Archiv der Kategorie: Live

TV Noir Konzerte #9 – Kashmir & Chapeau Claque live in Bochum

Reduziert auf ein Minimum an benötigten Bandenmitgliedern waren die dänische Band Kashmir und die vergleichsweise eher unbekanntere deutsche Gruppe Chapeau Claque gestern in der Zeche in Bochum zu Gast. Dem Konzept entsprechend spielten beide Bands im Wechsel und weitestgehend akustisch, wobei gerade Kashmir trotzdem auf den Einsatz des Synthesizers nicht verzichteten. Dass beide Bands bei ihrem TV Noir – Auftritt viel Wert auf das Keyboard legten, hatte die Veranstalter wohl dazu gebracht, Kashmir und Chapeau Claque zusammen zu bringen, ansonsten haben beide Bands nicht viel gemeinsam. Die deutsche Band mit französischem Namen um die Sängerin Maria Antonia Schmidt bringt verspielte Chanson-Melodien mit etwas verkopften, hauptsächlich deutschen Texten zusammen. Da muss man ein bisschen ein Faible für haben, um den Auftritt wirklich zu genießen, die meisten der anwesenden Zuschauer hatten dies scheinbar nicht. So konnten Kashmir weitaus mehr begeistern. Trotz der Reduzierung auf ein Duo, Kasper Eistrup und Henrik Lindstrand, und der eigentlichen Beschränkung auf Akustik wurde das vorhandene Klangmaterial sehr weit ausgenutzt, so dass der besonders weite Klang, der Kashmirs Songs so besonders macht, wunderschön aufgebaut wurde. Besonders überzeugend dazu Sänger Kaspers Stimme, die mal kraftvoll und mal fragil die unterschiedlichsten Tonhöhen abdeckte. So war – für beide Bands – die gegebene Atmosphäre, wie man sie von TV Noir kennt (das Publikum saß und lauschte andächtig), sehr passend. Trotzdem versuchten beide immer wieder, vom Publikum mehr Reaktionen hervorzurufen, wobei es Kasper Eistrup schließlich mit einigen humorvollen Kommentaren und einem „Can we just get rid of the tension and make some noise?!“ doch gelang, wenigstens ein bisschen Stimmung im Publikum zu entfachen.
Abschließend stellt sich natürlich auch die Frage, inwieweit besonders Kashmir zu diesem akustischen Konzept passen. Natürlich ist es ein interessantes Experiment und ihre, von verschiedenen Alben genommenen, Songs waren größtenteils einfach wunderschön, jedoch ist natürlich fraglich, ob ihr Auftritt mit dem starken Einsatz von Keyboard und Synthesizer noch als „akustisch“ gelten darf. Doch da durch einen Verzicht darauf zu viel von der besonderen Schwermütigkeit der Lieder verlorengehen würde, ist es natürlich nur zu begrüßen, dass niemand da allzu strenge Regeln aufstellt.

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Frittenbude, Bratze, FUCK ART, LET’S DANCE! und die neue Schlachterhalle

Ein Audiolithabend aller feinster Sorte gab es am letzten Mittwoch im Schlachthof in Wiesbaden. Für uns war es das erste Mal in der neugebauten Halle des „Schlachters“ – die Erleichterung war groß: Vom Stil her hat man nichts Neues oder Modernes versucht sondern sich an der alten Halle orientiert. Der Schnitt ist ein wenig anders und es gibt jetzt auch auch ein Kellergeschoss für Garderobe und Toiletten, aber ansonsten gibt es eigentlich nichts zu meckern (den grässlichen Orange-Pink Mix des äußeren Anstrich lassen wir jetzt mal außen vor). „Wo bleibt das Schlachthoffeeling“ stand auf dem Eingangsstempel und zunächst fragten wir uns das auch, als zu Beginn das Publikum noch recht überschaubar war. Spätestens aber als der Hauptact Frittenbude loslegte, war die Halle gut gefüllt (wenn auch nicht ausverkauft) und es ging richtig gut ab.

Den Anfang machten FUCK ART, LET’S DANCE! mit verspieltem Indiepop und an sich sehr tanzbaren Melodien, die durch Synthie-Beats verstärkt wurden. Leider war die Akustik ein wenig leise und die Fans sparten wohl die meiste Energie für später, deswegen war die Publikumsresonanz dürftiger als verdient. Doch ist das nicht immer das Schicksal von Vorbands? Wir sind jedenfalls mal gespannt auf eigene Auftritte des Trios…
Was danach kam hatte mit Frittenbude schon mehr musikalische Gemeinsamkeiten: Bratze sind schon seit längerer Zeit die kleineren Brüder auf dem selben Label und ihre fetten Beats brachten dann doch schon eine größere Menge zum Hüpfen. Am besten lassen sie sich vielleicht durch folgenden, so stattgefundenen Dialog beschreiben: „Verstehst du was die singen?“ – „Ne, aber die Beats sind geil!“ Beste Vorraussetzungen für Frittenbude also, deren Frontsänger Johannes Rögner sich schon beim letzten Bratze-Song warmgesungen hatte.

