Archiv der Kategorie: Platten unter der Lupe

Zurück zu den Wurzeln oder Home, Sweet Home

Zwei Jahre ist es her, dass Only By The Night von Kings of Leon einschlug wie eine Bombe. Unzählige Preise, unter anderem der verdiente Grammy für Use Somebody, haben die Band aus Nashville ganz nach oben katapultiert. Der Knackpunkt ist nun, den Erfolg mit dem fünften Album Come Around Sundown fortzuführen. KOL führen den rauhen Rocksound vom Vorgängeralbum fort, konzentrieren sich aber mit den Texten auf ihre Heimat. Die erste Single Radioactive mit den Zeilen It´s in the water where you came from macht allein deutlich, dass sich die Jungs wieder auf ihren Südstaaten-Sound besinnen. Radioactive ist natürlich die perfekte Auskopplung, die locker mit Sex On Fire von der Massentauglichkeit mithalten kann. Zwar ist das Video absolut (siehe Update) geschmacklos, aber der Song ist stark genug, um in die Charts nach oben zu kommen.

Auf Only by The Night haben sich die Jungs mit provokanten Texten und zum Stadion-Rock neigendem Sound ausgetobt, jetzt heißt es ernstere Töne anschlagen und im alten Country-Style bombastische Gitarrensounds reinhauen. The End ist komischerweise der erste Track des Albums und zugleich schon der beste. Caleb Followill, der beste Sänger im Rock-Business meiner Meinung nach, singt mit seiner markanten Stimme etwas von Heimatlosigkeit. This could be the end..`cause I ain´t got a home. Es wird auf den nächsten Liedern eindeutig, dass das Wort home eine sehr wichtige Rolle in den Songs einnimmt. KOL suchen wohl einen festen Platz im Leben nach all den Party-Exzessen mit ihrem vorherigen Über-Album. Trotzdem wirken die Beats noch mal dicker aufgetragen als sonst. Pyro wirkt ein wenig melancholisch, steht aber den Drum-Beats von OBTN in nichts nach

Ich bin kein Fan von Liedern, die den Titel Mary tragen. Irgendwie haben die mir nie gefallen. Das Mary von KOL gehört auch zu den schwächeren Tracks auf dem Album, fetzt aber ein fettes Blues-Gitarren-Solo raus. Da kommt wohl der alte Whisky trinkende Südstaaten-Junge in den Followill-Brüdern/Cousins zum Vorschein. Back Down South mit seinen Violinen-Klängen ist der Parade-Track von Come Around Sundown, der im alten Country-Stil von der Heimat erzählt. Die Söhne eines Wanderpredigers wollen mit ihrem neusten Album ganz klar zu alten Country-Blues-Traditionen zurückkehren. The Immortals ist eins der Highlights der Platte mit den sehr nachdenklichen Zeilen find out what you are, face to face, once you´ve had enough carry on, don´t forget to love ´fore you´re gone. Dazu Caleb Followills zähe Stimme und ein Kings-of-Leon-Klassiker ist geradezu geboren.

Der zweite Teil des Albums ist zwar noch Blues-lastiger, aber die großen Singles bleiben leider aus. Beach Side und Pony Up klingen schon fast etwas poppig und stehen im Gegensatz zum düsteren Klang von Only By The Night. Mi Amigo und Pick Up Truck lassen dann das Album mit langsamen Tönen ausklingen und erzählen von früheren Raufereien im kleinen Kaff. Die Platte fängt stark und abwechslungsreich an, gleitet aber leider etwas in den Standardmodus ab. Insgesamt aber ist Come Around Sundown ein guter Nachfolger, wenn es auch den Mega-Erfolg von 2008 nicht toppen kann.

