Archiv der Kategorie: Interviews

Fuck Art, Let´s Dance im Interview: „Lasst euch einfach gehen!“

Nicht nur ihr Name klingt gut, sondern auch ihre Musik. Fuck Art, Let´s Dance aus Hamburg sind zurzeit im Studio und basteln an ihrem Debüt-Album. Wir trafen das Indiepop-Trio Nico, Tim und Romeo vor einem Gig auf ihrer Deutschland- Tour Anfang des Jahres  und quatschen mit ihnen über Labels, Lampenfieber und Lust am Spielen.

Indielikat: 2012 seid ihr ja viel getourt. Wie habt ihr das Jahr so erlebt?

Tim: Kein Jahr ging schneller vorbei. Wir sind sehr viel getourt in vielen Städten und es sind mehr Leute gekommen zu unseren Shows als vorher.

Romeo:  Es ist ziemlich viel passiert. Wir sind erwachsener geworden und haben uns musikalisch weiterentwickelt.

Nico: Wir sind viel mehr eine Einheit geworden. 2012 war für uns das gute Jahr mit 100 Konzerten.

Indielikat: Ihr habt bereits zwei EPs veröffentlicht. Folgt bald auch ein Album?

T. : Wir haben uns ja musikalisch einfach verändert und es wurde Zeit fürs Album. Letzten November haben wir angefangen und Frittenbude hilft uns.

R.: Wir sind ja gerade im Studio in Berlin mit Jakob. Das ist gerade das große Thema bei uns.

Indielikat: Sind dann nur neue Songs darauf enthalten?

R: Ja, nur neue Songs. Diese Tour ist die letzte mit dem Set, das wir haben.

Indielikat: Ihr werdet oft mit Bands wie Two Door Cinema Club verglichen. Wie würdet ihr euch einordnen?

R: Wenn du sagst, du machst Indie und tanzbar, ist das schlecht. Das macht ja jeder.

T: Die Zeit der Genres ist vorbei. Es ist schwer für uns, uns einzuordnen, da wir uns immer weiterentwickeln.

Indielikat: Was hört ihr denn so privat ?

T: Ich höre unglaublich viel Hip Hop.

N: Witchhouse und Purity Ring gerade. Ich mag diesen düsteren Sound,  also mehr Atmosphäre und mehr elektronische Spielereien. Manchmal höre ich  dann auch Local Natives oder so. Mit unserem neuen Album wollen wir jedenfalls technischer werden.  Auf der Bühne gehen wir viel mehr ab. wir gehen ein bisschen in diese Math-Rock Richtung. Das  ist was Leute vielleicht nicht erwarten, aber es ist immer noch unser Sound.

Indielikat: Ihr seid auf Audiolith, was ja bekannt ist für seine elektronischen Acts und vor allem seinen Hang zum Politischen. Inwiefern passt ihr da rein?

N: Wir waren selber etwas überrascht. Aber es gibt ja ganz verschiedene Acts auf diesem Label.

T: Wir haben uns einfach auf Anhieb gut verstanden. Das hat dann gepasst.

Indielikat: Seid ihr quasi eine Art verschworene Gemeinschaft?

N: Ich find das Gefühl ziemlich geil, wenn man mal sagt, okay komm, wir chillen jetzt mal alle zusammen oder wir gehen ins Berghain abdancen. Das könnte ich mir halt  bei einem Warner-Chef nicht vorstellen. Alle verstehen sich, alle sind eine Familie. Das ist das Coole.

Indielikat: Politische Texte , wie sie Frittenbude oder Egotronic schreiben, interessieren euch also nicht?

N: Politisch sind unsere Texte gar nicht. Unser Album hat eigentlich das Oberthema, dass es ums Ausbrechen geht. Um Erwachsenwerden und Selbstfindung. Audiolith ist zwar ein sehr politsches Label, aber das hat auch nicht gestört, dass wir  selbst nicht so sind.

Indielikat: Findet ihr es nicht krass, wenn es bei Frittenbude heißt: „Nie wieder Deutschland“?

T: Es ist auch nur das Oberflächliche in den Texten ,was nach außen scheint. Was genau sie denken, da müsste man sich mit ihnen zusammensetzen und über Politk reden.

Indielikat: Euer Name impliziert auf die Kunst zu scheißen. Eure Musik ist aber auch eine Art Kunst, wie jede andere auch.

N: Wir sagen ja nicht, dass wir Kunst hassen. Wir mögen halt nicht diese Einstellung, sich irgendwas anzuschauen, sei es Konzert oder Kunst, und  dann alles mit scharfem Blick genau analysieren zu wollen. Ätzend.

T:  Sich einfach gehen lassen, das wollen wir damit aussagen.

Indielikat: Viele Bands spielen ähnliche Musik wie ihr. Wie kann man da noch hinausstechen?

T: Wir sind halt eine Band und machen unser eigenes Ding. Ob die Leute das annehmen oder nicht, können wir nicht beeinflussen. Für mich persönlich ist es interessanter, ob eine Band z.B lang befreundet ist seit ihrer Kindheit und schon viel zusammen durchgemacht hat. Das spiegelt sich ja dann auch in der Musik wieder.

Indielikat: In der heutigen Musikbranche ist es ja auch schwer, Fuß zu fassen.

T: Wichtig ist halt immer am Ball zu bleiben, sich den Arsch wund spielen und nicht aufzugeben. Wenn man merkt, dass es das Richtige ist und auch den Leuten gefällt, dann sollte man nicht aufhören. Es ist halt eine heiden Arbeit und man darf sich nicht zurücklehnen.

N: Man weiß ja eh nie was kommt. Dann kann man nur das machen, was man liebt.

Indielikat: Ihr seid für das Album nach Berlin gezogen, das machen ja gerade viele. Warum dorthin?

T: Das hat sich angeboten, weil Jakob von Frittenbude da auch lebt. Wir wollten das Album sehr gerne mit ihm machen.