Eines vorweg: Es ist durchaus möglich, ein Fan von Frittenbude zu sein, ohne deren antideutsche Haltung zu unterstützen. Ein klares Bekenntnis gegen Nazis und ein „Nein“ zu deren Verbrechen ist immer zu unterstützen aber die Haltung ihrer Texte und die dazu gerufenen Parolen (der Fans) gehen weit darüber hinaus – für meinen Geschmack zu weit. Ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion eröffnen (weil das hier einfach der falsche Platz dafür ist), jedoch finde ich die Bezeechnung „Schurkenstaat“ für ein Land wie Deutschland dann doch ziemlich übertrieben. Vor allem da die meisten jugendlichen Fans wohl eher aus Mitläufertum mitgrölen statt sich tiefergehende Gedanken gemacht zu haben.
Doch Frittenbude sind natürlich mehr als nur antideutsche Parolen: was die deutschen Elektropunks auszeichnet sind nicht nur die oft sehr nachdenklichen, gesellschaftskritischen und manchmal auch melancholischen Texte sondern gleichzeitig auch das Partypotential. Denn die drei Bayern kennen sich mit Elektrobeats ziemlich gut aus, so dass man selbst zu den nachdenklicheren Nummern wie Innere Altmark (eines der Highlights auf dem neuen Album Delfinarium) mitwippen kann. Klassiker wie Hildegard und Mindestens in 1000 Jahren brachten die Masse dann regelrecht zum Ausrasten, ebenso wie die neuen Songs Heimatlos und Einfach nicht leicht, die jeden mindestens zum Hüpfen verführten. Insgesamt servierten Frittenbude einen gelungenen Querschnitt aus ihren drei Alben, der durch drei Coversongs bzw. eher Neuinterpratationen (Hildegard, Raveland und Raven gegen Deutschland) als Zugabe abgerundet wurde, sodass frühere Hits wie Bilder mit Katze und Pandabär gar nicht fehlten.
Abschließend lässt sich eigentlich nur noch sagen: „Es ist nicht das was zählt, doch das was alle wollen und… irgendwie lieb ich das!“

* Nur die eine Frage bleibt: wo kam eigentlich dieser permanente Weihnachtsgeruch nach Zimt und Mandarinen her??

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Reeperbahnfestival 2012 – Donnerstag

Von wegen die Festivalsaison ist vorbei! Pünktlich zum Ende des Sommers präsentierte das Reeperbahnfestival in Hamburg unzählige Musiker, Künstler, Performer, DJs und überhaupt Kreative aller Art.
Entlang der berühmten Partymeile werden jedes Jahr nicht nur die diversen Clubs wie Die Große Freiheit 36, das Molotow oder das Gruenspan, sondern auch die Straße selbst oder ausgefallene Orte wie ein Partybus zu den unterschiedlichsten Festivalbühnen.

Dabei war das Line-Up mal wieder ein großes Potpourri aus mehr oder weniger bekannten nationalen und internationalen Musikern, die sich die Zeit vor, nach oder auch zwischen ihren Auftritten gern mal mit kleinen Akustigigs auf dem Spielbudenplatz oder entlang der Reeperbahn vertrieben. Als eine dieser Bühnen fungierte die Stage East, die gleich am Donnerstag einige interessante Acts zu bieten hatte. Zunächst gab es dort den Italian Aperitif mit den drei italienischen Bands Moustache Prawn, Fabrizio Cammarata und Blue Willa, den ich allerdings mehr nur am Rand mitbekam, schließlich musste am ersten Tag erstmal alles ein bisschen erkundet werden. Ziemlich schnell ging zum Glück das Holen der Festivalbändchen, da donnerstags allgemein noch nicht so viel los war auf dem Spielbudenplatz. Ein Dank geht an dieser Stelle übrigens nochmal raus an alle, die für das Kunstplakat gevotet haben, da sich dort am Ende das Plakat mit meinem Motiv durchgesetzt hatte und ich so einen Gästelistenplatz für alle drei Tage erhielt.
Aber zurück zur Stage East: Als Einar Stray zusammen mit seiner Band im Wollpulli den kühlen Temperaturen trotzte und dabei träumerisch klingende Arrangements von Piano, Geige und Gitarre zum Besten gab, war es doch ziemlich voll geworden auf und neben den Sesseln auf der kleinen Holzbühne.
Diese Menge war eine Viertelstunde später allerdings wieder verschwunden und so spielte der deutsche Singer-Songwriter Nicolas Sturm vor deutlich weniger Publikum. Unterstützt von seinem Drummer, den er liebevoll als „Klingenensemble“ bezeichnete, gab es ehrliche Texte zu Gitarrenmusik, die sich mehr in die Tradition englischer Folkmusiker denn in die deutscher Liedermacher stellt.