Die Kritiker sind gespalten über das neueste Album der Kings of Leon. Manche sagen, es wäre ein zu aufgeblasenes Rock-Album, das absolut nicht an OBTN rankommt, andere sind begeistert, da es den Stil der älteren Alben vor 2008 wieder aufgreift.                            Festzuhalten ist, wer das letzte Album mochte, der wird auch am neuesten nichts auszusetzen haben. Die Band ist nun etwas gefestigt und vielleicht geht das nächste Album schon wieder in eine ganze andere Richtung. Die Nashviller sind wohl immer noch für eine Überraschung gut.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

The Drums – selftitled album

Freiheit ist das erste Wort, das mir in den Kopf kommt, wenn ich an die Musik der Drums denke. Sehnsucht ist das darauf folgende. Dabei ist diese Sehnsucht nicht unbedingt eine greifbare sondern viel mehr eine Art Grundthema, das sich durch alle Lieder zieht. Das ausschlaggebende, sich beim Hören einstellende Gefühl.
Hört man sich das selbstbetitelte Album der Kritiker-Hype-Band díeses Jahres an, so fühlt man sich irgendwo in das Amerika der 50er, 60er Jahre versetzt, in das unbekümmerte Leben der damaligen Teenager mit deren Interessen und Problemen: Liebe, Freundschaft, Spaß.
Genau darum drehen sich auch die Texte. Diese sind oft ziemlich einfach aber dafür sehr aussagekräftig (You’re my best friend, but then you died and how will I survive, survive?).
Kennzeichnend sind außerdem viele Wiederholungen (besonders der Refrains), die die Lieder besonders einfach und eingängig machen ebenso wie die häufigen, in den unterschiedlichsten Versionen auftauchenden, „ah“-Passagen. Musikalisch fallen besonders die Gitarrensoli auf, die die Grundmelodie und den durchgehenden Grundrythmus unterbrechen und ein bisschen Diversität in die Lieder bringen. Jonathan Pierces hoher, leicht klagender Gesang, der oft verhallt klingt, passt perfekt zu den melodiösen Gitarren und den Texten. Gerade dieser macht diese Sehnsucht spürbar, dieses Gefühl der Fröhlichkeit mit dem Hauch von Melancholie. Denn vor allem sind die Songs der Drums Hymnen an die Jugend unter dem Bewusstsein, dass diese früher als erwartet zu Ende sein kann und wird.

Insgesamt kann man sagen, sind The Drums ein Phänomen: Ihre Musik ist einerseits tanzbar, andererseits träumerisch und sie klingt wie von früher aber gleichzeitig auch wie noch nie dagewesen. Und das macht sie so einzigartig – der Hype ist also schon verständlich.

the drumsThe Drums – The Drums
Best Friend
Me And The Moon
Let’s Go Surfing
Book Of Stories
Skippin‘ Town
Forever And Ever Amen
Down By The Water
It Will All End In Tears
We Tried
I Need Fun In My Life
I’ll Never Drop My Sword
The Future

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

Interpol – Auf der Suche nach sich selbst

Eine Ära geht zu Ende. Carlos Dengler verließ nach der Fertigstellung des vierten Albums diesen Jahres Interpol und ließ seine drei Bandmitglieder allein zurück. In einem Interview meinten sie, dass Dengler sich anderen Dingen widmen wolle und das Bassspielen mehr zu einer Pflicht geworden sei, als ein Vergnügen. Die Band sei zwar sehr traurig darüber, habe aber keine Angst, ohne Dengler den Boden zu verlieren. „Wir sind alle sehr fähige Musiker.“, so Schlagzeuger Sam Fogarino. Das beweisen sie auch auf ihrem aktuellen Album mit dem schlichten Titel „Interpol“, das seit 3. September hier erhältlich ist. Die New Yorker wenden sich vom poetischen Sound von „Our Love To Admire“ hin zum Melancholie-Orchester  in allesamt dunkler Atmosphäre. Und das macht die vierte Platte zur düstersten, aber auch zur verzerrtesten des ehemaligen Quartetts.  Schon während der Aufnahmen war klar, dass dies die letzte Arbeit zu viert sein sollte, doch halbherzig ging keiner an die Platte ran. „Für keines unserer Alben zuvor hatten wir uns schon im Vorfeld so viele Gedanken gemacht,  und es war vor allem der Wunsch von Carlos, eine Menge Arbeit in die Konzeption zu investieren.“, so Drummer Fogarino im Interview mit der Zeitschrift „Visions“.