R: Ob wir nach den Aufnahmen da noch bleiben, steht erst mal in den Sternen.

N: Hamburg ist im Vergleich zu Berlin auch mega klein. Du hast dein Szene-Viertel und das wars. In Berlin kannst du überall hin. Es ging aber nicht um die Stadt, sondern weil Jakob da war. Jemanden zu haben, mit dem du dich richtig gut verstehst, ist das Wichtigste

Indielikat: Wie sieht es denn mit eurer Fanbase aus? Gibt es regionale Unterschiede?

T: Hmm, das ist schwer einzuschätzen, wie groß wir sind. Kassel und Regensburg gehen richtig gut. In vielen Städten sind wir ja zum ersten Mal. Aber vor allem die Leute in kleinern Städten sind heiß darauf, wenn man mal solche Musik  wie wir spielt.

N: In Mühlhausen zum Beispiel gibt es nur einen Schuppen und da gehen alle hin. Wir haben da gespielt und es war rappelvoll. Das war cool.

Indielikat: Habt ihr nach so vielen Gigs überhaupt noch Lampenfieber?

R: Jetzt wieder schon, da wir lange nicht mehr gespielt haben.

T: Wird aber richtig geil, wieder zu spielen.

Indielikat: Ihr seid ja schon eine Band, bei der die Leute abgehen sollen.

T: Ja, wir wollen die Leute auf jeden Fall unterhalten.

R: Es soll ja auch beiden Seiten Spaß machen. Uns und den Leuten.

Fuck Art, Let´s Dance sind auch bald wieder auf Deutschland Tour. Hier die Daten:

13.04.2013
DE – Osnabrück – Popsalon
26.04.2013
DE – Berlin – About Blank
27.04.2013
DE – Augsburg – Schwarzes Schaf
28.04.2013
DE – München – Feierwerk
11.05.2013
DE – Hamburg – Molotow
19.05.2013
DE – Töging am Inn – Bock Am Inn Open Air
25.05.2013
DE – Graal-Müritz – Jugendclub
30.05.2013
AT – Graz – Springfestival
31.05.-02.06.2013
DE – Mannheim – Maifeld Derby
04.07.-06.07.2013
DE – Zinnowitz – Utopi
12.-14.07.2013
DE – Hannover – Bootboohook

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Blood Red Shoes im Interview: „Es ist wie ein Fluch“

Blood Red Shoes sind derzeit eifirg auf Tour.Lara traf Drummer Steven Ansell im Auftrag der STUZ und plauderte mit ihm über Veränderung, Verlorenheit und Verrücktheit.

Lara: Ihr spielt also heute in Frankfurt. Wisst ihr wie viele Gigs ihr schon insgesamt hattet?

Steven Ansell: Ja, müssten so um die 650 gewesen sein, denk ich.

L: 650 Gigs? Wow. Ihr seid ja auch die am häufigsten tourende Band. Wollt ihr nicht etwas langsamer machen?

S: Nein, wieso? Sehe ich etwa müde aus?(lächelt) Ja, klar ist es anstrengend, aber uns wird langweilig, wenn wir nicht auf Tour sind. Das ist das, was wir machen wollen, in einer Band sein. Es ist mein ganzes Leben, ich kann damit nicht einfach so aufhören. Wir haben einfach so viele Energie im Moment.

L: Seht ihr was von den Städten, die ihr besucht?

S: Dieses Mal nicht. Also manchmal hat man etwas Freizeit. Bei der ersten Tour im Jahr muss man viele Interviews geben aber beider zweiten im Winter hat man mehr Zeit.

L: Gebt ihr also gern viele Interviews?

S: Ja eigentlich schon. Generell sagen wir ja zu den meisten Sachen.

L: Laura und du seid 300 Tage im Jahr zusammen. Bleibt euer Privatleben dann nicht ziemlich auf der Strecke?

S: Wir haben nicht viel Privatleben. Du musst vorsichtig sein, wenn du paar Tage frei hast, dass du was getrennt voneinander machst. Sonst wird man vollkommen verrückt. Es ist nicht das Gesündeste in der Welt, aber es ist okay für mich. Viele in Bands meinen mit 35 „Shit, ich will Familie haben.“ Aber mir geht es momentan gut so wie es ist.

L: Das heißt, du hast du dir dein jetziges Leben so vorgestellt?

S: Ich denke nicht viel drüber nach, ich mach es einfach. Ich denke, man fühlt vor allem,  wie alles wächst. Wir merken  einfach wie unsere Band gewachsen ist. Mehr Konzerte, mehr Platten verkauft und mehr Fans.

L: Also ihr seid wohl ziemliche Workaholics.

S:  Ja, aber es geht nicht nur um Arbeitsethik. Du drehst das nicht wirklich aus, es ist wie ein Fluch. Du hast keine Wahl eigentlich. Alles was du erfährst, verbindet man mit Musik. Oh, das ist ein guter Riff oder das ist eine gute Zeile – Das ist so was wie ein psychologischer Defekt.  Du musst eigentlich ein Arschloch sein, um so was durchzustehen. Soziale Bindungen sind eigentlich unmöglich.

L: Findest du, du hast dich als Person sehr verändert in der letzten Zeit?

S: Ich denke, ich hab mich in den letzten 5 oder 6 Jahren verändert in dieser Band. Wenn ich nicht lange auf Tour bin, werde ich wirklich depressiv. Mein Zuhause ist das Tourleben jetzt. Wenn ich in meiner alten Wohnung wieder bin, fühlt sich das nicht mehr wie mein Zuhause an. Aber es ist gut so.

L: Dein neues Leben ist als besser als dein altes mit festem Wohnsitz?

S: Ich weiß nicht, ich denke ja. Aber ich meine, es ist wie es jetzt ist. Nicht das perfekte Leben, aber es ist so. Das einzige Mal wenn ich es nicht mag, ist wenn wir nach Hause gehen. Dann fühl ich mich nutzlos, aber die meiste Zeit bin ich glücklich. Es gibt immer eine nächste Sache, die dich weiterbringt.

