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Arctic Monkeys: Suck It and See im (Main)Stream

Das vierte Werk der Monkeys gibt es jetzt vorab auf Soundcloud zu hören. Suck it and See, das am 6. Juni hier erscheint, geht deutlich von der Düster-Riff-Punk Richtung der letzten drei Alben weg und liebäugelt mit poppigen Retro-Beats und teilweise einfallslosen Texten. Ich habe den Verdacht, dass die Sheffielder absichtlich ein platteres Album aufnehmen wollten. Wohl kein Bock mehr auf Experimente? Von Humbug, das von vielen als schwierigstes Album bezeichnet wurde (und deswegen so gut), ist das hier weit entfernt. Bei Library Pictures (klingt nach Sound von Favourite Worst Nightmare) und All my Stunts taucht stellenweise der ernste Düster-Sound auf. Produzent Josh Homme leistet übrigens auf letzterem gesangliche Unterstützung.

Brick By Brick und Don´t Sit Down Cause I´ve Moved Your Chair dienen als Aushängeschild der neuen Richtung- wenig Freches, Provokantes oder Originelles. Stattdessen mehr gemäßigten, harmonischen Standard-Rock mit vereinzelten Noise-Elementen. Alex Turners Gesang spiegelt den opportunistischen Wandel wider. Keine aufmüpfige hohe Stimmlage mehr, sondern reife und gelassene Flow-Vocals. Man(n) braucht nicht mehr anzuecken.

Reckless Serenade ist trotz coolem Bass-Part eine fröhlich-brave Liebesballade, die wunderbar ins Radio kleiner zwölfjähriger Mädchen passt. Bei The Hellcat Spangeled Shalalala fragt man sich, ob das noch Arctic Monkeys sind. Vor allem ihr Shalalala-Gesülze nervt beim mehrmaligen Hören. Leicht aggressiver Hinrotz-Rock war wohl gestern. Heute sind Arctic Monkeys vier Britboys, die sich nichts mehr beweisen zu brauchen und lieber Radio-Musik machen. Sie gehen es viel ruhiger an und verfolgen eine klare Linie. Wahrscheinlich sind sie einfach reifer geworden, aber das bedeutet automatisch leider auch den Verlust von einem markanten Sound.Vom rauen Underground-Rock ist nicht mehr so viel übrig. Das kommt davon, wenn man zu sehr gehypt war und ist. Hoffentlich schwimmt die nächste Platte bisschen mehr gegen den Strom.

Beim Cover wird auch gespart:

Suck it and See Soundcloud

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Song der Woche #29

http://www.lastfm.com

Spätesten seit der Single Young Blood und deren Verwendung für Werbespots kennt fast jeder die neuseeländische Elektro-Pop-Band The Naked and Famous. Doch vor der Veröffentlichung ihres gefeierten Debütalbums Passive Me, Aggressive You gab es ein – wie ich finde – noch viel besseres Lied, das auf der EP No Light zu finden ist.
Die Rede ist von Bells, ein Lied, das einfach alles hat, von einer kleinen verspielten Melodie bis zu etwas härteren Beats. Hört es euch an, es lohnt sich!

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Song der Woche #19

Und schon wieder ist eine Woche vergangen… Die Zeit vergeht einfach echt so schnell – nur wohin? Das fragt sich auch Clueso in seinem neuen Song Zu Schnell Vorbei. Ein wirklich schöner Popsong das zwar schon fast zu perfekt produziert klingt, durch Cluesos schöne ruhige Stimme aber trotzdem besticht. Dazu dann auch das Video mit seinen Naturaufnahmen, die den rennenden Sänger ganz klein werden lassen.

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Vampire Weekend Video Special

Vampire Weekends zweiter Streich Contra ist zwar schon ein Jahr alt, aber die Songs kreieren immer noch heftige Ohrwürmer. Die vier New Yorker haben ordentlich Promo für ihre Platte letztes Jahr gemacht und hatten viele Live-Auftritte. Die Band wirkt nach wie vor sympathisch und am Boden geblieben. Für alle Fans gibt es jetzt ein paar schöne Mitschnitte.