Vom Zeitplan aber auch von der Kälte getrieben, führte uns der Weg nur ein paar Meter weiter in den Keller des Molotow. Capital Cities aus L.A. standen dort auf dem Programm und sorgten schon für einen gut gefüllten Konzertraum und wohl für den stimmmungsvollsten Auftritt den ich bei diesem Reeperbahnfestival genießen durfte.
Mit Hawaiihemden unter den Jackets kamen sie auf die Bühne und nahmen sie direkt für sich ein. Elektronische Popmusik, die durch das geniale Trompetenspiel von Spencer Ludwig verfeinert wurde, brachte nicht nur Ryan Merchant und Sebu Simonian, die beiden Köpfe der Band, zum Tanzen sondern auch das ganze Publikum. Besonders Good Shit und die Single Safe and Sound brachten die Menge zum Kochen, denn die sehr an die 80er erinnernde Popmusik mit Einflüssen aus Dubstep, Electronica und Reggae ging scheinbar jedem gut ins Ohr und in die Beine.


Danach war erstmal eine Verschnaufpause nötig, die wir uns aber im Molotow gönnten. Dort waren als nächstes I Got You On Tape an der Reihe. Die nach einem bunt zusammengefwürfelten Haufen aussehende Gruppe aus Kopenhagen spielte aber einen ziemlich organischen Mix aus melancholischem Indiepop, Shoegaze und Electro und sorgte für einen unheimlich starken Sound. Irgendwann schien sogar Sänger Jacob Bellens überrascht zu sein über die krasse Lautstärke, die seine Band da fabrizierte.

Das Publikum hatte sich inzwischen ziemlich geändert, als nächstes waren TOY dran, das Molotow war gepackt voll. Die Engländer ließen sich nicht lumpen und spielten ihre Songs quasi in einem Rutsch, nur manchmal wurden kurze Ansagen dazwischengenuschelt, die aber kein Mensch verstand. Auch nicht schlimm, die Musik überzeugte schließlich. Tom Dougall & Co., die mit ihren langen Haaren und dem Klamottenstil wie aus den 70ern entsprungen schienen, schrammten ihren Psychedelic-Krautrock in sphärische Wellen, die den ganzen Raum ergriffen – Bandmitglieder look-alikes in den ersten Reihen wiegten sich mit geschlossenen Augen zu den Klängen, der Rest wippte irgendwie mit, aber auch gefangen von der Intensität des Sounds. Der Höhepunkt war eindeutig die Single Left Myself Behind, die sich über sieben Minuten erstreckte.


Eigentlich hätte ich gerne noch 2:54 gesehen, aber nach 3 so intensiven Bands im doch relativ kleinen und sehr vollen Molotow-Club mussten wir erstmal an die frische Luft. Draußen wartete eine lange Schlange auf Einlass – hier hätten wir also nach einer Pause keine Chance mehr reinzukommen.
Dafür zog es uns dann eine kurze Zeit später nur ein paar Meter weiter in die Docks: Kakkmaddafakka waren angesagt.
Und sie boten die Show für die bekannt sind: Nach einem Mix aus bekannten Songs von ihrem Album und einigen neuen Songs (worunter einer sogar seine Live-Premiere an diesem Abend feierte) war die komplette Band oberkörperfrei und das Publikum nass geschwitzt vom Hüpfen und Tanzen. Absolute Attraktion war wie immer der „Kakkmaddachoir“, der nicht nur für den Hintergrundgesang sondern auch witzige Tanz- und Rapeinlagen sorgte und natürlich Keyboarder Jonas „Mr. Jones“ Nielsen, der wie verrückt das Keyboard beackerte und wie immer abgehoben in anderen Sphären zu schweben schien. Das Ganze war im Endeffekt die bekannte aber spaßige Kakkmaddafakka-Party, die man sich eben auch gerne immer wieder anschaut.