L: Euer neues Album klingt mehr nach Hard-Rock und variiert in den Tempi. Was ist für dich der Hauptunterschied zu den anderen zwei Alben?

S: Beim ersten Album dachten wir, wir hätten es nicht richtig aufgenommen. Das zweite war härter und hatte eine düstere Seite. Ganz anders als das erste. Beim neuen Album haben wir den Fokus auf die Stimmen gelegt.

L: Kommt der Albumtitel „In Time To Voices“ daher?

S:  Ich weiß nicht, was der Titel bedeutet. Laura hatte die Idee. Sieh es mal so: Wenn es um Rock´n´Roll Musik geht, finde ich, sollte man nicht alles verstehen können. Man sollte nicht immer mit seinem Verstand denken, sondern Dinge eher fühlen. Wenn es sich richtig anfühlt und es gut klingt, dann ist es richtig. Dann brauch ich nicht viel zu verstehen.

L: Ihr habt einen sehr aggressiven Sound und eure Musik dreht sich oft um Wut, Frustration und Ängste. Woher kommen diese Gefühle?

S: Wir werden das oft gefragt. Wir wissen es nicht. Es kommt einfach so heraus. Wir haben früher sehr viel Punk Musik gehört und wir mögen einfach diesen „Fuck You“-Spirit. Das kommt eben durch unsere Musik wieder raus. Das ist ein Teil von uns.

L:  Kritiker bewerten eure neue Platte als reif. Seht ihr euch auch so?

S: Ich fühl mich wie ein kleines Kind. Ja, jeder sagte, es ist ein reiferes Album. Ich denke, es wäre eine Beleidigung für unsere Fans, wenn wir das gleiche machen würden. Unser musikalischer Geschmack ist breiter geworden und wir denken mehr über die einzelnen Parts nach und sind kritischer.

L: Aber viele Bands, die nicht immer das gleich machen wollen, werden dann einfach mainstream.

S: Ja, das stimmt. Laura und ich waren sehr besorgt,  dass die Leute denken: „Oh ihr seid nicht mehr aggressiv.“ Wir wollten nicht, dass jemand meint, wir wollen jetzt mainstream und soft werden. Viele Bands durchleben ja diesen Prozess und werden so soft, dass es auch die Mutter gut findet. Aber wir wollten richtig hart sein, so also ob wir ein Led Zeppelin Album machen würden.

L: Deine Beziehung zu Laura könnte man als Hass-Liebe bezeichnen. Stimmts ?

S: Ja, das ist genau was wir haben. Wir sind beste Freunde aber wir streiten sehr oft.

L: Was hasst ihr denn beim anderen am meisten?

S: Ich denke, weil wir so viel Zeit miteinander verbringen. Wir sind absolut gleichberechtigt in der Band und teilen einfach alles. Mein ganzes Leben ist aber an Lauras gebunden und umgekehrt genauso. Manchmal hasst du den anderen einfach, weil wir eben so sehr aneinander gebunden sind.

L: Einige Leute denken bestimmt noch, ihr wärt ein Paar. Würde die Arbeit trotzdem genauso gut funktionieren, wenn ihr eins wärt?

S: Also eigentlich wurden wir lange nicht mehr danach gefragt, nur vielleicht beim ersten Album mal. Ich denke, es ist immer hart, wenn man zu zweit alles durchmacht. Aber wenn du dann noch eine Romanze am Laufen hast, ist es eigentlich noch schlimmer. Es ist so wie es ist auf jeden Fall besser.

L: Ihr seid zwar gleich eingebunden in der Band, aber hat nicht jeder noch eine eigene Rolle?

S: Laura ist mehr visuell talentiert. Sie macht das ganze Artwork. Ich mach eher so langweiligen Krams, zum Beispiel, wo wir touren werden und  welche Songs für Musikvideos ausgewählt werden. In so Dingen bringe ich mich gerne ein. Wir verständigen uns aber immer über die Sachen, die wir machen.

L: „Je Me Perds“ handelt von einer Story, wo du total betrunken irgendwo in New York liegst und „Lost Kids“ über das Gefühl, sich verloren zu fühlen. Fühlt ihr euch jetzt mehr verloren als vorher?

S: Na ja ich fühl mich am meisten verloren wenn ich nicht auf Tour bin. (lacht) „Lost Kids“ handelt aber auch von den Riots in London. Es war eine schwierige Zeit für uns. Ich wollte jede Woche die Band verlassen und gleichzeitig kämpften die Leute auch auf der Straße. Diese ganze Flut von Aggression floss dann in den Text rein.

L: Vorletzte Frage. Gibt es paar Newcomer, die du gerade sehr magst.

S: Unser Support in England The Cast Of Cheers ist super. Ich habe mir gerade auch das neue Mark Lanegan Album und Band of Skulls gekauft. Ach ja, und Willis Earl Beal. Er ist unglaublich.  So eine Mischung aus einem Soulsänger, Tom Waits und einem Beatpoeten. Er ist auch wirklich ein starker Performer. Wenn er den Raum betritt, hat er eine richtige Ausstrahlung. Genial.

L: Habt ihr schon Pläne für das neue Album?

S: Ja, wir haben paar neue Songs geschrieben. Wir wollen zuerst eine kleine EP im Januar veröffentlichen, bevor dann irgendwann die neue Platte erscheint.

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Big Wave Riders in Tampere

Was von außen eher nach einem vornehmeren alten Herrenhaus mitten in der Innenstadt von Tampere (Finnland) aussieht, beherbergt in seinem Inneren den bei Studenten sehr beliebten Club Yo-talo.
Für ein Konzert der Big Wave Riders gehörte ich einen Abend ebenfalls zu den Gästen – sie traten hier als Vorband von Eleanoora Rosenholm auf. Offenbar waren die meisten der Anwesenden auch wegen genau dieser Hauptband da oder aber um sich in der Bar im Nebenraum schon mal für die später stattfindende Party warm zu trinken – denn obwohl die Vorband sommerliche Songs spielte, die zum Tanzen einluden, konnte das den Großteil der Anwesenden leider nicht überzeugen. Die meisten blieben einfach sitzen, wenigstens zeigten ihre zufriedenen Mienen, dass sie mit der Musik einigermaßen einverstanden waren.
Vielleicht passte das an dem Abend einfach nicht zusammen, der Surfer- Indie- Garagerock, wie auch immer man den Sound der Big Wave Riders nennen mag, und der eher auf die finnischen Texte ausgerichtete Synthie-Pop der Hauptband.

