeweiligen Untertiteln unterlegt. Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass keine Experten die Geschichte der Doors kommentieren, sondern einzig und allein Bilder und Aufnahmen im Mittelpunkt stehen.

So benutzt DiCillo zum Beispiel Original-Material aus den 60-er Jahren, das die aufsteigende Hippie-Bewegung ablichtet und zugleich die Morde an John F. Kennedy und seinem Bruder Robert. Kreischende Doors-Fans werden ebenso gezeigt wie erschreckende Bilder des damals wütenden Vietnam-Krieges. Der Regisseur präsentiert politische und gesellschaftliche Ereignisse der späten 60-er Jahre,untermalt mit der Blues-lastigen Flower-Power-Musik der Doors und kreiert damit eindrucksvolle Filmkunst.

Venice Beach,1965: Der 22-jährige Filmstudent Jim Morrison gründet mit Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore die Bluesrock -Band „The Doors“ und ihre allererste Single „Light my Fire“ steigt 1967 auf Platz eins der US Charts. Eine Musiklegende ist geboren. Die Gruppe wird schnell Aushängeschild der mit Drogen experimentierenden Jugendlichen, die sich gegen die Engstirnigkeit der Erwachsenen auflehnen und eine freie Gesellschaft befürworten. Ob Kriegsgegner, Hippies oder einfach Studenten-jeder kann sich mit der psychedelischen Musik der Doors identifizieren und vor allem Jim Morrison wird zum neuen Sexsymbol der Hippiezeit. Energiegeladen, provokant und vor allem immer zugedröhnt begeistert der Sänger seine Fans. Die Doors schweben auf der Erfolgswelle. Sie spielen in immer größeren Hallen und sind Gesprächsthema Nummer Eins in den USA. Doch mit dem Ruhm scheint Morrison am wenigsten klar zu kommen. Drogen, Alkohol und Groupies bestimmen sein Leben und er entfernt sich immer weiter von den anderen Bandmitgliedern. Zeitweise will er sogar schon bei den Doors nach 4 Jahren aussteigen, aber er macht schließlich weiter. Morrison wird mehrmals wegen Obszönitäten auf der Bühne festgenommen. Die Whisky-Flasche  ist jetzt einer seiner Grundnahrungsmittel und er wirkt aufgeschwemmt. Das Sexsymbol hat seinen Glanz verloren. Er verlässt die Band und zieht nach Paris mit seiner Freundin, um mehr Gedichte zu schreiben. Ein Album möchte er trotzdem noch aufnehmen.

Am 3. April 1971 stirbt Jim Morrison an einer Überdosis Heroin in seiner Pariser Wohnung. Er ist nur 27 Jahre alt geworden. The Doors haben mit ihm zusammen sechs Studioalben aufgenommen, die fast alle überaus erfolgreich waren. Ihre Musik wurde teils zum Sprachrohr einer ganzen Generation, die im prüden Amerika gegen ihre Elternhäuser rebellierte. Der Film zeigt die Licht- und Schattenseiten dieser Zeit auf, aber auch gleichzeitig den einmaligen Geist dieser Epoche, sowohl musikalisch als auch sozialpolitisch. Jim Morrison verkörperte dieses junge Rebellentum perfekt und lebte seinen Ruhm exzessiv und exzentrisch aus. Der charismatische Poet und Selbstinszenierungskünstler lebte  kurz und frei nach dem Motto: Live Fast, Love Hard, Die Young. Doch die Legende bleibt. „You can´t burn out if you are not on fire.“

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DVD-Tipp: „Control“ (2007)

„Existenz- Was bedeutet das schon? Ich lebe mein Leben so gut ich kann. Die Vergangenheit ist nun Teil meiner Zukunft. Die Gegenwart lässt sich nicht kontrollieren.“ So lauten die ersten Worte von Ian Curtis im Biotopic „Control“ über das turbulente Leben des Joy Divisions Sängers. Curtis prägte mit seiner dreiköpfigen Band den Post-Punk wie kein anderer und beeinflusste damit eine ganze Generation Jugendlicher. Und trotzdem kam er mit seinem eigenen Leben nicht mehr klar, sodass er sich mit nur 23 Jahren in seinem Haus in Macclesfield erhängte.

Der niederländische Fotograf Anton Corbijn verfilmte im Jahr 2007 das Leben von Ian Curtis auf der Grundlage von „Touching from a distance“, eine Biographie geschrieben von Curtis Frau Deborah. Der bis dahin unbekannte Brite Sam Riley spielt den charismatischen Poeten Curtis, der Ende der 70-er Jahre mit seiner Post-Punk-Band Joy Division kurz vor dem Durchbruch steht, aber durch seine Epilepsie-Erkrankung und private Probleme mit Debbie, gespielt von Samantha Morton, innerlich vollkommen zerrissen ist. So fasst er am Abend vor der ersten Amerika-Tournee einen folgenschweren Entschluss.

