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The Hammocks: „Heartbeat“

Es muss ja nicht immer die Großstadt sein, die gute Musik raushaut. Die vier Jungs von The Hammocks kommen aus dem kleinen Hofheim im Taunus und lieben Bands wie Arctic Monkeys, The Strokes und Arcade Fire. Das Ergebnis ist zwar ein bisschen poppiger als bei den Vorbildern, aber der Indie-Kosmos ist ja groß.

Der Track „Heartbeat“ ist eins von vier Stücken ihrer EP „City of Gold“ (Dezember 2011), das so pulsiert wie der besungene Herzschlag und gut abgeht. Befehl zum Tanzen bitte!

Wer die Jungs live sehen will:  Am 22. Dezember treten sie  im Frankfurter Zoom Club auf.

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Ghost of Tom Joad zu Gast in Mainz

Dass sie noch nie vorher in Mainz waren, erwähnten die Münsteraner Ghost of Tom Joad während des Auftritts ziemlich oft. Offenbar hatte sie das bisher sehr gewurmt, so sehr schien sie die Möglichkeit endlich in Mainz auftreten zu können, zu freuen.
Und dann nicht nur irgendwo in Mainz: heute Abend war die Indie- Post Punk – Band im SchonSchön, das sich innerhalb von nur einem Monat zu dem Szeneklub der Mainzer Studenten entwickelte und sich inzwischen, ein halbes Jahr später, auch immer mehr als Konzertvenue etabliert (erst kürzlich traten hier Blackmail auf).
An diesem Abend waren es aber zunächst Maitresse, eine Mainzer Band, die ihre Songs zum besten gaben. Ziemlich laut und krachend ging es zu bei ihrer Musik, Sänger Vincent sprach oder schrie dazu die deutschen Texte – dabei stand er oftmals mit dem Rücken zum Publikum, weshalb es öfters wirkte, als ob er seine Bandkollegen anschreien würde. Die Jungs gingen jedenfalls ziemlich gut ab und sorgten schon mal für eine gute Stimmung.

Nach nur einer sehr kurzen Umbauphase waren dann die Herren von Ghost of Tom Joad an der Reihe. An sich bewegen sich ihre Songs im eher ruhigeren Bereich, live ging das dann schon mehr in die Shoegaze-Richtung. Dazwischen brachte Sänger Henrik mit lustigen Ansagen und Verweisen auf die Stadt Mainz, wo er wohl früher auch mal studieren wollte, das Publikum zum Schmunzeln. Bassist Jens sprang dafür während der Lieder herum und stand auch gerne mal auf dem Schlagzeug. Überhaupt stand das Schlagzeug ziemlich im Mittelpunkt, Christoph schlug darauf ein, als würde darunter sein größter Feind liegen und einmal versammelten sich gleich alle Bandmitglieder darum um mit vereinten Kräften auf Drums und Becken einzudreschen. In meinen Augen machte sie das nur noch sympathischer, ich mag schlagzeugaffine Bands.

Einziger negativer Punkt war schlussendlich nur die Gleichförmigkeit der Songs. Dadurch, dass die elektronischen Elemente auf ein Minimum reduziert waren, und auch der Gesang etwas abfiel im Vergleich zu den Instrumenten, hörten sich viele Lieder doch sehr ähnlich an. Daher passten die lustigen kleinen Plauderpausen zwischen den Songs doch ganz gut rein.

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WhoMadeWho rocken das Open Ohr in Mainz

jeppe kjellberg / whomadewhoWhoMadeWho: die geborenen Entertainer

Keine Ahnung wie die das immer hinkriegen. Fast genau ein Jahr ist es her, als WhoMadeWho beim Folklore Festival in Wiesbaden das Publikum in der Schlachthofhalle begeisterten.
Ihre Musik mit Elementen aus Rock und Electro – von sogenannten Fachleuten als „Disco-Punk“ bezeichnet – passte perfekt um nach einem langen Festival-Tag abends richtig abzutanzen.