Doch die 5 Jungs aus Helsinki hielten durch und spielten ihr komplettes Set und bedankten sich artig bei den wenigen Leuten auf der Tanzfläche. Dabei zeigten sie musikalisch wirklich, was sie drauf haben: Keyboarder und Gitarrist wechselten auch mal die Instrumente (auch wenn sie später behaupteten, dass das ziemlich einfach zu spielen war), ließen ein Saxophon ertönen und schafften es, diesen weiten, großen Sound, den ich schon bei den Aufnahmen bewundert hatte, eins zu eins auf der Bühne umzusetzen.

der Yo-talo Club von außen

Die Songs live zu hören war auf jeden Fall den Besuch wert und Erfahrungen wie diese gehören für eine junge neue Band einfach dazu – noch ist es möglich Konzerte wie diese von den Big Wave Riders zu besuchen, wer weiß wie das in ein, zwei Jahren aussieht…

Nach ihrem Auftritt, während dem der Hauptband (die mich nach einem angehörten Lied ehrlich gesagt auch nicht weiter interessierte), setzten wir uns in einem gemütlichen kleinen Nebenraum nochmal für ein kurzes Interview zusammen:

Indieliekat: Were you satisfied with the show and how you played?
Big Wave Riders: Yeah, I think it was a good gig. We had a good time although the crowd was a bit strange, but it was nice. You know, we’re from Helsinki and a quite young band so when we go to different cities it’s always more difficult than at home.
I: Which of your songs do you like most to play live?
BWR: Well, maybe Big Sound, this is always good because it always gets to move straight away, I don’t know, there’s something special about it, it’s so catchy and usually the audience likes it. But also It’s Funny Things Aren’t Gonna Change, we really like to play that.
I:  Are you planning an album or an EP?
BWR: We almost recorded all the songs for the EP and we’re going to release it in like a couple of months, in summer. There will be 8 tracks and it’s pure gold.
I: Talking about your band name Big Wave Riders – are you surfers?
BWR: We have never ever surfed as Finland is not known as the surfers paradise of the world so I guess the irony is on us. The name just got stuck in our heads. It’s catchy, sounds like us and it’s not so serious. I guess it also sort of symbolizes how we aim to be great in whatever we do even if there are no real waves around, you know, aiming for the unexpected.
I: How did you get together as a band?
BWR: We have been making music together about 1 year now, we are old friends and know each others from previous bands and such but
this is a fresh project and we are very excited about it.
Petri [the drummer] also plays in another band called On Volcano.
I: Which bands are your influences?
BWR: So many bands… we have different kinds of influences… Well, you can say pop music from 50es to nowadays (laughing).
Britpop… but also from America. It’s so hard to name a band, there are so many…
I: Do you see some kind of an indie scene in Finland?
BWR: I think the indie scene in Finland is growing all the time… It’s great. I think about 5 years ago the scene was much smaller. There are French Films, Satellite Stories and 3, 4 more bands.
I: You would have supported The Vaccines on their shows in Finland but those were cancelled. What happened?
BWR:  The singer had some throat problems. Yeah that was really sad, that would’ve been really good but you can’t do anything if he can’t sing…
I: Are you planning some kind of tour – maybe also abroad?
BWR: We are taking things nice and chill. There have been some talk about playing gigs in germany and france in autumn and in december we will try to catch some nice waves and play few gigs in australia. Hopefully we will live up to our name Big Wave Riders!

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Satellite Stories im Interview

http://www.facebook.com/satellitestories

Von Mainz nach Oulu, Finnland, das ist nicht gerade ein Katzensprung. Und deshalb auch nicht einfach mal so zu bewältigen für eine arme Studentin, die ein Interview mit einer interessanten jungen Band aus eben dieser finnischen Hafenstadt führen möchte. Doch es zum Glück gibt es da einen Ausweg: ein E-Mail Interview!

Satellite Stories hatten wir euch schon einmal kurz vorgestellt mit dem Song der Woche Helsinki Art Scene. Fröhlich, spritziger Indiepop, wie er auch mit Kids Aren’t Safe In The Metro und Mexico, den anderen zwei Liedern auf ihrer Promo EP geboten wird. Dieser Partyindie, wie sie es selber nennen, macht Spaß und bringt einen automatisch zum Tanzen.
Viele Hintergrundinformationen sind über sie im Internet nicht zu finden, aber im E-Mail Austausch merkt man schnell, dass das vier sehr sympathische Jungs sind, die sich hinter ihren Satelliten Pseudonymen verstecken.

How did you all get into Satellite Stories?

Our singer Esa and drummer Olli-Pekka met during a boring lecture at the university, and started talking about music. They decided to start a band and asked Jyri to play bass. A bit later Marko joined the band to play guitar.

Is there an interesting story about how you chose this name for the band?

In the early days we had a song called Satellite Stories. The title of the song sounded cool so we decided to choose it as a band name.

Your Myspace lists Vampire Weekend, The Wombats and Two Door Cinema Club as your influences. What do you like about those bands?

We love the positive energy these bands have in their music! This is something we also want to include in our songs. Danceable and not too serious. Also, these bands really know how to write catchy and strong songs, and they all have their unique sound.

Are there also „older“ bands who have influenced you?

We´ve all been music fans for years, and made different styles of music. So there is a wide range of music style and bands from electronic dance music to indie rock that we´ve been influenced by. We have a blog (in finnish) at indiansummerindie.com where you can read about some of the music we like.