Ein besserer Festivalauftakt ist schwer vorstellbar – die Messlatte für die anderen beiden Tage war bereits ziemlich hochgelegt.

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I Heart Sharks Konzert im Arte-Stream

Gerade durch Zufall in der arte-Mediathek gefunden: der komplette Videomitschnitt des Berlin-Konzerts von I Heart Sharks.
Auch wenn das Konzert direkt live vor Ort sicher noch stärker war, lohnt es sich mal reinzuschauen, gerade wenn man einfach spontan mal ein bisschen Party im eigenen Zimmer machen möchte.

Hier klicken für das Video in der Arte-Mediathek.

 

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Satellite Stories im Ponyhof

Frankfurt, Sachsenhausen. Idyllische alte Häuser reihen sich aneinander, eine Kneipe nach der anderen. In der wohl namensgebenden „Klappergasse“ findet sich dann auch der Ponyhof, ein netter kleiner Club, der für gute Partys bekannt ist. Wieso ich bisher noch nicht da war, weiß ich selbst gar nicht.
Am Dienstag aber war es dann soweit, es war Zeit für die finnische Indieband Satellite Stories, auf dem vorletzten Konzert ihrer Deutschlandtour.
Zunächst wurde der noch spärlich bevölkerte Bühnenraum allerdings durch die deutsche Band Johann van der Smut angeheizt. Die drei Jungs, die auch kürzlich erst Kakkmaddafakka supportet hatten, machten mit ihrem Indiepop mit kaum verständlichen deutschen Texten viel Krach. Dabei waren sie aber sehr konzentriert bei der Sache und man kann schon sagen, dass es wohl eher Zeit wird für eine eigene Tour, bei der das Publikum mehr mitgeht. Aber sicher wird man von ihnen in Zukunft noch mehr hören.

Als es dann Zeit wurde für die Satellite Stories, hatte sich der kleine Bühnenraum schon um einiges mehr gefüllt. Mit der für die Tour namensgebenden neuen Single Anti Lover gings gleich sehr flott los und man konnte direkt den Eindruck gewinnen, dass die vier finnischen „Satelliten“ richtig Vollgas auf der Bühne geben. Der fröhliche Partyindie würde bei großen Publikumsmengen für großes Chaos oder eventuell sogar den einen oder anderen Moshpit sorgen, in Frankfurt ging es dagegen eher ruhiger aber aufgrund der netten Atmosphäre irgendwie familiär zu. Wer sich schon vorher mit der Band mal befasst hatte, konnte sich auch über einige neue Songs freuen, die schon vom kommenden Album zeugen. Im September soll es soweit sein, bis daher muss man noch mit der Promo-EP bestehend aus drei Songs vorlieb nehmen.

Dabei sind die schnellen und fröhlichen Songs wie gemacht für Live-Konzerte – besonders wenn gerade Sänger Esa alles gibt und wie verrückt auf die Rhythmusgitarre reinhaut. Wobei man auch Leadgitarrist Marko nicht vergessen sollte – seine schönen Melodien sind das Salz in der Satellite Stories – Suppe. Natürlich gaben auch Jyri am Bass und Olli-Pekka an den Drums alles, um die 110 Prozent aus jedem Song herauszuholen. Und gegen Ende hatten sie dann auch das erst (unverständlicherweise) zögerliche Publikum auf ihrer Seite – beim Abschlussknaller Kids Aren’t Safe In The Metro wurde dann auch lauthals mitgesungen.
Dass die Band zum ersten Mal auf so groß angelegter internationaler Tour war, war ihnen übrigens nicht anzumerken. Vielleicht nur der etwas schnelle Abgang ohne Zugabe aufgrund fehlender weiterer Songs zeugte noch davon, dass man da noch eine ziemlich junge Band vor sich hatte. Aber die nette Art, wie sie sich auf der Bühne präsentierten, so ganz freundlich und nah am Publikum, ließ einen auch das verzeihen und sich einfach über den schönen Konzertabend freuen.

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Friends im Zoom Club, Frankfurt

Körperkontakt erwünscht! Vor überschaubaren Publikum spielen Friends im kleinen Frankfurter Zoom Club (26.4.12) und scheuen sich nicht, mit den Gästen entspannt zu plaudern.