Dieses Wochenende waren Jeppe Kjellberg, Tomas Hoffding und Tomas Barfod (ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass es Barfod war, zwar sah er ganz anders aus als noch im Jahr zuvor, aber von einem neuen Drummer habe ich nirgendwo etwas gelesen) zu Gast auf der anderen Rheinseite, beim Open Ohr – Festival in Mainz. Gar nicht so passend eigentlich sollten sie hier am Pfingstmontag um 15 Uhr nachmittags auftreten.

Trotzdem schafften die drei Dänen es, eine richtige Party zu veranstalten und das Publikum komplett auf ihre Seite zu ziehen. Obwohl sie sogar ohne das geforderte Benny Benassi Cover Satisfaction auskamen, waren wir alle schließlich nicht mehr zu halten und stürmten nach einer netten Einladung von Jeppe Kjellberg auf die Bühne. Da diese für so eine Belastung offenbar nicht ausgerichtet war, mussten wir sie ziemlich schnell wieder verlassen, aber der Höhepunkt eines genialen Auftrittes war es trotzdem.

whomadewho

Es ist eigentlich ein Kuriosum wie WhoMadeWho es immer schaffen, mit relativ wenig so sehr zu überzeugen. Die meisten ihrer Songs sind im Original zwar nicht schlecht, aber lange nicht so schnell und so treibend, wie wenn sie live gespielt werden. Wobei da auch immer mal wieder ein gleichbleibender Beat mit ein bisschen Bassbegleitung reicht, um abzugehen. Es muss an ihrer Bühnenpräsenz und ihrer fröhlichen Lockerheit liegen, die bei den Leuten so gut ankommt. Mal eine kleine Showeinlage, ein kurzer Gang durch die Fans oder einfach nur ein breites Lächeln, das signalisiert, wie viel Spaß es den Herren macht, genau in diesem Moment auf genau dieser Bühne zu stehen. Diese Fröhlichkeit steckt an.


ein genialer Ausschnitt des Auftritts (Song: Space for Rent)

„You are always welcome to a WhoMadeWho concert“, sagt Hoffding oder Kjellberg, wer weiß das dann noch, am Ende – ja, immer wieder gerne!

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Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen Part III

Indielikat: Welche Bedeutung hat Musik für euch? Kann sie großen Einfluss auf Menschen haben?

Martin: Es hat mein Leben schon drastisch verändert. Aber so die allgemeine Wirkung ist schwer zu sagen.
Oliver: Musik beeinflusst einen ja nicht nur beim Selbermachen sondern auch beim Hören. Das ist eigentlich schon ein krasses Phänomen. Hm, das ist irgendwie so wie mit Fernsehen. Nur ob die Leute eher fernsehen oder Musik hören? Ich glaube sogar eher Musik.

Indielikat: Glaub ich nicht.

Oliver: Echt nicht? Ich glaub schon.
Martin: Musik ist halt so auf der Gefühlsebene. Jeder mag da irgendwas. Okay, in unseren Kreisen achtet man sehr auf Musik und ihre Ästhetik. Gibt bestimmt aber auch viele, die das nur so nebenbei hören. Manche hören ja echt nur Musik im Fahrstuhl, in Bierzelten etc. aber für gute Musik sind die gar nicht sensibilisiert.
Oliver: Musik kann Menschen halt echt verbinden oder trennen, das können andere Medien nicht.
Martin: Auch diese Identifikation mit Musik ist krass, dass darauf Jugendgruppen oder ganze Weltsichten wie z.B. Metal basieren.

Indielikat: Jetzt nochmal zurück zu eurer Herkunft, was mögt ihr an Mainz und was nicht?

Benni: Ich mag den Rhein.
Martin: Es ist schon ein angenehmes Lebensgefühl hier. Es gibt nicht diese Aggression wie z.B. in Frankfurt. Ich würde sagen es ist ziemlich gediegen hier. Das Negative ist halt, dass es schon sehr klein ist und man schnell an die Grenzen kommt.

Indielikat: Also man kann sich nicht so kreativ entfalten?