Vampire Weekend bei diversen Auftritten im Fernsehen und Radio:

im Studio Q in Kanada Ende 2009:

Where The Hell Is Chris??

auf La Blogotheque ( wo sie ein Café stürmen)

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Anna Calvi: Zwischen Düster-Romantik und Teufelsbeschwörung

http://www.myspace.com/annacalvi

An dieser Frau kommt man 2011 nicht mehr vorbei. Anna Calvi ist die neue Verfechterin von.. ja was eigentlich? Hört man sich ihr gleichnamiges Debüt an, fallen einem gleich mehrere Stilrichtungen auf. Jazz, Experimental, Post-Punk, Pop, von allem etwas anscheinend. Dazu ihre tiefe, opernhafte Stimme, die man sich in einer verrauchten Jazz-Kneipe vorstellen kann. Die Tracks wirken dramatisch, düster und vermischen Jazz-Pop mit Blues-lastigem Rock. 40 Minuten Laufzeit- Pulsierend, erotisch, leidenschaftlich und etwas mysteriös. Anna Calvi schafft den schwierigen Spagat zwischen massentauglichen Sounds und eigenwilligen Melodien, vor allem gibt ihre E-Gitarre auf der Platte den Ton an. Auf  ihrer MySpace-Seite steht Tango als Genre; diese Sinnlichkeit inspirierte wohl ihre Stücke.

Rider To The Sea leitet mit seinen schnellen Gitarren-Riffs und Calvis tiefen Summen ein zutiefst eigensinniges Album ein, dass Liebesschmachten und Herzschmerz in knisternde Melodien vereint. Nicht umsonst wird die 28 jährige Britin mit PJ Harvey und Maria Callas verglichen. Mit dem Cover Jezebel von Edith Piaf hat sie ihr Faible für Chanson und starke Stimmen schon unter Beweis gestellt. No More Words ist das Herzstück der Platte und nicht umsonst die erste Auskopplung. Lasziv haucht Calvi hold me close ins Mikro und sehnt sich oh my love flüsternd  in die Arme ihres Geliebten. Das Lied verbindet peppige Jazz-Rhytmen mit schweren Blues-Elementen. Calvis wechselnde Stimmlage erweckt das Bild der einerseits unschuldigen Verliebten und andererseits verführerischen Amazone. Das Spiel mit diesen Rollen beherrscht die junge Sängerin bis zum Ende durch, bis ihr Wispern im Schellen der Rassel erstickt.

Dem Sound ihres Debüts passt sie sich auch optisch an. Streng zurückgeknotete Haare, rote Lippen schwarzer Lidstrich und gekleidet wie ein Flamenco-Tänzer. Weibliche und männliche Attribute verschmelzen in einem. Ihre markante Spielweise, die Saiten in einer zirkulierenden Bewegung in Schwingung zu setzen, vervollständigen den sinnlich-romantischen Sound. Bei Desire und Suzanne and I gibt sich Calvi wieder als die Starke, die mit kräftiger Stimme ihr innerliches Feuer zum Ausdruck bringt.

The Devil spiegelt den inneren Teufel Anna Calvis wider, die ihn mit ihren tiefen Vocals beschwört und schließlich mit einsetzenden Drums herauslässt. Nichts da mit bravem Mädchen! Mit Love Won´t Be Leaving kehrt die 28 Jährige wieder zu ihrer romantischen Seite zurück und preist, begleitet von Streichern, ihren Kampf für die Liebe.

Anna Calvi hat mit ihrem Debüt ein bemerkenswertes Werk hingelegt, das unterschiedliche Musikrichtungen miteinander verbindet und eine romantisch-psychedelische Sound-Atmosphäre kreiert. Dabei gibt sich Calvi mal liebreizend, mal androgyn. Unterstützung bei den Aufnahmen erhielt sie von den Musik-Legenden Brian Eno und Nick Cave, die ihr Talent schnell förderten. Kein Wunder also, dass Calvi prompt zum BBC Sound 2011 gekürt wurde.

Anna Calvi: Anna Calvi

Domino Records

No More Words:

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Chikinki: Album Nummer 5 im März

www.myspace.com/chikinki

Es hat sich also als wahr erwiesen. Chikinki, die Synthie-Pop-Poeten aus Bristol, werden der Welt am 18. März  Bitten präsentieren, ihr fünftes Studioalbum. Es ist lange Zeit ruhig um die fünfköpfige Band gewesen, die sich 2007 mit Brace, Brace endgültig in die Elektrobeat-Pop- Liga katapultiert hat. Bis vor kurzem gab es noch gar keine richtigen Informationen zu einem möglichen neuen Album. Jetzt sind schon Sampler von 2 neuen Songs auf MySpace hochgeladen. Einer davon heißt Bitte Bitte, der vielleicht von den Berliner Studioaufnahmen inspiriert war. Die schweren Synthie-Tunes fehlen jedenfalls auch diesmal nicht. Also erstens, 18. März ab in den nächsten CD-Laden und zweitens, ein Ticket für eins der unten genannten Tourdaten sichern.