Vor allem Sängerin Samantha spring oft von der Bühne und tanzt lasziv mit einigen Zuschauern. Star-Allüren? Keine Spur. Die fünf Brooklyner sind derzeit die neueste Entdeckung im Indie-Kosmos und touren gerade duch paar deutsche Städte. Jung, sexy und cool präsentieren sich Friends auf der rot beleuchteten Bühne. „Hey guys, how you´re doing?“,nuschelt Samantha in typisch amerikanischem Slang ins Publikum. Neben ihr macht Bassistin und Keyboarderin Leslie die weibliche Front in der Band komplett. Die beiden Frauen messen gerade mal jeweils 1,55 m, scheinen aber die Hosen in der Gruppe anzuhaben. Percussionist Oliver trommelt Kaugummi kauend mit spaßiger Miene während Nikki und Matthew jeweils Gitarre und Synthesizer bedienen. Das Durchschnittsalter der Band ist schwer einzuschätzen. Von Anfang bis Ende Zwanzig ist alles möglich.

Kein Wunder, dass Friends gerade als der heiße Scheiß gelten. Ihr Post-Synthie Pop ist von funkigen Riffs der 70er und Old-School Beats der 80er beeinflusst. Typisch Brooklyn Sound könnte man meinen, aber Friends bieten mehr: Tropische Rhyhtmen, Disco-Pop und Samantha Urbanis starke Stimme vervollständigen ein eingängiges Sound-Mosaik, das zum absolut Tanzen verpflichtet.

Den Hipster-Kleidungsstil mögen sie trotzdem. Die Frauen glänzen gepirct im 80er Lock und die drei Männer sind elegant sportlich in Chucks und engen Hosen gekleidet. Neben den Hits Friend Crush und I´m His Girl spielt die Band fast alle Lieder aus dem Debüt Manifest!, das erst Anfang Juni hier erscheint. Die Leute tanzen überdurchschnittlich oft zu den Sounds und Friends ziehen trotz erheblicher Müdigkeit gut gelaunt ihre Show ab. „We ´re really tired because we just came from Berlin.“, haucht Samantha ins Mikro. Die anderen wechseln sich bei fast jedem Stück mit den Instrumenten ab, obwohl keiner wirklich professionell spielen gelernt hat. Vor allem ist ihr Spaß an der Sache deutlich zu spüren –  Für bestimmt groß rauskommende Newcomer ein Pluspunkt. Nach zwei kurzen Zugaben geht es dann zurück in den Backstage Bereich oder zum Plaudern mit Fans. Friends sind zwar noch relativ unbekannt, haben aber alle Eigenschaften, um größere Shows zu spielen. Live strahlen sie genauso viel Coolness aus wie ihre Songs. The next big thing? Definitely!

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French Films begeistern im Kulturpalast

Dass French Films einiges drauf haben, war schon nach Veröffentlichung ihrer EP Golden Sea klar. Inzwischen haben sie nicht nur mit ihrem Album Imaginary Future die Erwartungen erfüllt sondern auch bewiesen, dass die Songs live genauso abgehen.
Wiesbaden war die letzte Station einer ausgedehnten Tour, die die Finnen nicht nur durch Europa sondern auch nach Japan geführt hat. Der Kulturpalast war dann auch sehr gut gefüllt, als die fünf Jungs nach einem lauten und interessanten Vorprogramm des Noise-Pop Duos Young Hare die Bühne betraten.
Etwa eine Stunde lang gaben sie die Songs ihres Albums und auch der EP zum Besten und sorgten dafür, dass kaum einer mehr ruhig stehen blieb. Das lag vor allem an der sommerlichen Unbeschwertheit, die in jedem Lied steckte und auf das Publikum übergriff. Dazu kam die leichte Melancholie, die in den Texten und auch dem tiefen Gesang der drei sich abwechselnden Sänger mitschwang, und die Atmosphäre zu einer ganz besonderen machte. Clubkonzert at it’s best!
Wir waren ganz klar nicht die einzigen, die gerne noch etwas länger die Anwesenheit der netten finnischen Jungs genossen hätten, doch nachdem sie fast ihr gesamtes Songrepertoire durch hatten und nach enthusiastischen „Zugabe“-Rufen auch diese gegeben hatten, verabschiedeten sich French Films mit wiederholten Dankesbekundungen auf Deutsch und Englisch und hauptsächlich dafür, dass wir alle so gute Tänzer waren – nichts zu danken, für euch doch immer!