Oliver: Mir fehlt schon manchmal ein bisschen der Gegenpol – manchmal genieße ich das aber auch.
Martin: Ab und zu hätte man lieber ein „Fass ohne Boden“, dass man einfach irgendwo hinkommt, wo man noch nicht war, aber ich hab z.B. Berlin noch nie geliebt.
Oliver: Das ist dann halt immer so ein Trend-Ding, dass dann bestimmt auch mal nerven kann. So wie Punkhosen bei H&M. Dass dann die Subkultur in den Mainstream kommt, das geht eben auch bei Städten.

Indielikat: Was habt ihr für Pläne?

Oliver: Wir haben viele. Erster Plan: Das Bandgefüge wieder zusammenzukriegen. Außerdem soll die Musik noch mehr von den anderen kommen, nicht nur von mir. Unser nächstes Album ist ja schon seit 3 Jahren im Entstehen, das hat sich bestimmt schon zehnmal gehäutet. Das dauert einfach und ist deshalb schon ein Riesending. Wobei ich auch gern noch was anderes machen würde, so einfach mal in zwei Tagen im Studio – aber erstmal muss das Album fertig sein. Und wir müssen mal wieder mehr live spielen.
Martin: Mal gucken, was mit dem Album passiert.
Oliver: Vielleicht finden wir ja auch ein Label.

Indielikat: Was ist mit Auftritten?

Martin: Bisher wurden wir immer nur gefragt, ob wir irgendwo spielen, wir mussten das nie selbst organisieren. Na ja, bei unserem ersten Konzert damals bei einem Kontest im Q-Kaff haben wir uns angemeldet.
Oliver: Den haben wir übrigens gewonnen – war echt stressig.

Indielikat: Wenn ihr für einen Tag eine andere Person sein könntet, welche wäre das und was würdet ihr tun?

Benni: (zögert)
Oliver: Das ist schwierig. Wer erlebt denn besonders viel?
Benni: Vielleicht einmal mehr ich selbst sein. Oder ein Pirat.
Martin: Einen Tag Marcel Proust.
Das ist aber eine ziemlich nerdige Antwort.
Oliver: Ja die sind eigentlich alle schon tot. Ich wäre gerne in der Vergangenheit eine literarische Person.
Martin: Oder man selbst als Kind.
Oliver: Nee, darauf hätte ich keinen Bock. Vielleicht jemand, den ich gerne verstehen würde.
Mir fällt aber niemand ein.
Martin: Jemand, in den man verliebt ist.
Oliver: Das ist doof.
Ich wäre gerne Natalie Portman, dann würde ich den ganzen Tag nur duschen.

Danke PLUS für die ausführlichen Antworten!!

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der schaue sich die Myspace-Seite an und ihre Website an.

Hier ist das Video zu In the Belly of a Whale

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Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen Part II

Hier ist nun endlich der zweite Teil unseres Interviews mit der Mainzer Band Plus, in dem es vor allem um die Musikszene hier und im Ausland geht. Viel Spaß beim Lesen.

Indielikat: Wie genau seid ihr denn in der Mainzer Musikszene drin? Sie ist ja schon auf dem aufsteigenden Ast.

Benni: Wir sind bei Knertz, das ist eine Art Musikerkollektiv aus Mainz und Darmstadt.
Martin: Wir sind die poppigsten unter den ganzen Bands dort. Aber wir helfen uns dort eigentlich gegenseitig, es ist also wirklich ein Kollektiv.
Olli: Viele Sachen kriegt man von außerhalb ja gar nicht mit. Manche kommen auch einfach nie aus ihrem Dunstkreis raus. Ich hab auch das Gefühl, dass es in Mainz nur Nu-Metal oder Alternative-Rock gibt, da ist kaum Innovatives.
Martin: Mit wem wir noch ein bisschen zu tun haben ist Truc, das ist ’ne Elektro-Gruppe. Aber die spielen viel außerhalb, letztens z.B. in Israel, und kaum noch hier.
So in der Art gibt es bestimmt viel, was man dann einfach nicht so kennt.

Indielikat: Seid ihr mit lokalen Bands befreundet bzw. unterstützt man sich gegenseitig?

