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The Water Safety

the water safety

Indierock mit elektronischen Einflüssen – das ist jetzt schon seit über einem Jahr ziemlich in Mode. Auch die Frankfurter Band The Water Safety bedient sich diesem Musikstil. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, dass sie in diese ganze Indie-Electro-Pop-Schiene passen – sie klingen nicht, als wären sie auf irgendeinen fahrenden Zug aufgesprungen, sondern doch sehr individuell. Die ganze Sache wird bei der Band, die ihre Wurzeln mehr im Alternative-Bereich hat, sehr experimentell angegangen. Da schichten sich mehrere Ebenen an- und übereinander und am Computer werden die Gitarrenmelodien noch einmal deutlich aufgemotzt – auffallend zurückhaltend wird dabei der Gesang eingesetzt.

Man merkt den fünf Jungs an, dass sie bereits alte Hasen im Musikgeschäft sind. Teils aus der regional erfoglreichen Band Colourful Grey entstammend, entschieden sie sich 2008 dann dazu, mehr in die elektronische Richtung zu experimentieren. Dabei wird diesmal der Fokus sehr stark auf die Musik an sich gesetzt, es gibt kaum Bandfotos, die bandeigene Homepage zieren die Plattencover ihrer Singles. Eine weitere Besonderheit: alle The Water Safety – Songs sind zum Download auf der Homepage verfügbar, jeder einzelne als Single mit dazugehörigem Coverartwork, das von der Band selbst gestaltet wurde. So solle jedem Song die selbe Bedeutung und Würdigung beigemessen werden – fast natürlich, dass die Singles auch auf Vinyl erhältlich sind. Schließlich sind The Water Safety große Schallplattenfans, ihrer Meinung nach hat die CD inzwischen wieder ausgedient. Außerdem kann man sich noch eine kurze EP herunterladen, die in einer experimentellen Reflektionsphase entstand, nach der zwei Mitglieder zu der vorher dreiköpfigen Band hinzustießen.

Wer noch mehr zu The Water Safety wissen will, sollte sich das Interview, das ich mit ihnen bei Radio Rheinwelle geführt habe, anhören.

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Grey Television – Fröhlich war gestern

„Wenn wir jetzt positive, fröhliche Regenbogen-Popmusik machen würden, dann nennen wir uns vielleicht Pink Bicyle. Aus dem Sinneskontext kann man sich erklären, warum wir uns Grey Television nennen.“, meinte Gitarrist Ben im Interview mit Kultmucke. Die fünf Berliner Musiker sind aber alles andere als eintönig. Ihr Experimental-Rock mixt elektronische Klänge mit typischen Indie-Tunes und jeder Song klingt so abwechslungsreich und professionell, dass man meint, die Band gebe es schon ewig. Eine bekannte Band haben die fünf Berliner schon längst auf ihrer Seite – Foals sehen in den Deutschen das nächste große Ding. „Keep an eye on Grey Television. They´re going to be the next big thing. They have a lot of potential“, so Frontman Yannis Philippakis. Ein besseres Feedback kann es für eine junge Band wohl nicht geben. Nicht verwunderlich, dass Grey Television schon für Foals als Support auftraf. Musikalisch ähneln sich die Bands auch ungemein. Fragments zum Beispiel klingt  sehr nach 2 Trees (Total Life Forever) – sphärische Klangwände, ruhige Vocals und eine Menge Energie.

Fragments

Grey Television ist eine der wenigen deutschen Bands, die nicht dem Standard Indie-Rock verfallen sind, sondern mehr Originalität beweisen. Zwischen romantischen Traumklängen und düsteren Elektro-Sounds geben sich Grey Television mal poppig-verspielt, mal experimentell und mal rockig. Die EP It´s All Inside Your Head ist seit letztem Jahr draußen und ein Album soll auch bald erscheinen. Der Track Audiophil/Hunted Deer mit seiner minimalistischen Melodie klingt nach galaktisch-sphärischem Rock. Eine zehnminütige musikalische Traumreise erwartet den Zuhörer. Nicht nur Foals konnte die Band begeistern, sondern auch Friendly Fires und These New Puritans nahmen sie mit auf Tour. Endlich mal eine deutsche Band, die mit dem internationalen Niveau mithalten kann.