Viele Musikkritiker bezeichnen „Interpol“ gerade aufgrund des Fehlens der üblichen Gitarren-Präsenz und eingängigen Melodien als bisher bestes Album der Band. Belassen wir es zunächst dabei, dass es das unkommerziellste ist, auf dem sich nicht hitverdächtige Songs aneinander reihen. „Lights“ ist die erste Auskopplung und alles andere als die typische Single. Zäh und sperrig zieht sich der Track fünfeinhalb Minuten durch ein Gitarrengerummel und Paul Banks echoartiger Stimme. „Thats´s why I hold you dear“ in der gefühlten Endlosschleife. Das Video dazu schließt sich zwar dem düsteren Sound an, aber der Sinn von zwei schwarz gekleideten Asiatinnen, die einer anderen eine milchige Flüssigkeit verpassen, die sie gegen Ende wieder ausleert, mag mir irgendwie nicht einleuchten. Vielleicht fehlt mir auch das richtige Ästehtikgefühl dafür; die Kommentare unter dem YouTube-Video helfen mir dabei auch nicht weiter. Jedenfalls ist Lights stellvertretend für den Gesamtklang des Albums. Düster, verzerrt, verstört und zutiefst leidig. Der Sänger Banks betont im Interview mit „Visions“ , dass sich die chauvinistischen Texte von „Our Love To Admire“ nicht noch mal wiederholen sollen ( chauvinistisch? Dafür habe ich nicht genug auf die Lyrics geachtet, um das beurteilen zu können ). Deswegen geht er auf „Interpol“ aufs Ganze. Es geht um das Leiden des Mannes, der vergeblich versucht, seine Herzdame zurückzugewinnen, als es jedoch schon zu spät ist. “ Tell me you´re mine. Baby tell me you´re mine to break the ice. Does he make you smile? Does he fully embrace the way? (…) I know you will make it up. Make it up for me.“ , heißt es in All Of The Ways, ein trauriger Synthie- Fluss, in dem Banks sich in das Tief seiner Seele hineinschauen zu lassen scheint.

Das vierte Werk grenzt sich deutlich von den drei Vorgängern ab. Es sind weder dominante Gitarren-Riffs vorhanden, außer bei Barricade, noch haben Songs die provokante Energie eines Slow Hands oder The Heinrich Maneuver. Drückt man es sehr negativ aus, hat die Platte fast schon was von depressivem Rumgejammere. Doch so weit geht es dann zum Glück noch nicht. Das vielfach diskutierte Always Malaise ist wohl der Höhepunkt der Andersartigkeit. Das Piano klimpert tiefbeseelt in seine Tasten und die Gitarre tritt vollkommen in den Hintergrund. Erst in der letzten Minute des Liedes setzen Drums und Gitarre ein, führen diese verstörende Depri-Stimmung weiter und enden einfach abrupt. „Always, you need me lover. For all ways, release me lover.“ Ein purer (T)Akt der Verzweiflung.

Summer Well ist noch einer der paar Tracks, die nicht so extrem schwermütig und wehleidig klingen, wahrscheinlich wegen des etwas schnelleren Rhythmus. Die Texte bleiben jedoch. Banks, der 2009 sein erstes Solo-Album unter dem Namen Julian Plenti veröffentlicht hatte, meint dazu: „Jeder Mann ist beides: großer Held und gnadenloser Verlierer. Mich für dieses Album meiner orientierungslosen Seite zu widmen, machte mir Spaß.“ Orientierungslosigkeit ist wohl das richtige Stichwort, dass einige Kritiker verwenden, um den Schwachpunkt des Albums zu erklären. Banks verheddert sich an manchen Stellen in seiner schwarzgetränkten Tiefgründigkeit und lässt keinen Platz für geradliniges Tempo. Die Energie fehlt einfach. Memory Serves klingt wie schlaffes Kaugummi, das langgezogen wird und verliert sich in seinem beklagenden Stimmenchor.