How did you know that you are the most blogged Finnish band 2010 (congratulations for this!)?

Well, in late 2010 we realized, that we must be the blogged finnish band that year, since we got that much of attention with our promo EP. It´s kind of a playful award we gave ourselves 😀 Anyone who wants to check the facts can just use Hypem.

Why don’t you want to be in Helsinki Art Scene? 😀

There´s nothing wrong with Helsinki Art Scene, we wrote that song few days before we had a gig in Aalto Art University student party in Helsinki, and those lyrics were kind of a harmless joke to that gig. But it sounded kind of cool and we didn´t felt like changing those words anymore. Maybe the lyrics could also have something to do with the attitude, that Helsinki (and southern Finland) is not the only cool and lively place in Finland!

In the rest of Europe, people mainly know metal bands from Finland. How do you see the Finnish music scene? Is it hard to establish an Indie band with, let’s say, positive tunes there?

There´s a lot of new talented bands coming up our music scene, with more „indie“ sound. But it´s true, most of the finnish bands are about metal, especially in our home town Oulu. But we believe that there is also room for other kind of music. For us metal music is too depressive, we want to see the positive side of things! If the metal bands are the long and cold winter, we want to be that short, yet wonderful finnish summer!

Which steps will you take next? Do you have plans for an album?

We are soon going to studio to record a couple of new songs. There are some secret plans, but we can´t tell them yet 😉 You just have to stay tuned, and expect the unexpected!

Kiitos!

Das klingt viel versprechend und wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Weitere Informationen zu Satellite Stories gibt’s hier: http://www.myspace.com/satellitestories

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Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen Part III

Indielikat: Welche Bedeutung hat Musik für euch? Kann sie großen Einfluss auf Menschen haben?

Martin: Es hat mein Leben schon drastisch verändert. Aber so die allgemeine Wirkung ist schwer zu sagen.
Oliver: Musik beeinflusst einen ja nicht nur beim Selbermachen sondern auch beim Hören. Das ist eigentlich schon ein krasses Phänomen. Hm, das ist irgendwie so wie mit Fernsehen. Nur ob die Leute eher fernsehen oder Musik hören? Ich glaube sogar eher Musik.

Indielikat: Glaub ich nicht.

Oliver: Echt nicht? Ich glaub schon.
Martin: Musik ist halt so auf der Gefühlsebene. Jeder mag da irgendwas. Okay, in unseren Kreisen achtet man sehr auf Musik und ihre Ästhetik. Gibt bestimmt aber auch viele, die das nur so nebenbei hören. Manche hören ja echt nur Musik im Fahrstuhl, in Bierzelten etc. aber für gute Musik sind die gar nicht sensibilisiert.
Oliver: Musik kann Menschen halt echt verbinden oder trennen, das können andere Medien nicht.
Martin: Auch diese Identifikation mit Musik ist krass, dass darauf Jugendgruppen oder ganze Weltsichten wie z.B. Metal basieren.

Indielikat: Jetzt nochmal zurück zu eurer Herkunft, was mögt ihr an Mainz und was nicht?

Benni: Ich mag den Rhein.
Martin: Es ist schon ein angenehmes Lebensgefühl hier. Es gibt nicht diese Aggression wie z.B. in Frankfurt. Ich würde sagen es ist ziemlich gediegen hier. Das Negative ist halt, dass es schon sehr klein ist und man schnell an die Grenzen kommt.

Indielikat: Also man kann sich nicht so kreativ entfalten?

Oliver: Mir fehlt schon manchmal ein bisschen der Gegenpol – manchmal genieße ich das aber auch.
Martin: Ab und zu hätte man lieber ein „Fass ohne Boden“, dass man einfach irgendwo hinkommt, wo man noch nicht war, aber ich hab z.B. Berlin noch nie geliebt.
Oliver: Das ist dann halt immer so ein Trend-Ding, dass dann bestimmt auch mal nerven kann. So wie Punkhosen bei H&M. Dass dann die Subkultur in den Mainstream kommt, das geht eben auch bei Städten.

Indielikat: Was habt ihr für Pläne?

Oliver: Wir haben viele. Erster Plan: Das Bandgefüge wieder zusammenzukriegen. Außerdem soll die Musik noch mehr von den anderen kommen, nicht nur von mir. Unser nächstes Album ist ja schon seit 3 Jahren im Entstehen, das hat sich bestimmt schon zehnmal gehäutet. Das dauert einfach und ist deshalb schon ein Riesending. Wobei ich auch gern noch was anderes machen würde, so einfach mal in zwei Tagen im Studio – aber erstmal muss das Album fertig sein. Und wir müssen mal wieder mehr live spielen.
Martin: Mal gucken, was mit dem Album passiert.
Oliver: Vielleicht finden wir ja auch ein Label.

Indielikat: Was ist mit Auftritten?

Martin: Bisher wurden wir immer nur gefragt, ob wir irgendwo spielen, wir mussten das nie selbst organisieren. Na ja, bei unserem ersten Konzert damals bei einem Kontest im Q-Kaff haben wir uns angemeldet.
Oliver: Den haben wir übrigens gewonnen – war echt stressig.

Indielikat: Wenn ihr für einen Tag eine andere Person sein könntet, welche wäre das und was würdet ihr tun?

Benni: (zögert)
Oliver: Das ist schwierig. Wer erlebt denn besonders viel?
Benni: Vielleicht einmal mehr ich selbst sein. Oder ein Pirat.
Martin: Einen Tag Marcel Proust.
Das ist aber eine ziemlich nerdige Antwort.
Oliver: Ja die sind eigentlich alle schon tot. Ich wäre gerne in der Vergangenheit eine literarische Person.
Martin: Oder man selbst als Kind.
Oliver: Nee, darauf hätte ich keinen Bock. Vielleicht jemand, den ich gerne verstehen würde.
Mir fällt aber niemand ein.
Martin: Jemand, in den man verliebt ist.
Oliver: Das ist doof.
Ich wäre gerne Natalie Portman, dann würde ich den ganzen Tag nur duschen.