Olli: Wir haben mit den typischen Kreisen, die es hier so gibt, gar nichts zu tun. Wir kennen diese typischen Bands aus der Gegend kaum.
Martin: Ich denke das hängt mit dem Musikgeschmack zusammen. Mit den Leuten von Knertz sind wir aber immer im Kontakt, obwohl wir gar nicht unbedingt den gleichen Musikstil machen.
Olli: Im Kollektiv gibt es viele interaktive Aktionen, wir machen gegenseitige Remixe oder es gibt Kollaborationen der einzelnen Musiker. Oft bilden sich dann auch neue Bands. Man tauscht sich eben einfach viel aus, schickt Songsequenzen rum und sowas.

Indielikat: Heutzutage gibt es so viele ähnliche Indiebands. Wie kann man aus der Masse herausstechen?

Martin: Das ist schwierig… Es gibt so viele Bands und eben auch viele schlechte, die es entweder nicht können oder die nicht spannend sind, weil man das alles schon 1000 Mal gehört hat.
Olli: Das ist natürlich auch alles sehr subjektiv. Aber viele der Indie-Bands aus Mainz sind sich sehr ähnlich, das ist so ein Zug, viel Gitarre und Elektro.
Martin: So Killers-artige Tanzmusik. Oder eben einfach nicht so gut gemacht.
Benni: Man nimmt es den Leuten einfach nicht so ab, das ist nicht authentisch, was die machen.
Martin: Wir wollen aber niemanden schlechtmachen…
Olli: Was war nochmal die Frage?

Indielikat: Wie man da heraussticht?

Olli: Achso, das Geheimrezept?
Okay, Auletta haben’s ja geschafft, auch wenn ich die nicht so mag. Ich glaube die Texte sind wichtig. So als guten Tipp würde ich sagen: Man sollte nicht überall drauf springen – aber ich hab keine Ahnung! (lacht)

Olli: Für mich ist das fast hauptberuflich, also ich investiere meine ganze Freizeit.
Martin: Olli ist ja auch der Songwriter, wir kommen dann eher ins Spiel, wenn es ums Live spielen geht. Also es sind immer so Phasen in denen man mal mehr und mal weniger Zeit in die Band steckt, normal aber nicht jeden Tag.
Olli: Bei mir schon.

Indielikat: Wollt ihr schon konsequent als Musiker arbeiten?

Olli: Ja, das ist schon das Ziel.
Im Februar ist jedenfalls wieder ein Konzert geplant.
Martin: Da gibt es jedenfalls dann ein neues Live-Konzept, wir haben ja neue Leute in der Band und auch neue Songs. Es geht jedenfalls bald in die Phase, wo der Alltag wieder mehr von der Band bestimmt sein wird.

Indielikat: Also wollt ihr das dann hauptberuflich machen?

Martin: Das kommt darauf an… Ich hab ja auch noch eine andere Band. Aber wir schauen einfach, wie’s kommt. Wenn wir das Album veröffentlichen…
Olli: Ich bin grade viel am abmischen, da leidet die Band auch gerade drunter, aber das soll sich bald wieder ändern.
Martin: Wir sind auch gerade in ’nem Änderungsprozess, wir haben, wie gesagt, neue Leute in der Band und auch ’nen neuen Proberaum.
Benni: Unser Ziel ist es nicht bekannt zu werden. (grinst)
Martin: Nicht nächstes Jahr berühmt zu werden.
Olli: Na ja, das wär schon cool.
Martin: Wenn man gut genug ist, ist’s cool.
Olli: Wir wollen uns jedenfalls nicht prostituieren.
Aber auch wenn es bei uns momentan nach Stillstand aussieht, passiert genug, ich bin viel am Songs schreiben und schon jeden Tag dran von 8:00 bis 10:00 Uhr…
Martin: …abends 10:00 Uhr (lacht)…
Olli: Es ist eine Liebschaft, kein Hobby.

Indielikat: Illegale Downloads belasten ja die Musikszene heutzutage schwer. Wie seht ihr da die zukünftige Entwicklung?