Das großartige Barricade ist das mit Abstand herausragendste Lied auf der ganzen Platte. Endlich mal wieder der alte Interpol-Sound, gitarrenlastig, schnelles Tempo, Post-Punk Revival in bestem Maßen. Es erinnert noch am meisten an die Vorgänger-Alben und mag auch nicht wirklich auf „Interpol“ passen- Das beste Lied, aber zugleich das kommerziellste. The Undoing ist das letzte Stück. Der Bass spielt schon keine Rolle mehr und Banks rutscht zum Teil ins Spanische ab. Ein ausklingendes Lied, das noch einmal voll und ganz die schwulstige Düster-Stimmung des Albums zusammenfasst. Aber so sind Interpol nun mal. Der zynische Sound ist geblieben, eben nur noch verstärkt.

Vielleicht sind sie mehr Interpol als je zuvor, was den gleichnamigen Albumtitel erklären könnte, aber es ist vermutlich eher eine Art Identitätssuche, vor allem provoziert  mit dem Ausstieg von Bassist Dengler. Das orientierungslose Gedudel bei manchen Songs würde wohl dazu passen. Die Platte ist natürlich nicht schlecht, die beste ist sie aber definitiv nicht. Dazu sind die meisten Tracks nicht eingängig und stark genug. Es ist das experimentellste und gleichzeitig tiefgründigste Album der Band, manchmal aber eben etwas zu tiefgründig. Bleibt abzuwarten, inwiefern sich der Klang Interpols noch verändern wird mit neuem Bassisten und festem Keyboarder in der Band. Eins steht fest: Fröhliche Gute-Laune-Musik wird es jedenfalls nicht werden.

https://indielikat.wordpress.com/2010/09/10/die-10-besten-interpol-songs/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

Ein Science-Fiction-Chaos from Outta Space

Vor 3 Jahren haben sie einen wahren Hype ausgelöst und nebenbei ein neues Genre mit ihrer Musik geschaffen. Ihrem Science-Fiction-Electronic-Dance-Punk  wurde der Name „New Rave“ verpasst, eine Mischung aus Punkrock, Elektro und Disco. Klaxons sind die Vorreiter dieser speziellen Musikrichtung und schwebten mit ihrem Debütalbum „Myths Of The Near Future“  2007 auf der Erfolgswelle. Der Nachfolger sollte idealerweise daran anknüpfen. Drei Jahre haben die vier Engländer gebraucht, um „Surfing the Void“ fertigzustellen. Sicher ist, dass die Band ihrem exzeptionellen Stil treu geblieben sind, ihn sogar noch ausgefeilt haben. Vergleicht man die erste Platte mit der neuen, fällt auf, dass das Quartett mit mehr Gitarren arbeitet als bei ihrem Debüt. Bei „Flashover“ verpassen die Instrumente dem Lied seine düstere Dröhnung und machen es zum typischen Klaxons-Lied: Ravig, rockig und chaotisch. Viele Kritiker meinen, dass“Surfing the Void“  poppiger sei, doch das Gegenteil ist der Fall. „Myths Of The Near Future“ klingt sehr viel harmonischer und ausgeglichener, höre man sich nur „Golden Skans“ oder „As Above, So Below“ an. Das neue Album trifft eher einen sehr düsteren, wilden und rockigen Ton, was es viel mehr zu einem Rave-Album macht als das erste. Der Titeltrack erzählt verstörend von einer intergalaktischen Reise durch das Nichts. Hysterische Vocals paaren sich mit einem Synthie-Gitarren-Chaos. Diese Mischung ist bezeichnend für das ganze Album, das wie ein kompletter  Drogentrip wirkt, bei dem man sich in ein Ufo setzt und die Galaxis erforscht. Klaxons wären eben nicht Klaxons, wenn man ihre Lyrics verstehen würde. Zeilen wie „Echoes from the otherworld turn horizons into endless ever present“  oder „Celestial catastrophe, orbiting machines, entropy evaporates absorbing the obscene“ sind poetischer Standard. Die Lead-Single „Echoes“ mit seiner Piano-Melodie erscheint da noch am gemäßigten und hätte auch auf das erste Album gepasst. „Valley Of The Calm Trees“, bei dem der Synthesizer dominiert, und „Twin Flames“ sind etwas ruhiger, aber eben nur etwas. Die abgedrehten Lyrics bleiben erhalten und James Righton sowie Jamie Reynolds singen im pathetischen Duett wie beispielsweise bei „Same Space“. Am Anfang wirkt der Track abgehackt, endet aber in einem schnellen Drumbeat. Hier geht es um pure Rebellion gegen Geradlinigkeit und Harmonie.Verschroben, abgedreht, zugedröhnt und mit dem Hang zu Science-Fiction-Texten – so lassen sich alle Songs der Klaxons beschreiben. Die Band sieht sich selber als Pop-Band; Madonna oder Lady-Gaga ist das aber definitiv nicht, von der Massentauglichkeit ganz zu schweigen. Auf „Surfing the Void“ finden sich somit wahrscheinlich keine großen Hits wie auf der ersten Platte, zugleich verständlich bei dem Rave-Chaos. Wenn Klaxons als Vertreter des New Rave gelten, dann sind sie wohl mehr Klaxons als je zuvor. Das neue Werk ist dichter und komplexer, die Gitarren hauen einem den spacigen Sound um die Ohren und der Synthesizer sorgt für ein Flammenwerk von Elektro-Beats. Dazu kommt der düster-hysterische Gesang – Die Musikdröhnung ist perfekt. Klaxons haben ein noch mehr ineinander verwobenes Dance-Punk-Werk erschaffen ohne den roten Faden ihres typischen Sounds zu verlieren. „Surfing the Void“ ist eine Reise in eine andere Welt, mystisch, aber auch irgendwie ein bisschen unheimlich.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