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Phono Pop Festival – Tag 2 mit Solander, The Black Atlantic und Abby

II: Samstag

Stand der Freitag quasi unter der Herrschaft der Electro-Acts war der Samstag dem Folkrock und auch dem Deutschrock vorbehalten.
Die ersten zwei Bands, Volto Royal und Octa Logue, verpassten wir leider, zumindest letztere sollen ziemlich gut gewesen sein.
Für uns ging es dann also erst mit Abby los, eine der besten deutschen Indiebands zur Zeit. Ihr Indiepop ist gespickt mit elektronischen und klassischen Elementen und zeichnet sich durch die musikalische Vielseitigkeit der Band aus (so kommen ein Cello oder Blockflöten zum Einsatz), bleibt dabei aber auch immer tanzbar. Besonders herausragend ist Welcome Home, bei dem Abby alle musikalischen Register ziehen und sich vollkommen austoben. Dabei wird die eigentliche Spielzeit des Songs mal gerne auf zehn Minuten verdoppelt (davon gibt es hier ein sehr tolles Beispielvideo). Besonders ihre Spielfreude und die vollkommene Begeisterung für Musik lassen die Mannheimer sehr sympathsich rüberkommen und an diesem frühen Abend einige neue Fans gewinnen.

Daraufhin ging es weiter mit einer weiteren deutschen Band: Herrenmagazin. Die Deutschrocker waren musikalisch keine Offenbarung und so gerne ich ihren Song Früher war ich meistens traurig höre, für einen wirklich tollen Liveauftritt passt es meiner Meinung nach nicht so gut. Man stand halt dabei und wippte mit, wohl gab es auch eingie Leute, die wirklich abgingen. Sänger Deniz wirkte mit seinen etwas holprigen Ansagen und seinem lauten Lachen aber sehr nett – mit diesem überspielte er dann auch einen etwas heiklen Moment:  Mitten während einer Ansage kam es auf einmal aus einer der ersten Reihen: „Amy Winehouse ist tot“. Zunächst wusste ja keiner wirklich, ob das jetzt wirklich stimmt und so rissen die Bandmitglieder erstmal ein paar Witze darüber.

Eigentlich hätte dann auf der Klangkantine David Lemaitre spielen sollen, da er aber wegen Krankheit nicht auftreten konnte, sprang kurzfristig Kenneth Minor ein. Ein Singer-Songwriter irgendwo aus dem Rheingau, der uns schon beim letzten Folklore-Festival leider nicht überzeugen konnte.

Die Hauptbühne wurde danach von einem regelrechten Zirkus bevölkert, genauer gesagt der World/Inferno Friendship Society. Das amerikanische Musiker-Kollektiv (angeblich haben sie ca. 30 Mitglieder,  auf der Bühne waren diesmal so etwa 10 Leute zu sehen) lässt sich auf keinen Musikstil festlegen und mischt alles munter zusammen, immer angeführt von Leadsänger Jack Terricloth. Ihre wirre Show wirre Show kam teilweise schon ganz lustig rüber, war musikalisch aber dann doch nicht so mein Fall.

Ganz im Gegensatz zur nachfolgenden Band auf der kleineren Bühne: Solander aus Schweden. Ganz still lauschte das Publikum den schönen ruhigen Folksongs des Trios und bedankte sich nach jedem Song mit begeistertem Applaus. Während die anderen beiden Bandmitglieder sehr zurückhaltend und schüchtern rüberkamen, brachte Sänger Fredrik Karlsson die Leutemit lustigen Ansagen zum Lachen. Passend warena uch die Seifenblasen die in den vorderen Reihen aufsteigen und allem eine fast märchhafte Atmosphäre gaben. Dazu habe ich auch ein sehr schönes Video gefunden, das während ihrem, aus meiner Sicht, besten Song Berlin gefilmt wurde.

Auf der Hauptbühne gaben dann die amerikanische Zwei-Mann-Band Two Gallants ihren einzigen diesjährigen Deutschlandauftritt, was für großen Andrang vor der Bühne sorgte. Sie zeigten dynamischen Rock, der seine Einflüsse irgendwo im amerikanischen Country und dem Blues sucht, besonders charakteristsch durch Adam Stephens kratzige Stimme. Das ist Musik zum Whiskeytrinken oder Rumgrölen – kein Wunder, dass besonders viele Männer begeistert waren…

Unser persönlicher Festivalabschluss waren dann The Black Atlantic (auf die später noch folgenden Headliner Kante hatten wir keine Lust).
Die Holländer spielen ebenfalls ruhigen Folk, allerdings mit einer ganzen Reihe an Instrumenten, die sie auch abwechelnd bedienten. Sänger Geert van der Velde wirkte während seiner Ansagen sehr schüchtern und manchmal irgendwie verloren – musikalisch wusste er aber zu überzeugen. Insgesamt hätten The Black Atlantic stimmungsmäßig sehr gut direkt nach Solander gepasst, wobei mir die Schweden musikalisch noch etwas besser gefallen haben.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass sich das Phono Pop Festival als ein wirklich schönes Ereignis präsentierte. Ein so kleines und nettes Festival, das trotzdem mit klangvollen Namen aufwarten kann, trifft man in der Art nicht oft.