Audiophil/Hunted Deer

Grey Televisions Sound ist nicht der leicht bekömmlichste und das genau zeichnet die Berliner aus. Fröhlich kann jeder, aber den Spagat zwischen Rock, Experimental und Dreampop zu schaffen, ohne seinen eigenen melancholischen Sound zu verlieren, ist eine Herausforderung. Das nächste große Ding? Definitiv.

It´s All Inside Your Head (2010)

Hier das Interview von Kultmucke mit Grey Television:

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Weniger ist mehr – Cat´s Eyes in Köln

Diesmal nicht im heiligen Vatikan, sondern Mitten im Kölner Gewerbegebiet geben Faris Badwan und Rachel Zeffira ihr Deutschland-Debüt. Im alternativen Gebäude Neun versammeln sich die paar Leutchen, die abseits riesiger Konzerthallen in Genuss guter Musik kommen wollen. Köln, München und Berlin sind die drei Stationen auf der Tour von Cat´s Eyes. Das Publikum kann man an den Händen abzählen, aber die Stimmung ist entspannt. Faris und Rachel sitzen draußen gelassen auf einer Bank; er klimpert noch bisschen an seiner Gitarre rum und interessiert sich für nichts, was um ihn herum passiert.

21 Uhr. Jools Hunter aus Berlin erstaunen mit ihrem Esoterik-Art-Pop und tauchen in ihrer Klangwelt unter. Es ist erst ihr zweiter Auftritt. Die paar technischen Pannen sind entschuldigt. Die Musik bewegt sich zwischen Experimental, Elektro und Dream-Pop mit Tendenz, gleich abzuheben. Zweiter Auftritt und schon Support-Act für Cat´s Eyes – Nicht schlecht.

Cat´s Eyes schauen sich den Auftritt hinten beim Mixpult an, bevor sie selbst die Bühne betreten. Cat´s Eyes ist passenderweise Opener. Badwan spielt in Jeansjacke konzentriert Gitarre, während Zeffira schuhlos das Keyboard bedient. Die Bühne ist voll von Musikinstrumenten. Die klassisch ausgebildete Zeffira spielt Orgel, Klarinette, Keyboard und bei I´m Not Stupid  sogar Xylophon. 60s Pop mit Klassik-Note. Der Gig verläuft ziemlich unspektakulär. Beide sagen natürlich nichts zum Publikum, außer höflich Thank You zum Ende jedes Liedes. Zwei Covers gibt es auch noch dazu. Lucifer Sam von Pink Floyd als zweiter Track und The Crying Game von Dave Berry. Leider ist The Best Person I Know nicht auf der Set-List.

Eine kleine Interaktion erlaub sich Faris dann noch. Nach Sunshine Girls wirft er schön die nassen Rosen aus dem Blumentopf in die Menge und geht von der Bühne. Danke! Rachel taucht kurz wieder auf und spielt zum Schluss alleine das romantische  Love You, Anyway. Dann ein Thanks a lot und weg.

Nach weniger als einer Stunde ist das Konzert schon vorbei. 13 Tracks wurden ohne viel Schnickschnack gespielt .Von einem Hintergrundbild oder üppig bunter Beleuchtung konnte nicht die Rede sein. Cat´s Eyes stehen wohl mehr auf die schlichte Variante, aber Hauptsache ihre Girlsgroup-Musik erfrischt unsere Gemüter. I Say: Back to Understatement.

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Song der Woche # 24

S.C.U.M – das sind fünf Pychedelic-Rocker aus hip London, die derzeit mit The Kills auf Tour sind (Konzi-Bericht folgt bald). Ihr Sound lässt sich zwischen Art, Experimental, Post-Punk und Psychedelic einordnen – eine dröhnende Mischung ist Programm. Zwei Fakten sind besonders erwähnenswert.  Der Drummer ist eine Frau, die trotz schmächtiger Figur die Trommeln nur so platzen lässt. Zweitens ist der Bassist Huw Webb der kleinere Bruder von The Horrors´Rhys Webb, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Bassist in einer Rockband zu sein liegt wohl in der Familie. Der Sänger ist ebenso auffällig wie der Sound selbst. Mit groß geschwungenen Gesten haucht er verrucht ins Mikro. Die erste Single Visions Arise war 2008 ausverkauft. Der Song der Woche mit passendem Video ist aber Summon The Sound, Psychedelic-Geschweife vom feinsten. Eine Debütplatte soll ebenso bald erscheinen. Bitte die volle Dröhnung.

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