26.4.2011 – Berlin, Postbahnhof
27.4.2011 – München, 59:1
28.4.2011 – Köln Gebäude 9
29.4.2011 – Hamburg, Indra

Der Hit von 2007: You Said

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Willkommen zum theatralischsten Album 2010

2010 ist anscheind ein Jahr von Solo-Ausflügen einiger Leadsänger von internationalen Rockbands. Nachdem Julian Casablancas erfolgreich letztes Jahr bewiesen hatte, wie experimentierfreudig er in Sachen Elektro-Pop ist, sind nun Paul Smith (Maximo Park), Kele Okereke (Bloc Party), Fran Healy (Travis) und schließlich Brandon Flowers von The Killers an der Reihe. Ich möchte mich letzterem mit diesem Artikel widmen und aufzeigen, dass es kein Garant für gute Musik ist, wenn man den selben Sound von seiner Band nimmt und ihn einfach nur noch poppiger macht- das heißt in diesem Fall noch schlechter. Der Sänger der Mainstream-Pop-Band Nummer Eins, die unverständlicherweise dem Genre Indierock zugeordnet ist, verfällt mit seinem Debütalbum „Flamingo“ in ultratheatralischen Radio-Pop.

Wieso ich das meine? Nun, nehmen wir doch zunächst die Erst-Single „Crossfire“ in Betracht, die schon mit Synthie und Piano ganz großes Kino schaffen will. Flowers haucht was von Stille außerhalb des Fensters und gibt das ewig leiernde Versprechen, dass er auf sein Baby aufpasst, bla, bla. Die Drums setzten ein und er singt wie ein pathetischer Büttenredner seinen überspannten Refrain. Ich musste schlucken, als ich dieses Lied zum ersten Mal hörte. Dieser ganze 80er Pseudo-Pop-Rock hat null Tiefsinn und null musikalischen Anspruch und ist gerade gut für dreizehnjährige Kiddies, die noch Lady Gaga und Tokyo Hotel an ihren Wänden hängen haben. Da kann auch die schöne Charlize Theron  im Video diesen Pop-Schwall nicht kompensieren.

Flowers macht hier auf ernst zunehmenden Singer/Songwriter, landet aber in einer oberflächlichen Kommerz-Kiste. Er möchte ja mit diesem Album seine Liebe zu Las Vegas offenbaren und sich gleichzeitig mehr mit seiner Abstinenz-Religion beschäftigen. „On The Floor“ ist so ein schönes Beispiel von moralischem Gedusel, in dem Flowers den dreckigen Küchenboden anhimmelt, auf dem er zu Gott beten kann. Tolle Sache… (Aber nein, „es hält ja gekonnt die sepiafarbene Balance zwischen Romantik und desillusionierter Melancholie„, so laut.de) Ja, desillusioniert bin ich auch, wenn ich so etwas lese. Ich muss einräumen, dass Flowers wenigstens konsequent ist und jeden einzelnen Kitsch-Song mit seiner Stimme dramatisch ausschmückt. Das beweist der erste Track „Welcome To Fabulous Las Vegas“, bei dem er schon den großkotzigen Poeten rauslässt: „Give us your dreamers, your harlots and your sins Las Vegas. Didn´t nobody tell you the house will always win?“ An Übertreibung  nicht zu überbieten.

Das CD-Cover schließt sich dem an. Nachdenklich, an der Wand angelehnt, blickt er in einem gold-möbilierten Zimmer mit Aussicht auf Vegas auf den Boden. Wahrscheinlich ist er wieder kurz davor, auf die Knie zu gehen und zu beten. Nochmals zu Erklärung, große Töne bieten noch kein Zeichen für anspruchsvolle Musik. Flowers „Flamingo“ wirkt viel zu großspurig inszeniert, aufgebauscht und dramatisiert, um glaubwürdig zu erscheinen. Es gibt viele Bands und Musiker, die mit viel weniger auskommen und daher auch echt sind. Flowers Musik wirkt einfach nur aufgesetzt und absolut kommerzialisiert, ohne Herz dabei. Aber von einem Killers-Frontman habe ich auch, ehrlich gesagt, nichts anderes erwartet. Mir fehlen aber die Worte, wenn so jemand seine Band mit den Beatles und den Stones vergleicht. Ganz sicher nicht, mein Lieber!

Mich würde es nicht besonders wundern, wenn er Erfolg mit seiner Platte hätte, da es Musik für die Massen ist und das verkauft sich eben am besten. Ich möchte gar nicht mehr großartig auf dieses Album eingehen, da ich mir diese Lieder einfach nicht vollständig anhören kann. Musik ist eben eine vollkommen subjektiv empfundene Sache und jeder Geschmack ist anders. Ich, für meinen Teil, kann nur sagen, dass  „Flamingo“ einer der schlechtesten Alben ist, die ich je gehört habe und der Typ mir schlichtweg unsympathisch ist. Platten vor Gericht: 0 Punkte!!!… ähhhmm, ich korrigiere: 1 Punkt für den durchgängigen Größenwahn.

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