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Noch ein Geheimtipp: Das Phono Pop Festival – Tag 1 mit Bodi Bill und Hundreds

Letztes Wochenende führte uns unser guter Musikgeschmack zu einem echten Geheimtipp und einem sehr extravaganten Festivalort: das Phono Pop Festival, das im alten Opelwerk in Rüsselsheim stattfindet.
Zwei Bühnen, die kleinere Klangkantine und die größere Hauptbühne, aufgebaut auf den asphaltierten Transportwegen zwischen den früheren Fabrikgebäuden. Diese wurden abends dann mit Scheinwerfern be- und von innen ausgeleuchtet, so dass sich eine einmalige Atmosphäre entwickelte.
Eine Berichterstattung in zwei Akten.

I: Freitag

Am frühen Abend, als es noch hell und die Bands noch unbekannter waren, war noch nicht viel los auf dem Festivalgelände, so dass wir uns erstmal in Ruhe umschauten. Auf der Hauptbühne eröffnete um 19 Uhr die Rüsselsheimer Band Sweets For My Zebra. Ein etwas uninspirierter Auftritt einer typisch jungen „wir sind die Coolsten und zeigen das jedem“-Rockband, wie es sie wie Sand am Meer gibt.
Bereits an dieser Stelle ein lobendes Wort zum Zeitplan: Man konnte, wenn man wollte, jeden Act sehen, die Auftritte auf beiden Bühnen waren nie gleichzeitig sondern immer im Wechsel angesetzt.
Touchy MobDaher ging es dann mit Touchy Mob auf der kleinen Bühne weiter. Was sich dem Namen nach nach einer großen Gruppe anhört ist in Wirklichkeit ein Ein-Mann-Projekt, Ludwig Plath aus Berlin mit einem viel perfekteren Topfschnitt als Angela Merkel ihn je hatte und dazu einen an den Weihnachtsmann erinnernden Vollbart. Etwas verwirrt wirkte er da auf der Bühne, als er einzelne Musikfragmente, mal folkig mit der Gitarre mal elektronisch zusammenstückelte und nach der Hälfte seines Auftritts erklärte, dass jetzt der Soundcheck abgeschlossen sei. Alles irgendwie sympathisch, musikalisch blieb leider nicht viel hängen.

Der nächste Auftritt war dann allerdingsWho Knew bereits ein Highlight: In die isländische Indie-Kapelle Who Knew hatte ich schon vorher Erwartungen gesetzt, die dann noch übertroffen wurden. Ihr Powerpop ist wie geschaffen für eine tolle Show, sechs Leute auf der Bühne können schließlich ordentlich krach machen – aber das dann eben auch immer in schönen Melodien. Dazu die hohen Stimmen, das klang schon irgendwie besonders. Sänger Armann hüpfte herum wie ein Hobbit mit ADHS und versuchte immer wieder sein „deutsches Vokabular“ zu präsentieren: „Magst du Urlaub? Ich auch. Ein bisschen.“
Who KnewEinen Headbang-Wettbewerb gab es dann auch und die Siegerin gewann den exklusiven Who Knew-Jutebeutel. Dass die Isländer bereits im Jahr vorher begeistert haben müssen, konnte man sich sehr gut vorstellen, und dass sie deshalb ihr erstes „Upgrade“ erhalten hatten und sie in diesem Jahr auf der Hauptbühne spielen durften, schien sie sehr stolz zu machen.
Aus irgendeinem Grund bekammen wir vom folgenden Auftritt der Future Islands kaum etwas mit, weshalb zu ihnen auch nichts sagen kann.
Entgegen normaler Festivaltraditionen war DER Headliner an diesem Abend nicht als letztes dran, die Veranstalter hatten sich zum Glück aus dramaturgischen Gründen dazu entschieden, Junip zeitlich vor den Elektrogruppen Hundreds und Bodi Bill auftreten zu lassen.Junip