Danke PLUS für die ausführlichen Antworten!!

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der schaue sich die Myspace-Seite an und ihre Website an.

Hier ist das Video zu In the Belly of a Whale

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Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen Part II

Hier ist nun endlich der zweite Teil unseres Interviews mit der Mainzer Band Plus, in dem es vor allem um die Musikszene hier und im Ausland geht. Viel Spaß beim Lesen.

Indielikat: Wie genau seid ihr denn in der Mainzer Musikszene drin? Sie ist ja schon auf dem aufsteigenden Ast.

Benni: Wir sind bei Knertz, das ist eine Art Musikerkollektiv aus Mainz und Darmstadt.
Martin: Wir sind die poppigsten unter den ganzen Bands dort. Aber wir helfen uns dort eigentlich gegenseitig, es ist also wirklich ein Kollektiv.
Olli: Viele Sachen kriegt man von außerhalb ja gar nicht mit. Manche kommen auch einfach nie aus ihrem Dunstkreis raus. Ich hab auch das Gefühl, dass es in Mainz nur Nu-Metal oder Alternative-Rock gibt, da ist kaum Innovatives.
Martin: Mit wem wir noch ein bisschen zu tun haben ist Truc, das ist ’ne Elektro-Gruppe. Aber die spielen viel außerhalb, letztens z.B. in Israel, und kaum noch hier.
So in der Art gibt es bestimmt viel, was man dann einfach nicht so kennt.

Indielikat: Seid ihr mit lokalen Bands befreundet bzw. unterstützt man sich gegenseitig?

Olli: Wir haben mit den typischen Kreisen, die es hier so gibt, gar nichts zu tun. Wir kennen diese typischen Bands aus der Gegend kaum.
Martin: Ich denke das hängt mit dem Musikgeschmack zusammen. Mit den Leuten von Knertz sind wir aber immer im Kontakt, obwohl wir gar nicht unbedingt den gleichen Musikstil machen.
Olli: Im Kollektiv gibt es viele interaktive Aktionen, wir machen gegenseitige Remixe oder es gibt Kollaborationen der einzelnen Musiker. Oft bilden sich dann auch neue Bands. Man tauscht sich eben einfach viel aus, schickt Songsequenzen rum und sowas.

Indielikat: Heutzutage gibt es so viele ähnliche Indiebands. Wie kann man aus der Masse herausstechen?

Martin: Das ist schwierig… Es gibt so viele Bands und eben auch viele schlechte, die es entweder nicht können oder die nicht spannend sind, weil man das alles schon 1000 Mal gehört hat.
Olli: Das ist natürlich auch alles sehr subjektiv. Aber viele der Indie-Bands aus Mainz sind sich sehr ähnlich, das ist so ein Zug, viel Gitarre und Elektro.
Martin: So Killers-artige Tanzmusik. Oder eben einfach nicht so gut gemacht.
Benni: Man nimmt es den Leuten einfach nicht so ab, das ist nicht authentisch, was die machen.
Martin: Wir wollen aber niemanden schlechtmachen…
Olli: Was war nochmal die Frage?

Indielikat: Wie man da heraussticht?

Olli: Achso, das Geheimrezept?
Okay, Auletta haben’s ja geschafft, auch wenn ich die nicht so mag. Ich glaube die Texte sind wichtig. So als guten Tipp würde ich sagen: Man sollte nicht überall drauf springen – aber ich hab keine Ahnung! (lacht)

Olli: Für mich ist das fast hauptberuflich, also ich investiere meine ganze Freizeit.
Martin: Olli ist ja auch der Songwriter, wir kommen dann eher ins Spiel, wenn es ums Live spielen geht. Also es sind immer so Phasen in denen man mal mehr und mal weniger Zeit in die Band steckt, normal aber nicht jeden Tag.
Olli: Bei mir schon.

Indielikat: Wollt ihr schon konsequent als Musiker arbeiten?

Olli: Ja, das ist schon das Ziel.
Im Februar ist jedenfalls wieder ein Konzert geplant.
Martin: Da gibt es jedenfalls dann ein neues Live-Konzept, wir haben ja neue Leute in der Band und auch neue Songs. Es geht jedenfalls bald in die Phase, wo der Alltag wieder mehr von der Band bestimmt sein wird.

Indielikat: Also wollt ihr das dann hauptberuflich machen?

Martin: Das kommt darauf an… Ich hab ja auch noch eine andere Band. Aber wir schauen einfach, wie’s kommt. Wenn wir das Album veröffentlichen…
Olli: Ich bin grade viel am abmischen, da leidet die Band auch gerade drunter, aber das soll sich bald wieder ändern.
Martin: Wir sind auch gerade in ’nem Änderungsprozess, wir haben, wie gesagt, neue Leute in der Band und auch ’nen neuen Proberaum.
Benni: Unser Ziel ist es nicht bekannt zu werden. (grinst)
Martin: Nicht nächstes Jahr berühmt zu werden.
Olli: Na ja, das wär schon cool.
Martin: Wenn man gut genug ist, ist’s cool.
Olli: Wir wollen uns jedenfalls nicht prostituieren.
Aber auch wenn es bei uns momentan nach Stillstand aussieht, passiert genug, ich bin viel am Songs schreiben und schon jeden Tag dran von 8:00 bis 10:00 Uhr…
Martin: …abends 10:00 Uhr (lacht)…
Olli: Es ist eine Liebschaft, kein Hobby.

Indielikat: Illegale Downloads belasten ja die Musikszene heutzutage schwer. Wie seht ihr da die zukünftige Entwicklung?