Martin: Man muss halt viele Konzerte spielen.  Alben rausbringen und damit dann auf Tour gehen, das bringt dann das Geld ein. Eigentlich gibt es viele Möglichkeiten.
Benni: Man könnte T-Shirts verkaufen und dazu gibts dann die Musik als Mp3s.
Martin: Es war aber schon immer schwer als Musiker Geld zu verdienen, wenn man nicht gerade so berühmt wie Madonna ist. Auch gute Bands hatten vielleicht noch Jobs nebenbei.
Olli: Früher konnte auch nicht einfach jeder aufnehmen, da brauchte man ein Studio mit viel Geld im Hintergrund.
Martin: Man könnte es schon fast als Chance bezeichnen, dass jeder überall an die Musik rankommt, dann kommen die Leute auch zu den Konzerten.
Olli: Natürlich wär das cool, wenn du einfach ein Album rausbringst und damit dann genug Geld verdienst, da hätte ich gar nichts dagegen, aber inzwischen sind die Alben ja nur noch der Grund um auf Tour zu gehen.
Die Labels haben sich ja auch umstrukturiert, arbeiten enger mit Verlägen zusammen usw.

Indielikat: Viele große Indiebands kommen aus England und ihr singt selbst englisch. Wollt ihr euch bewusst britischen Vorbildern annähern?

Olli: Ich sehe unseren Einfluss eher in Amerika, besonders sprachlich. Wir singen englisch, denn es ist eben die Musiksprache und die Musik, Bücher und Filme, die wir mögen, sind in Englisch.
Martin: Ich habe auch nie wirklich deutschsprachige Musik gehört. Im Zusammenhang mit Musik muss ich einfach in der Musiksprache denken, Deutsch wäre dann irgendwie entfremdet und ungewohnt.
Olli: Ich werde schon oft gefragt, warum wir auf Englisch singen. Ich fühle damit einfach wohler, das ist genauso wie bei Serien zum Beispiel, die ich mir dann lieber im Original anschaue.
Dadurch, dass es nicht meine Muttersprache ist, habe ich vielleicht auch einen anderen Zugang, es ist nicht immer grammatikalisch korrekt, aber ich finde man kann da viel mit spielen. Ich bin aber auch schon sehr drin in der Sprache.
Martin: Für mich ist in dem musikalischen Raum, in dem wir uns bewegen, Deutsch wie ein Fremdkörper.
Olli: Bei anderen Bands würde ich viel eher fragen, warum sie Englisch und nicht Deutsch singen aber nicht bei uns…
Wenn dann oft diese Standardbegriffe im Text auftauchen wie „soul“ oder „ocean“ oder „heart“ oder sowas, dann klingt das natürlich komisch.
Martin: Man sollte nicht zu naiv an die Sprache drangehen.
Olli: Mir fallen auch einige deutsche Worte oft gar nicht mehr ein. Ich habe mich auch mal für 3 Wochen zurückgezogen, alleine in einer Hütte abgeschottet von allen und als ich dann wieder zurückkam, hat es auch ein bisschen gedauert, wieder in die Sprache zu finden.
Martin: Ich finde dieses fremde Element reizvoll.
Olli: Englisch hat auch so einen besonderen Witz.
Martin: Es ist lakonisch und einfach. Deutsch dagegen wirkt meist umständlich.
Olli: Natürlich ist das nicht absolut, es gibt auch Sachen, die gut gemacht sind, wie Tocotronic.

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Interview mit PLUS: Warum sie keine Entertainer sind und die englische Sprache lieber mögen (Teil I)

http://www.myspace.com Plus Fotos

Normalerweise denkt man, wenn man Bands interviewt, dass sie ziemlich wortkarg sind und man ihnen alles aus der Nase ziehen muss. Nicht so bei  Oliver, Martin und Benny von der Folk-Band PLUS aus Mainz. In netter Atmosphäre in einem Mainzer Café konnten wir sie über ihre Bandgründung, ihre bisherigen Auftritte und die Musikszene generell ausfragen. Da das Gespräch ziemlich ausführlich wurde, teilen wir unser interessantes Interview in drei Teile auf. Also, hier ist schon mal der erste Part des Gesprächs mit PLUS.