Surfing under the Californian Sun in the Sixties

Dieses Bild kann man wohl am ehesten mit der Musik von Best Coast assoziieren. Unbeschwert ist hier das richtige Wort, um die Sounds der Band aus Kalifornien zu beschreiben. Das Musiktrio um Bethany Cosentino, Bobb Bruno und Ali Koehler mischen sonnigen Pop unter ihren Garagen-Beat und sorgen für ultimative Sommerlaune. Ihr Debütalbum „Crazy For You“ ist seit Ende Juli auf dem Markt und erinnert stark an Beach Boys & Co, nur etwas gitarrenlastiger. 12 Songs, die meistens nur um die 2 Minuten dauern, lassen den Schwermut für eine halbe Stunde im Regen stehen und machen Lust auf Palmen und Strand.

Das Cover ist schon das erste, was auffällt. Es ziehrt die Katze von Sängerin Bethany mit dem süßen Namen Snickers vor einem Hintergrund aus Meer, Palmen und Strand.  Dazu der passende Bandname Best Coast. Das ist California Dreaming pur! Die niedlichen Surf-Pop-Songs stellen das Leben locker und einfach dar und trotz der etwas naiven Texte („Ever since I was a little girl, my mama always told me there´d be boys like you.“) kann man nicht anderes, als ihre herrlich leichte Musik zu mögen. Der Track „When I´m With You“, der komischerweise nicht auf dem Album ist, bringt die hedonistisch angehauchte Lebenslust in den Liedern am besten zur Geltung. „The world is lazy but you and me, we´re just crazy. So when I´m with you I have fun.“ Simpel und euphorisch, genau richtig für ein Sommerpop-Album. Die erste Single „Boyfriend“ handelt wie natürlich alle Lieder von Liebe und Herzschmerz, unterlegt mit Garagenrock-Beats. Überhaupt fällt die röhrende Qualität der Musik auf, die mit der eher im Hintergrund wirkenden Stimme der Sängerin eine LP aus den Sechzigern sein könnte- „Surfin´USA“ lässt grüßen. Der Track „Summer Mood“ ist zu hundert Prozent Sonnenschein. Mit Lyrics wie „There´s something about the summer that makes me moody“ scheinen, jetzt mal kitschig ausgedrückt, schon allein die Sonnenstrahlen in unseren Herzen.