Martin: Man muss halt viele Konzerte spielen.  Alben rausbringen und damit dann auf Tour gehen, das bringt dann das Geld ein. Eigentlich gibt es viele Möglichkeiten.
Benni: Man könnte T-Shirts verkaufen und dazu gibts dann die Musik als Mp3s.
Martin: Es war aber schon immer schwer als Musiker Geld zu verdienen, wenn man nicht gerade so berühmt wie Madonna ist. Auch gute Bands hatten vielleicht noch Jobs nebenbei.
Olli: Früher konnte auch nicht einfach jeder aufnehmen, da brauchte man ein Studio mit viel Geld im Hintergrund.
Martin: Man könnte es schon fast als Chance bezeichnen, dass jeder überall an die Musik rankommt, dann kommen die Leute auch zu den Konzerten.
Olli: Natürlich wär das cool, wenn du einfach ein Album rausbringst und damit dann genug Geld verdienst, da hätte ich gar nichts dagegen, aber inzwischen sind die Alben ja nur noch der Grund um auf Tour zu gehen.
Die Labels haben sich ja auch umstrukturiert, arbeiten enger mit Verlägen zusammen usw.

Indielikat: Viele große Indiebands kommen aus England und ihr singt selbst englisch. Wollt ihr euch bewusst britischen Vorbildern annähern?

Olli: Ich sehe unseren Einfluss eher in Amerika, besonders sprachlich. Wir singen englisch, denn es ist eben die Musiksprache und die Musik, Bücher und Filme, die wir mögen, sind in Englisch.
Martin: Ich habe auch nie wirklich deutschsprachige Musik gehört. Im Zusammenhang mit Musik muss ich einfach in der Musiksprache denken, Deutsch wäre dann irgendwie entfremdet und ungewohnt.
Olli: Ich werde schon oft gefragt, warum wir auf Englisch singen. Ich fühle damit einfach wohler, das ist genauso wie bei Serien zum Beispiel, die ich mir dann lieber im Original anschaue.
Dadurch, dass es nicht meine Muttersprache ist, habe ich vielleicht auch einen anderen Zugang, es ist nicht immer grammatikalisch korrekt, aber ich finde man kann da viel mit spielen. Ich bin aber auch schon sehr drin in der Sprache.
Martin: Für mich ist in dem musikalischen Raum, in dem wir uns bewegen, Deutsch wie ein Fremdkörper.
Olli: Bei anderen Bands würde ich viel eher fragen, warum sie Englisch und nicht Deutsch singen aber nicht bei uns…
Wenn dann oft diese Standardbegriffe im Text auftauchen wie „soul“ oder „ocean“ oder „heart“ oder sowas, dann klingt das natürlich komisch.
Martin: Man sollte nicht zu naiv an die Sprache drangehen.
Olli: Mir fallen auch einige deutsche Worte oft gar nicht mehr ein. Ich habe mich auch mal für 3 Wochen zurückgezogen, alleine in einer Hütte abgeschottet von allen und als ich dann wieder zurückkam, hat es auch ein bisschen gedauert, wieder in die Sprache zu finden.
Martin: Ich finde dieses fremde Element reizvoll.
Olli: Englisch hat auch so einen besonderen Witz.
Martin: Es ist lakonisch und einfach. Deutsch dagegen wirkt meist umständlich.
Olli: Natürlich ist das nicht absolut, es gibt auch Sachen, die gut gemacht sind, wie Tocotronic.

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Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen (Teil I)

http://www.myspace.com Plus Fotos

Normalerweise denkt man, wenn man Bands interviewt, dass sie ziemlich wortkarg sind und man ihnen alles aus der Nase ziehen muss. Nicht so bei  Oliver, Martin und Benny von der Folk-Band PLUS aus Mainz. In netter Atmosphäre in einem Mainzer Café konnten wir sie über ihre Bandgründung, ihre bisherigen Auftritte und die Musikszene generell ausfragen. Da das Gespräch ziemlich ausführlich wurde, teilen wir unser interessantes Interview in drei Teile auf. Also, hier ist schon mal der erste Part des Gesprächs mit PLUS.

Indielikat: Wie ist es zur Gründung der Band gekommen?

Oliver: Also ich hab mit Benny bisschen Musik gemacht und viele Lieder geschrieben und aufgenommen. Es war eigentlich als Solo-Projekt geplant und Sinem, unsere Keyboarderin, und Benny haben nur live mitgespielt. Es hat sich dann durch die Live-Auftritte zu ner richtigen band entwickelt.

Indielikat: Warum habt ihr euch PLUS genannt? Hat das eine bestimmte Bedeutung?

Oliver: PLUS hat irgendwie etwas Gutes. Bandnamen, de etwas beschreiben finde ich doof. Plus ist einfach ein schönes Zeichen. Ja genau, offen gehalten würde ich sagen. Es hat keine besondere Bedeutung. The Ramones heißen ja auch Ramones, weil sie so heißen.

Indielikat: Eure Musik kann man ruhigerem Folk-Rock zuordnen. Ergibt sich so etwas einfach, welche Art Musik man spielt oder steht das eher von Anfang an fest?

Oliver: Ich hab was gegen das Wort „Rock“.

Martin: „Folk“ passt eigentlich ganz gut.

Oliver: War halt gerade in (lacht). Hat sich einfach so ergeben. Also nicht alles ist unbedingt Folk, live sind wir etwas rockiger, das stimmt schon. Unsere Musik hat auf jeden Fall einige folkige Elemente.

Martin: Wir haben so ne Singer/Songwriter Grundlage. Das Folkige hat am besten gepasst.

Indielikat: Unter dem Songtitel „In the Belly of a Whale“ kann man sich schwer etwas vorstellen. Von was handeln eure Lieder denn so im Allgemeinen?

Oliver: Was denkst du denn?

Indielikat: Hat irgendeine metaphorische Bedeutung?

Oliver: Ich müsste jetzt antworten wie Bob Dylan. Ist auf jeden Fall kein Bibel-Zitat oder so (lacht). Ich mags halt nicht so von wegen „Schreiben wir ein Lied über das und das Thema“.

Martin: Ja, die haben schon einen Sinn und Zusammenhang. Zum Beispiel bei „In a Belly of a Whale“ kann man ein gewisses Feeling damit verbinden.