Indielikat: Wie ist es zur Gründung der Band gekommen?

Oliver: Also ich hab mit Benny bisschen Musik gemacht und viele Lieder geschrieben und aufgenommen. Es war eigentlich als Solo-Projekt geplant und Sinem, unsere Keyboarderin, und Benny haben nur live mitgespielt. Es hat sich dann durch die Live-Auftritte zu ner richtigen band entwickelt.

Indielikat: Warum habt ihr euch PLUS genannt? Hat das eine bestimmte Bedeutung?

Oliver: PLUS hat irgendwie etwas Gutes. Bandnamen, de etwas beschreiben finde ich doof. Plus ist einfach ein schönes Zeichen. Ja genau, offen gehalten würde ich sagen. Es hat keine besondere Bedeutung. The Ramones heißen ja auch Ramones, weil sie so heißen.

Indielikat: Eure Musik kann man ruhigerem Folk-Rock zuordnen. Ergibt sich so etwas einfach, welche Art Musik man spielt oder steht das eher von Anfang an fest?

Oliver: Ich hab was gegen das Wort „Rock“.

Martin: „Folk“ passt eigentlich ganz gut.

Oliver: War halt gerade in (lacht). Hat sich einfach so ergeben. Also nicht alles ist unbedingt Folk, live sind wir etwas rockiger, das stimmt schon. Unsere Musik hat auf jeden Fall einige folkige Elemente.

Martin: Wir haben so ne Singer/Songwriter Grundlage. Das Folkige hat am besten gepasst.

Indielikat: Unter dem Songtitel „In the Belly of a Whale“ kann man sich schwer etwas vorstellen. Von was handeln eure Lieder denn so im Allgemeinen?

Oliver: Was denkst du denn?

Indielikat: Hat irgendeine metaphorische Bedeutung?

Oliver: Ich müsste jetzt antworten wie Bob Dylan. Ist auf jeden Fall kein Bibel-Zitat oder so (lacht). Ich mags halt nicht so von wegen „Schreiben wir ein Lied über das und das Thema“.

Martin: Ja, die haben schon einen Sinn und Zusammenhang. Zum Beispiel bei „In a Belly of a Whale“ kann man ein gewisses Feeling damit verbinden.

Oliver: Man könnte sagen, dass es sozusagen ne spontane Prosa-Szene ist, schon so ein bisschen wie bei Dylan. Der Wortfluss kommt einfach so und dann irgendwann findet man schon einen Sinn- Selbst wenn man nur Chaos will.

Martin: Poetische Selbstdeutung des eigenen Ausflusses.

Oliver: Ja meistens kommen die Ideen eh wenn man nur 5 Minuten Zeit hat.

Martin: Nicht so wie bei Sufjan Stevens, wie der in einem Lied von einem Serienkiller erzählt.

Oliver: Die lokalen Bands singen viel über Banales. Das wollen wir nicht.

Martin: Man ist schnell in den Klischees drin.

Oliver: Ich hab letztens so ein YouTube-Video gefunden mit Aktionen, die verknüpft werden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. So will ich auch Wörter miteinander verknüpfen. Gerade bei den neueren Liedern. Da kann man sagen, dass die Wörter so ne Art metaphysische Kuppel bilden (lacht).

Indielikat: Was sind denn eure musikalische Vorbilder?

Oliver: Hör fast nur Dylan. Von dem gibts ja auch so viel. Dann halt auch noch The Smiths, The Cure, Beatles, Why.

Martin: Ich hör auch gern so Hip Hop Sachen. Da gibt es so einen verrückten amerikanischen Songwriter, der aus dem Hip Hop kommt. Seine Texte haben so einen Kunstanspruch und die sind schon ironisch und ziemlich surreal.

Benni: Ich muss mal überlegen. Momentan hör ich viel (schweigen). Ja so Arcade Fire, aber momentan eigentlich nicht. Mhmm, was würde ich jetzt zu Hause hören..Ja, dann sage ich Arcade Fire. Ich geh nämlich zu deren Konzert.