Best Coast hat wohl das sommerlastigste Album 2010 geschaffen, sogar noch vor den Drums. Man nehme einfach gehaltene Texte, die von viel Liebe, Weed und Sonnenschein handeln, kombiniere sie mit poppigen Gitarrensounds und lässt die Songs von einer Stimme vertonen, die genau zwischen Zoey Deschanel und Alison Mosshart liegt. Et Voillá- Sonniger Indie-rock vom Feinsten. So oder so ähnlich. Die Tage des Sommers sind zwar gezählt, aber mit Best Coast geht er für die Ohren noch lange weiter. Das heißt dann wohl: Let the sun shine in!!

http://bestycoasty.blogspot.com/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

Diese Locken rocken!!!

Das Erste was man wahrscheinlich bei Darwin Deez bemerkt ist seine spezielle Frisur. Ein Vogelnest mit Stirnband zusammengehalten. Oder wie man es sonst nennen mag. Okay, und der Schnurrbart machts auch nicht besser, im Gegenteil, aber sein Style ist ja  nicht Thema dieses Artikels, sondern seine Musik. Und die ist wirklich hip. Darwin Deez wird auf manchen Seiten wie Wikipedia  als Gruppe um Frontman Darwin Deez bezeichnet, in Musikmagazinen aber als Solokünstler. Offiziell sieht sich Darwin als Einzelperson mit sieben Anhängsel. Fakt ist jedenfalls, dass er originellen Indie-Pop macht, der sofort gute Laune versprüht.

Im April 2010 erschien das gleichnamige Debütalbum, das von den Kritikern gelobt wurde. Die Platte erinnert zum Teil ein bisschen an den Beat-Pop der Sechziger Jahre in England und ist somit durchaus tanzbar. Darwin schreibt selbst auf seiner My Space-Seite: „Hi, I´m Darwin Deez and I love to dance.“ Dass er gerne Choreographien tanzt, hat er schon in seinem You-Tube Video „The Spring-Dance“ bewiesen, was aber leider nicht mehr verfügbar ist. Dafür ist Part 2 noch vorhanden( unten gepostet ). Der New Yorker versteht es, einfach gehaltene Texte mit den passenden Sounds so zu mixen, dass poppiger Indie-Folk entsteht. Es geht um Beziehungen, Schadenfreude, aber auch die Leichtigkeit des Lebens. Die erste Auskopplung „Constellations“ handelt spielerisch von zwei Personen, die wie glitzernde Sterne miteinander verbunden sind. „Or is a constellation just a constellation?“ Unglücklich geht es weiter mit „Deep Sea Divers“, ein trauriges Lied über eine Beziehung, die nicht mehr funktioniert. Die tiefen Gitarren-Akkorde untermalen die Hauptaussage: „You´re bringing me down“. Tja. Shit happens.“The City“ ist ziemlich abgehackt, dafür bringt „DNA“ den richtigen Indie-Groove auf. „The Suicide Song“ ist ein persönlicher Favourite, weil er Funk-Pop pur ist. Die Drums spielen genau nach meinem Geschmack. Erinnert vom Beat her ein bisschen an „Meet Me In The Bathroom“ von den Strokes. Ähnlich ist auch die dritte Single „Up In The Clouds“, das von der Sehnsucht nach der Ex handelt. Darwin Deez meinte, dass es dieses Mädchen gab, das er betrogen und sie sich daraufhin von ihm getrennt hat.  Na ja, wenigstens ist daraus ein guter Song geworden. Vom unspektakulären „Bed Space“ zum ganz netten „The Bomb Song“. „The sky is green. It´s been that way since they dropped the bomb. The clouds are brown, the city´s a ghost town…say you love me now“. Unterm Strich- Ein poetischer Lovesong. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. „Radar Detector“ und „Bad Day“ überzeugen durch und durch mit ihren coolen Lyrcis und Beats. „Radar Detector“ ist die zweite Single vom Album und wurde in ein lustiges Video umgesetzt, das ihr euch unten anschauen könnt. Der Song macht super Sommerlaune (was für ne Alliteration:))und ist aus den Indie-Charts nicht mehr wegzudenken. Das letzte Lied „Bad Day“ war das erste, was ich mir von Darwin Deez angehört habe. Der Sänger muss wohl beim Komponiern an jemanden gedacht haben, den er wirklich nicht leiden kann. Anders lassen sich die bösen Lyrics nicht erklären. Jeder, der aber schon mal irgendwie verletzt wurde, wird den Text irgendwann auswendig mitsingen. Garantiert!