Die Band um Sänger José Gonzales spielten ein wirklich schönes Liveset aus melancholisch-schönen Songs, die auf die Dauer zwar ein wenig monoton wirkten, andererseits auch irgendwie zum Träumen einluden.
Daher waren wir danach auch ein wenig müde, wurden vom folgenden Auftritt aber wieder aufgeweckt.
Hundreds, das Elektro-Geschwisterduo aus Hamburg, enterten die Klangkantine zusammen mit zwei zusätzlichen Drummern. Philip setzte sich ganz zurückhaltend an den LaptopHundreds und das Keyboard, während Eva, in einen schwarzen Umhang gehüllt, die Show gestaltete. Und diese ist dann auch ziemlich einrucksvoll durch Evas besondere Stimme, ihre Bewegungen zu den Lichteffekten, die Klaviermelodien und die Beats dazu. Einerseits partymäßig abgehend, andererseits aber auch melancholisch-betörend. Die perfekte Mischung also.
Als krönenden Abschluss des Abends gab es auf der Hauptbühne dann die Berliner Elektrocombo Bodi Bill. Passend diese Reihenfolge, ihre letzte Tour absolvierten Bodi Bill und Hundreds ja auch schon gemeinsam.
Die drei Jungs sind live jedenfalls ein ziemliches Phänomen: Sie präsentieren sich eigentlich nicht nur als einfache Band sondern sind eigentlich schon eher so etwas wie Performance-Künstler. Live funktioniert einfach jeder Song, auch wenn er auf Platte vielleicht unspektakulär klingt. Denn die Show gibt den Mehrwert. Videoprojektionen auf der Leinwand, wechselnde Instrumente und Standorte der drei Bandmitglieder und sehr abgefahrene Kostüme und Requisiten – das sind die Elemente, die eine Bodi Bill – Performance ausmachen.bodi bill
Stärkere Beats bringen das Publikum zum Tanzen, doch auch ruhige Songs wie Garden Dress, das sich hauptsächlich durch das schöne Geigenspiel auszeichnet, finden ihren Platz im Liveset. Gerade auch diese musikalische Vielseitigkeit macht Bodi Bill so besonders, man kann sie gar nicht auf reine Elektromusik festmachen, da musizieren sie auf dem Laptop, auf der schon erwähnten Geige, aber auch der E-Gitarre im fliegenden Wechsel oder gleichzeitig. Bleiben gleichzeitig bodenständig und publikumsnah, darüber hinaus dann auch geheimnisvoll, denn was es mit einigen der Videobotschaften auf der Leinwand oder den Kostümierungen auf sich hat, kann nur spekuliert werden. Ein großer Knochen oder ein Steinkostüm – wollen sich die Berliner als Geschichtslehrer geben? Oder wird dort vielleicht Stanley Kubricks Meisterwerk 2001: A Space Odyssey zitiert, auch wenn die Steinverkleidung aus Pappmaché optisch ziemlich wenig Gemeinsamkeiten mit dem glatten schwarzen Monolithen aus dem Film hat. Man weiß es nicht, doch es hat natürlich deshalb seinen besonderen Reiz. Zum Schluss gab es I Like Holden Caulfield, diesmal eindeutig eine Anlehnung an The Catcher in the Rye von J.D. Salinger, aber auch ein ziemlich guter Partysong. Und somit der gelungene Abschluss des ersten Festivalabends.

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Bombay Bicycle Club in der Batschkapp

Dass Bombay Bicycle Club eine fleißige Band sind, ist bekannt. Für ihr neuestes Album A Different Kind of Fix, das am 12. September erscheint, ging das Quartett auf Promo-Tour und landete in Frankfurt. Begleitet von den Indie-Rockern Flashguns (guter Geheimtipp), spielten BBC ihre größten Hits, unter anderem auch neue Tracks. Nur eines fehlte: Songs aus dem zweiten Album Flaws. Kein einziges Akkustik-Lied. Etwas schade.  Always Like This, Evening /Morning oder Cancel On Me vom Debüt fanden großen Anklang beim Publikum. Und immer wieder zu beobachten- das Dauerlächeln von Sänger Jack Steadman. Er wirkte so, als ob er während des gesamten Auftritts in sich hineinlächeln würde. Sympathisch, sympathisch allemal. Das junge Alter der Band war bei der Professionalität fast vergessen.

                                                                                                                Der Sänger von Flashguns

Neue Song wie Shuffle oder How Can You Swallow So Much Sleep animierten zum Tanzen. BBC haben wieder alte Pfade eingeschlagen. Schneller tanzbarer Indie-Rock mit Gute-Laune-Faktor. Somit scheint der Ausflug ins Folk-Genre mit Flaws (2010)  einmalig gewesen zu sein – Was die Playlist auch beweist. Live ist die Band jedenfalls absolut sehenswert. Konzentriert, aber nicht abgehoben. Bei Always Like This gröhlt die Menge mit – und Jack Steadman grinst in sich hinein.

Live bei Glastonbury mit Shuffle:

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