Oliver: Man könnte sagen, dass es sozusagen ne spontane Prosa-Szene ist, schon so ein bisschen wie bei Dylan. Der Wortfluss kommt einfach so und dann irgendwann findet man schon einen Sinn- Selbst wenn man nur Chaos will.

Martin: Poetische Selbstdeutung des eigenen Ausflusses.

Oliver: Ja meistens kommen die Ideen eh wenn man nur 5 Minuten Zeit hat.

Martin: Nicht so wie bei Sufjan Stevens, wie der in einem Lied von einem Serienkiller erzählt.

Oliver: Die lokalen Bands singen viel über Banales. Das wollen wir nicht.

Martin: Man ist schnell in den Klischees drin.

Oliver: Ich hab letztens so ein YouTube-Video gefunden mit Aktionen, die verknüpft werden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. So will ich auch Wörter miteinander verknüpfen. Gerade bei den neueren Liedern. Da kann man sagen, dass die Wörter so ne Art metaphysische Kuppel bilden (lacht).

Indielikat: Was sind denn eure musikalische Vorbilder?

Oliver: Hör fast nur Dylan. Von dem gibts ja auch so viel. Dann halt auch noch The Smiths, The Cure, Beatles, Why.

Martin: Ich hör auch gern so Hip Hop Sachen. Da gibt es so einen verrückten amerikanischen Songwriter, der aus dem Hip Hop kommt. Seine Texte haben so einen Kunstanspruch und die sind schon ironisch und ziemlich surreal.

Benni: Ich muss mal überlegen. Momentan hör ich viel (schweigen). Ja so Arcade Fire, aber momentan eigentlich nicht. Mhmm, was würde ich jetzt zu Hause hören..Ja, dann sage ich Arcade Fire. Ich geh nämlich zu deren Konzert.

Martin: Ich hör viel Jazz oder Hip Hop. Auch Grizzly Bear.

Oliver: Viel altes Zeug. „Somewhere over the Rainbow“ hab ich letztens bei MTV gesehen. Fand ich voll lustig.

Indielikat: Eure EP „Is it or is is it not going to melt“ hat 2007 erstmals für Aufsehen gesorgt und ihr hattet schon viele Auftritte in Deutschland. Was ist das für ein Gefühl eure Musik vor Publikum zu spielen? Habt ihr mit Erfolg gerechnet?

Martin: Unser größtes Publikum hatten wir eigentlich im Schlachthof. Wir haben zum Beispiel auch in Hamburg auf dem ASta-Fest gespielt, aber das war ne blöde Zeit, wo noch nicht so viele Leute da waren. Wenn wir außerhalb spielen, sind nie so viele Leute da. Viele kennen halt den Namen nicht und wenn man ohne Label ist, das einen promotet, ist es halt schwierig. Auf Festivals ist es deshalb einfacher.

Indielikat: Ihr habt ja auch an dem Nachwuchswettbewerb von Big FM teilgenommen…(Oliver unterbricht)

Oliver: Also wir müssen erst einmal was richtig stellen. Wir haben uns da gar nicht beworben. Die haben uns einfach eingeladen, eigentlich voll unfair. Das war überhaupt nicht unsere Zielgruppe. Da waren lauter 15 jährige, die am Zaun standen und rumgeschrien haben.

Indielikat: Aber ihr seid doch unter die Top 4 gekommen?

Oliver: Echt?? Wir sind direkt danach gegangen (grinst).

Martin: Wir haben uns noch gut am Büffet bedient und sind dann abgehauen. Die Moderatoren waren auch irgendwie voll komisch- Und diese anderen Bands haben so einen Zirkus veranstaltet, das ist halt nicht unser Ding, so ne Show zu machen. Wir sind wir und keine Pokémons.

Oliver: Ich finds schlimm, dass man inzwischen immer so ne Show machen muss und sich bestimmte Moves ausdenken muss. Das ist voll krass, was das für Formen angenommen hat.

Indielikat: Also macht ihr keine Interaktion mit dem Publikum?

Oliver: Das ist glaub ich unser Problem, das schon viele bemängelt haben.

Martin: Wir sind halt keine Entertainer. Das ist ja auch eine Persönlichkeitsfrage.

Oliver: Wir sagen schon was, aber das ist nie geplant. Ich glaube, ich bin auch bekannt für meine etwas wirren Ansagen.

Martin: Von uns wird man nie so was hören wie „Kommt noch weiter vor!“

Oliver: Ich könnt mich da immer fremdschämen (lacht).

Martin: Spontane Witze sind auch einfach viel besser als typische Floskeln.

Oliver: Wir machen eben keine Unterhaltungsmusik, aber die Leute gehen trotzdem schon ab. Wir wollen so was nicht produzieren, was manche als Problem sehen, aber ich finde es in Ordnung. Es ist ja nicht unsympathisch.

Indielikat: Würdet ihr noch einmal bei so einem Wettbewerb oder generell bei einem Contest mitmachen?

Oliver: In der Form nicht.

Benni: Ich war damals sowieso dagegen.

Oliver: Ich hab mal spontan bei einem Singer/Songwriter-Contest mitgemacht und den sogar direkt gewonnen (lacht).

Martin: Ich finds cool mit anderen Bands, die man kennt und mag, mal was gemeinsames aufzuziehen. Das bringt dann mehr.

Benny: Ich finde, Wettbewerbe bringen gar nichts.

Martin: Man gewinnt dann nur so komische Preise wie einmal Winken in einer TV-Sendung oder ne Aufnahme in einem schlechten Studio.

Oliver: Das haben wir ja damals sogar gewonnen, das war lustig.

Martin: Ja, das war total unproduktiv.

Oliver: Ein Song davon ist bei uns auf MySpace.

In den nächsten Tagen geht es weiter mit Part 2, in dem es vor allem um die lokale Musikszene geht. Seid also gespannt!!!

http://www.myspace.com/andplus

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