Darwin Deez ist eine neue Indie-Pop Entdeckung des Jahres 2010 und wird sich definitiv bald fest in der Indie-Szene etabliert haben. Ich höre die CD jedenfalls schon rauf und runter.

Fazit: Trotz bedenklicher Frizze, ein talentierter und sympathischer Musiker. Aussehen ist eben nicht alles…..

Myspace-Seite

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

Traumreise mit den Fohlen

Das Meer rauscht gleichmäßig auf die Felsen zu, der Wind säuselt um die Nase, die Luft ist rein und klar. Du schwebst in einer Traumwelt, das tiefe Blau umgibt dich. Du hast das Gefühl, dass sogar das Blut in dir blau ist.  Du blickst in den Himmel und siehst einen riesengroßen Vogelschwarm, der über dir streicht. Es ist trotzdem still. Du stehst auf und kommst zu einem langen Sandstrand aus schwarzem Gold  mit Blumensträuchern und Palmen. Du glaubst, du bist in Miami. Von irgendwo hörst du ein galoppartiges Geräusch, weißt aber nicht woher. Du legst dich in den warmen Sand und streckst die Arme aus. Er ist sehr weich und du schließt die Augen. Es erklingt eine Gitarrenmelodie. Du wachst auf.

Die Platte „Total Life Forever“  ist zu Ende und du bist wieder in der Realität. Das neue Album der Foals, zu deutsch „Fohlen“, das im Mai 2010 erschienen ist, lädt zum Träumen ein. Die Sounds sind wesentlich entspannter und melodischer als die des Vorgängers „Antidotes“ aus dem Jahr 2008.  Schaut man sich nur das Video zur zweiten Single „This Orient“ an, so wird der Stilwechsel des Foals-Sounds deutlich. Die Band spielt in Mitten einer Traumlanschaft aus Vögeln, Blumensträuchern und verschiedenen Lichteffekten. Dazu die beruhigende Stimme des Sängers Yannis Philippakis, der die Lieder ausgeglichener als sonst singt. Zehn Songs beinhaltet die neue Platte der englischen Indie-Band, die von Musikzeitschriften durchweg positive Kritik bekam. Das Album klingt in sich stimmig und weitaus harmonischer als die Debütplatte. Der Track „Total Life Forever“ ist der groovigste und tanzbarste, der mit Rasseln und verzwackten Gitarrenrhythmen unterlegt wird. „Afterglow“ erinnert als achter Song des Albums noch am ehesten an das vertrackte Math-Rock Meisterwerk „Antidotes“, das komplexer und chaotischer wirkt. Trotz der Entwicklung zur Harmonie und Melodie, steht das zweite Album dem ersten in nichts nach. Die typischen ineinander verwobenen Gitarrenmelodien bleiben erhalten und beide Alben bildenjeweils einen einzigartigen Sound heraus. Die fünfköpfige Combo aus Oxford, die 2005 ihre Band gründete, wurde mit ihrem ersten Album zum typischen Vertreter des Math-Rock, der sich durch gitarrenlasitge Rhythmen und abgehackte Melodien auszeichnet. „Antidotes“ besticht durch experimentellen Progressive Rock mit Post-Punk Elementen. Mit „Total Life Forever“ wolle sich die Band „eher dem Ausdruck, als der ganz bewussten Auseinandersetzung widmen“. Damit reiht sie sich in die Gruppen ein, die vom experimentellen ersten Album zum melodischen zweiten Werk übergehen. The Horrors haben ebenfalls so eine ähnliche Entwicklung durchgemacht. Das neueste Werk zielt auch auf langsam aufgebaute Sound-Höhepunkte aus, wie sie vor allem bei der tiefgründigen Ballade „Spanish Sahara“ und dem Tanzwerk „Black Gold“ deutlich werden.  Die Band selbst bezeichnet die neue Platte als“ Traum eines sterbenden Adlers“ und auch das  Albumcover, auf dem die Bandmitglieder unter Wasser schweben, passt zum leichtfüßigen Dance-Sound des Indiewerks. „Now the waves they drag you down. Carry you to broken ground. Though I find you in the sand. Wipe you clean with dirty hands.“ Das Meer ist sicherlich ein Leitmotiv der ganzen Platte. Auch der erste Track „Blue Blood“ zeichnet sich durch schwerelose Melodien aus und regt zum Tanzen an. Selbstfindung ist ebenfall ein Thema einiger Songs wie in „Blue Blood“.  „You showed me my way back home. To where I was born. To where I belong.“ Die jungen Musiker sind gereift und wollen sich stärker mit ihren Melodien ausdrücken, was „Total Life Forever“ deutlich verzeichnet.  Foals sind eine der wenigen Bands, die es verstehen, ihren Stil weiterzuentwickeln, ohne die Besonderheit ihres Sounds zu verlieren. „Antidotes“ und „Total Life Forever“ sind zwar sehr unterschiedich, doch der rote Faden von verwobenem Gitarrenklimpern ist weiterhin herauszuhören.