Martin: Ich hör viel Jazz oder Hip Hop. Auch Grizzly Bear.

Oliver: Viel altes Zeug. „Somewhere over the Rainbow“ hab ich letztens bei MTV gesehen. Fand ich voll lustig.

Indielikat: Eure EP „Is it or is is it not going to melt“ hat 2007 erstmals für Aufsehen gesorgt und ihr hattet schon viele Auftritte in Deutschland. Was ist das für ein Gefühl eure Musik vor Publikum zu spielen? Habt ihr mit Erfolg gerechnet?

Martin: Unser größtes Publikum hatten wir eigentlich im Schlachthof. Wir haben zum Beispiel auch in Hamburg auf dem ASta-Fest gespielt, aber das war ne blöde Zeit, wo noch nicht so viele Leute da waren. Wenn wir außerhalb spielen, sind nie so viele Leute da. Viele kennen halt den Namen nicht und wenn man ohne Label ist, das einen promotet, ist es halt schwierig. Auf Festivals ist es deshalb einfacher.

Indielikat: Ihr habt ja auch an dem Nachwuchswettbewerb von Big FM teilgenommen…(Oliver unterbricht)

Oliver: Also wir müssen erst einmal was richtig stellen. Wir haben uns da gar nicht beworben. Die haben uns einfach eingeladen, eigentlich voll unfair. Das war überhaupt nicht unsere Zielgruppe. Da waren lauter 15 jährige, die am Zaun standen und rumgeschrien haben.

Indielikat: Aber ihr seid doch unter die Top 4 gekommen?

Oliver: Echt?? Wir sind direkt danach gegangen (grinst).

Martin: Wir haben uns noch gut am Büffet bedient und sind dann abgehauen. Die Moderatoren waren auch irgendwie voll komisch- Und diese anderen Bands haben so einen Zirkus veranstaltet, das ist halt nicht unser Ding, so ne Show zu machen. Wir sind wir und keine Pokémons.

Oliver: Ich finds schlimm, dass man inzwischen immer so ne Show machen muss und sich bestimmte Moves ausdenken muss. Das ist voll krass, was das für Formen angenommen hat.

Indielikat: Also macht ihr keine Interaktion mit dem Publikum?

Oliver: Das ist glaub ich unser Problem, das schon viele bemängelt haben.

Martin: Wir sind halt keine Entertainer. Das ist ja auch eine Persönlichkeitsfrage.

Oliver: Wir sagen schon was, aber das ist nie geplant. Ich glaube, ich bin auch bekannt für meine etwas wirren Ansagen.

Martin: Von uns wird man nie so was hören wie „Kommt noch weiter vor!“

Oliver: Ich könnt mich da immer fremdschämen (lacht).

Martin: Spontane Witze sind auch einfach viel besser als typische Floskeln.

Oliver: Wir machen eben keine Unterhaltungsmusik, aber die Leute gehen trotzdem schon ab. Wir wollen so was nicht produzieren, was manche als Problem sehen, aber ich finde es in Ordnung. Es ist ja nicht unsympathisch.

Indielikat: Würdet ihr noch einmal bei so einem Wettbewerb oder generell bei einem Contest mitmachen?

Oliver: In der Form nicht.

Benni: Ich war damals sowieso dagegen.

Oliver: Ich hab mal spontan bei einem Singer/Songwriter-Contest mitgemacht und den sogar direkt gewonnen (lacht).

Martin: Ich finds cool mit anderen Bands, die man kennt und mag, mal was gemeinsames aufzuziehen. Das bringt dann mehr.

Benny: Ich finde, Wettbewerbe bringen gar nichts.

Martin: Man gewinnt dann nur so komische Preise wie einmal Winken in einer TV-Sendung oder ne Aufnahme in einem schlechten Studio.

Oliver: Das haben wir ja damals sogar gewonnen, das war lustig.

Martin: Ja, das war total unproduktiv.

Oliver: Ein Song davon ist bei uns auf MySpace.