Der in schwarz-weiß gehaltene Film beginnt in Curtis Jugendjahren. Geboren 1956 in der Nähe von Manchester wächst Curtis behütet in dem kleinen Ort Macclesfield auf. Er begeistert sich schon früh für Literatur und Musik, vor allem David Bowie, der 1971 verstorbene Jim Morrison und Iggy Pop. Er nimmt in dieser Zeit schon Drogen zu sich, eine größere Menge verschiedene Medikamente wie Valium. Was im Film nicht gezeigt wird, ist, dass Curtis der einzige in seinem Umfeld war, der sich unter Drogeneinfluss selbst verletzte und einen frühen Tod wie sein Idol Jim Morrison idealisierte.

1973 trifft er Deborah, genannt Debbie, und heiratet sie 1975. Er ist neunzehn Jahre alt. Ein Jahr darauf gründet er mit Peter Hook, Bernard Summer und Terry Mason die Band Warsaw, später unbenannt in Joy Division. Der Name leitet sich von einem Bordell ab, das deutsche Soldaten im zweiten Weltkrieg besuchten. Im Juni 1978 veröffentlichen sie ihre erste EP, im Dezember erleidet Curtis nach einem Londoner Gig seinen ersten Anfall. Die Diagnose lautet Epilepsie und Curtis bekommt verschieden Medikamete verschrieben, die auf seinen Körper und vor allem auf seine Psyche schlagen. Der Sänger verfällt zunehmend in Depression und entfremdet sich von seiner Frau und der 1979 geborenen Tochter Nathalie. Joy Division wird immer größer, Curtis Texte düsterer und depressiver. Seine markante Bass-Bariton Stimme verleiht der Musik den letzten Schliff und macht Joy Division unverwechselbar.

Der Filmtitel spielt auf den Hit „She´s lost control“ an, der von einem epileptischen Mädchen handelt, das Curtis kannte und nach einem Anfall verstarb.                                                                                                                                                                                                                                                                                  Bei einer Tour lernt Curtis die belgische Journalistin Annik Honoré (Alexandra Maria Lara) kennen und beginnt mit ihr eine Affäre, die jedoch vor Debbie nicht geheim bleibt. Hin und her gerissen zwischen zwei Frauen und dem zunehmenden Druck von der Band beginnt Curtis einen Suizidversuch, überlebt aber. „Ich wollte nie, dass die Sache so groß wird. Ich habe keine Kontrolle mehr.“, so Curtis Gedanken. Kontrolle. Das ist das Schlüsselwort des Filmes. Der Sänger hat weder Kontrolle über sein Privatleben, noch über die Entwicklung von Joy Division. Alles zerfällt. Ian Curtis meint, er habe mit der Musikbranche abgeschlossen und wolle nicht mehr in einer Band sein. Trotzdem war eine zweiwöchige Amerika-Tournee geplant. Debbie hat die Scheidung eingereicht. Der Mann ist am Boden. Der Tod scheint der einzige Ausweg für ihn zu sein. Am 18. Mai 1980 erhängt sich Ian Curtis in seinem Haus. Er ist 23 jahre alt.

Der Regisseur von „Control“ wollte bewusst nicht ein Film über Joy Division, sondern über Ian Curtis machen, der tragische Songwriter, der gebrochen von seiner Krankheit und seinen privaten Problemen, die Kontrolle über sein Leben verloren hat. Sam Riley erbringt eine herausragende schauspielerische Leistung in seiner Verkörperung des Protagonisten, der an dem Druck, der auf ihm lastet, zerbricht. In dem Abschiedsbrief an Debbie schreibt er: „Mein Stolz wurde gebrochen durch die Liebe“.

Joy Division veröffentlichten nur zwei Alben, 1979 und 1980, beide prägend für den Post-Punk und die spätere Dark Wave-Bewegung. Ihr größter Hit „Love will tear us apart“ wurde zahlreiche Male gecovert und ihre Musik beeinflusste viele heutige Postrock-Musiker wie Interpol oder Editors. „Control“ ist ein beeindruckendes Filmwerk, das die tragischen Umstände eines aufsteigenden Musikers porträtiert und zugleich den Zuschauer in das Innere der Figur blicken lässt. Der Film ist nicht nur für alle Indierock-Fans sehenswert, sondern auch für diejenigen, die sich für den unsicheren Menschen hinter dem Rockstargesicht interessieren.

„I could live a little better with the myths and the lies, when the darkness broke in, I just broke down and cried. I could live a little in a wider line.When the change is gone, when the urge is gone, to lose control. When here we come. “

http://www.myspace.com/joydivision

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