Also wird die Platte wieder eingelegt und du begibst dich wieder in eine Welt von Vogelschwärmen, tiefblauen Unterwasserwelten und rosafarbenen Sträuchern. Und irgendwo in der Ferne ist auch das Galopp eines jungen Fohlens zu hören.

http://www.foals.co.uk/entry/

www.myspace.com/foals

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe

The Massacre On Watergate Street

„The Massacre On Watergate Street“ – das klingt wie der Titel eines Filmes. Und tatsächlich erinnert das erste Album der jungen schwedischen Band The Lance an einen Soundtrack, einen Soundtrack mit unglaublicher Breite, der auf jede Schlüsselszene perfekt abgestimmt ist.
Beim Hören fühlt man sich in einen Schwarz-Weißfilm versetzt, 60er Jahre, Kleinstadt. Der Protagonist erinnert sich an seine lange verlorene große Liebe (I Love Her), zieht mit seinen Freunden durch die Stadt (Peter’s Point of View), geht Samstag abends aus (Sweet Saturday Night), läuft durch die Nacht wieder nach Hause (Late Night Lights), lässt in der Karaoke Bar alle seine Gefühle raus (I Saw The Light) und verliebt sich neu (Lady In Red). Schließlich gipfelt alles in dem Massacre On Watergate Street, das die Kleinstadt erschüttert.

Natürlich denkt man bei der Kleinstadt an Borlänge, den Heimatort von The Lance und gleichzeitig auch von Mando Diao und Sugarplum Fairy.
Mit beiden Bands haben The Lance musikalisch auch einige Ähnlichkeit. The Massacre On Watergate Street erinnert an Mando Diaos erstes Album Bring ‚Em In, wenngleich nicht ganz so zerkratzt und auch ein wenig „abgerundeter“, fertiger. Doch gerade für Mando Diao Fans der ersten Stunde sind The Lance eine heiße Hörempfehlung. Olle Häggs Stimme weist außerdem Ähnlichkeit mit der Björn Dixgårds auf, ist ähnlich kraftvoll.

Doch im Endeffekt sind The Lance The Lance und es macht unhemlich Spaß ihnen zuzuhören. Es wäre den Jungs nur zu wünschen, dass sie einen ähnlichen Erfolgsweg gehen können, wie ihre berühmten Nachbarn.

Das Album wurde von der Band sogar zum kostenlosen Download bereit gestellt:

http://thelance.se/musik.zip

Mehr Infos unter
www.myspace.com/thelancemusic
www.thelance.se

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Platten unter der Lupe