In den nächsten Tagen geht es weiter mit Part 2, in dem es vor allem um die lokale Musikszene geht. Seid also gespannt!!!

http://www.myspace.com/andplus

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Sirtoby und Nemo beim ewigen Tango

Entschuldigt den blöden Titel, aber bei solchen Bandnamen bietet sich das einfach an, da sind die Bands selbst dran schuld.
Jetzt aber zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte: gestern hieß es im Caveau Mainz „Eternal Tango vs. Nemo“.
Das wusste ich aber noch nicht, als ich einfach mal zugesagt hatte, nachdem ich gefragt wurde: „Hier, am Donnerstag wurde ich gefragt ob ich mit ins Caveau gehe, da ist irgendein Konzert, kommst du auch mit?“
Gestern tagsüber dachte ich mir dann, dass ich mich ja wenigstens mal über den Eintrittspreis informieren könnte, wozu es natürlich keine Informationen gab. Aber wenigstens erfuhr ich dann, welche Bands überhaupt auftreten würden. Den Namen Eternal Tango hatte ich wenigstens schon mal gehört, aber auch nur, weil sie als Vorband für das Madsen-Konzert, wo ich hingehen werde, angekündigt wurden. Dann hörte ich mal in die Lieder Golden City und DaDa rein, die nicht schlecht klangen.
Trotzdem ging ich ziemlich ohne Erwartungen zu dem Konzert-Abend.

Nachdem um halb 9 die Pforten für alle geöffnet wurden, die bereit waren den sehr humanen Eintrittspreis von 6 Euro zu zahlen, war aber zunächst eine nicht angekündigte Band an der Reihe: Sirtoby aus Mainz, die ich auch schon beim Folklore gesehen hatte.
Sie bestätigten den guten Eindruck, den ich das letzte Mal von ihnen bekommen hatte, und spielten guten Indierock, bei dem sie bewiesen, dass sie musikalisch echt was auf dem Kasten haben.
Deshalb kaufte ich mir dann auch ihre Bookshelf EP, ein nett zusammengebasteltes und bedrucktes Pappstück, das 5 Songs enthält, die sie auch alle live gespielt hatten.

Danach waren dann also Eternal Tango an der Reihe. Die fünf kommen aus Luxemburg, nicht alle aus der Band können Deutsch, was aber gar kein Problem ist, ihre Texte sind eh auf Englisch.
Und sie legten sehr dynamisch los. Auf der Homepage des Caveaus wurden sie als Hardcore-Band betitelt, was allerdings auf keins ihrer Lieder zu traf. Sie machten sich sogar selber darüber lustig, sprachen an, dass man sie irgendwo als Hardcore bezeichnet hätte und dass sie deswegen eine Coverversion spielen würden, die das ganz klar bestätigen würde – woraufhin sie Queens „Don’t Stop Me Now“ spielten.
Passender ist sicherlich die Bezeichnung Alternative Rock. Sänger David Moreiras kraftvoller Gesang erinnerte an die Beatsteaks, wenngleich ihre Gitarrenriffs viel verspielter und auch oft ziemlich tanzbar klangen.
Zudem waren sie auch überaus sympathisch und man sah ihnen an, dass sie unglaublich viel Spaß hatten, was sich auch auf das Publikum übertrug.
Schließlich wurde auch noch lauthals eine Zugabe gefordert und spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Eintrittspreis locker gelohnt. Ich war ein bisschen wehmütig, dass ich nicht mehr Geld eingesteckt hatte, eine CD hätte ich den netten Jungs gerne abgekauft und auch über eins der coolen Shirts hatte ich nachgedacht.

Leider setzte sich das Konzert nicht so überragend fort, danach waren nämlich Nemo, eine Crossover-Band aus Trebur, an der Reihe und die gefielen mir nicht so sehr. Es war zwar ganz witzig, wie sie sich über sich selbst lustig machten und in ihr „Schnuffeltuch“ nuschelten, aber die Musik – eine Mischung aus Hardrock und Rap – mochte ich einfach nicht – im Gegensatz zum Rest des Publikums, das gut abging.
Das konnte den tollen Konzertabend aber dann doch nicht trüben, dafür hatten Sirtoby und Eternal Tango schon gesorgt!

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